Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit (De sancta Trinitate dialogi VII)

Drittes Gespräch. Daß der Sohn wahrer Gott ist wie auch der Vater.

1.

[S. 161] A. Ich weiß, o Hermias, daß wohl auch du selbst sagen würdest, man müsse sich am meisten an den tugendhaften Bestrebungen erfreuen und insbesondere gern bei frommen Reden verweilen, das seien aber die über Gott.1 Darum sagt auch die heilige Schrift:2 „Und du sollst (sie) zu ihnen reden, wenn du zu Hause sitzest, und wenn du auf dem Wege wandelst, wenn du dich niederlegst, und wenn du aufstehst.“ Denn daß wir das göttliche Wort unaufhörlich auf der Zunge haben, ist, glaube ich, nicht ohne Nutzen und geziemt wohl Niemandem mehr, als denen das gottselige Leben am Herzen liegt.3

B. Das sag’ ich auch; denn Nichts ist besser als Dieß. Da aber von uns bisher zur Genüge die Rede über die göttliche und geheimnißvolle Zeugung untersucht wurde, daß nämlich der Sohn uns nicht anderswoher kam, sondern aus [S. 162] der Wesenheit Gottes des Vaters hervorging (denn Das ist uns klar geworden), was bewegt noch die Gegner, zu meinen, der Vater allein sei der Natur nach und wahrhaft Gott, und durchaus Niemand ihm beizuzählen, sondern zugleich mit den Anderen auch selbst die Natur des einzigen und wahrhaften Sohnes weit von der wahren Gottheit hinwegzustoßen?

A. Wenn du fragen willst, was sie (dazu) bewege, so möchte ich wenigstens von Denen, die so urtheilen, sagen, es sei Dieß:4 „Aus dem Weinstocke von Sodoma ist ihr Weinstock und ihre Ranke aus Gomorrha; ihre Traube ist eine gallichte Traube und ihr Wein aus bitterer Beere.“ Denn trunken gleichsam von ihren ich weiß nicht woher erfundenen Lügenreden bringen sie aus dem schlechten Schatze ihres Herzens Schlechtes hervor.5 Da sie aber ihre Zunge ungezähmt in Lästerungen gegen den Sohn schießen lassen und an einem der Gottlosigkeit der Pharisäer verschwisterten und verwandten Wahnsinne krank sind, so sollen sie mit diesen hören:6 „Ihr Natterngezücht, wie könnet ihr Gutes reden, da ihr böse seid?“ Und es geziemte sich doch, bei der Beschäftigung des Geistes mit so heiligen und geheimnißvollen Untersuchungen, durchaus nicht zu meinen, was ihnen dünkt, sei recht und untadelhaft, sondern, das innere und verborgene Auge gleichsam im Kreise herumwendend und die Breite unzählig vieler Erwägungen durchlaufend, von leichtsinnigen Aufstellungen sich so weit als möglich ferne zu halten und sorgfältig bedenkend, was zum Nutzen dient, und indem das richtige Urtheil und die lautere Lehre zum Verständnisse anleiten, nur den Lehrsätzen der Wahrheit beizupflichten. Denn Geistesverwirrung, meine ich, und Wahnwitz ist es, zu sagen, der wie das Wort aus dem [S. 163] Geiste oder etwa wie der Glanz aus dem Lichte aus Gott hervorgehende Sohn sei nicht von Natur aus und wahrhaft Gott, und so gleichsam auf eitlen Urtheilen zu schwimmen und falscher Gedankenerfindungen sich zu rühmen. Ist es denn nicht besser, mit gelehrigem Sinne Dieß zu bedenken, daß, wo immer die natürliche Zeugung nicht erlogen ist, da gewiß auch die Verwandtschaft des Gezeugten zu dem Zeugenden keineswegs eine gemachte und uneigentliche, sondern eine natürliche ist? Denn das wahrhaft Gezeugte wird aus der Wesenheit des Zeugenden selbst sein. Wie also sollte das aus Gott Gezeugte ermangeln und verfehlen, nach ihnen, in Wahrheit Gott zu sein?

B. Fürwahr, auch sie selbst werden vielleicht sagen, daß er Gott sei und aus Gott, nur auf andere und verschiedene Weise.

A. Aber was denn das „auf andere Weise“ ist, verstehe ich nicht recht; aber sage es vielleicht du, wenn du es etwa weißt! Denn daß du es erfahren hast, ist auch sehr wahrscheinlich.

B. Ich habe es erfahren. Der Vater nämlich, sagen sie, sei wahrer Gott, der Sohn aber nicht so, wenn er auch Gott genannt werden mag; er sei aber auch aus Gott, denn, sagen sie, auch das All ist aus Gott.

A. Und Das heißt denn doch geradezu behaupten, der Sohn sei nicht Gott, sondern er sei eben auch gleich den übrigen Dingen von Gott, natürlich in der Weise der Erschaffung hervorgebracht und als nichtseiend in’s Dasein gerufen worden; und folglich wird er mit der Kreatur gleichsam als seiner Schwester zusammengestellt. Denn ihre Rede der künstlich schlauen Umhüllungen zu entkleiden, halte ich für gut und recht, und die Gegner nicht mit geschmückten Redensarten die Natur des Sohnes vergolden zu lassen, während sie nichts Wahres von ihm denken, sondern sie vielmehr dahin zu bringen, deutlich zu sagen, was sie von ihm glauben. Denn jede Beweisführung, glaube ich, spottet [S. 164] ihrer Thorheit. Und zwar, daß, wer einen unverdorbenen Verstand hat, der Ansicht sein dürfte, der Sohn sei aus Gott hervorgebracht, bedeute nichts Anderes, als er sei gezeugt und aus der Wesenheit des Vaters selbst entsprungen, hat unsere vorausgehende und soeben vollendete Rede gezeigt. Nun aber, glaube ich, müssen wir an etwas Anderem den zu forschen verstehenden Geist schärfen.

B. Thue Das, bereitwilligst darauf losgehend! Was sie aber unseren Reden entgegenstellen zu müssen glauben, ist Dieses. Einer nämlich, sagen sie, wird wahrer Gott genannt in den alt- und neutestamentlichen Schriften. Denn Moses sagt:7 „Höre, Israel, der Herr, dein Gott, ist ein Herr!“ Ja, auch in Liedern führt er Gott selbst ausrufend ein:8 „Sehet, sehet, daß ich Gott bin und Keiner ausser mir!“ Und abermals:9 „Ich bin Gott zuerst, und ich hernach, und ausser mir ist Keiner.“ Und auch der Sohn selbst sagt zum Vater:10 „Das aber ist das ewige Leben, daß sie dich als allein wahren Gott erkennen.“ Sie könnten aber ohne Mühe unzählig Vieles dergleichen zusammentragen und anführen; sie werden aber mehr im Allgemeinen mit ihren eigenen Gründen dafür kämpfen, und sie werden sich nicht in ihrer Hoffnung täuschen, daß Einige mit ihnen denken wollen, einzig und allein der Vater sei wahrhaft und von Natur aus Gott, sonst aber ausser ihm durchaus Niemand.

1: Oder: Das dürften aber die über Gott sein.
2: Deut. 6, 7.
3: D. h. die es pflegen sollen, also den Geistlichen.
4: Deut. 32, 32.
5: Eigentlich: rülpsen sie, als betrunken nämlich.
6: Matth. 12, 34.
7: Deut. 6, 4.
8: Deut. 32, 39.
9: Is. 41, 4.
10: Joh. 17, 3.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Cyrills Leben und Schriften
Bilder Vorlage

Navigation
. Vorwort.
. Erstes Gespräch. Daß...
. Zweites Gespräch Daß...
. Drittes Gespräch. ...
. . 1.
. . 2.
. . 3.
. . 4.
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . Mehr
. Viertes Gespräch. ...
. Fünftes Gespräch. ...
. Sechstes Gespräch. ...
. Siebentes Gespräch. ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger