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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

9.

B. Wie nun, wenn sie sagten, unsere Lage habe nur der Anwesenheit des Eingebornen bedurft; indem er aber den Bewohnern der Erde habe erscheinen und mit den Menschen verkehren und uns den Weg des evangelischen Lebens zeigen wollen, habe er der göttlichen Anordnung gemäß 1 sich mit dem uns ähnlichen Fleische umhüllt? Denn die Gottheit sei ihrer eigenen Natur nach nicht sichtbar.

A. Man wird sie überführen als Solche, die den Zweck der Menschwerdung mißkennen und das große Geheimniß der Gottseligkeit gar nicht verstehen. Denn wenn die Einfleischung oder Menschwerdung des Eingebornen bloß den Zweck hat, den Erdebewohnern sichtbar zu werden, und der menschlichen Natur sonst Nichts zubrachte, wie soll es dann nicht gewissermaßen besser sein und weise, daß auch wir selbst der Meinung der Doketen beistimmen, welche, indem sie das Wort mit Fleisch und einem irdischen Körper umkleiden, zwar fabeln, es sei wie ein Mensch erschienen, die Unglücklichen, aber doch deutlich zugestehen, es sei der Urheber der höchsten Güter geworden? Oder wirst du es nicht für besser erklären, wenn das Wort aus Gott der menschlichen Natur Nichts nützt, obwohl es Fleisch wurde, es von der fleischlichen Unreinigkeit auszulösen und zu glauben, es habe sich einmal des irdischen Leibes bedient und so den vorgesetzten Zweck vollendet?

[S. 493] B. Welches also mag wohl der Grund seiner Ankunft, welches die Weise der Menschwerdung gewesen sein, und weßwegen hat sie stattgefunden? Ich möchte es wissen.

A. Wohlan denn also, mein Bester, höre die heiligen Schriften und, das Auge des Geistes aufmerksam auf die Aussprüche der heiligen Apostel heftend, betrachte nun sorgfältig den Fragepunkt! Es sagt uns also der weise Paulus, der Christum in sich redend hatte: 2 „Da nämlich die Kinder an Blut und Fleisch Theil haben, so hat auch er deßgleichen an ihnen Theil genommen, damit er durch den Tod den Machthaber des Todes vernichtete, nämlich den Teufel, und Diejenigen befreite, welche durch Furcht des Todes ihr ganzes Leben lang der Knechtschaft unterworfen waren.“ Und ferner, indem er auch anderswo uns eine andere Weise darlegt, sagt er: 3 „Denn was dem Gesetze unmöglich war, da es kraftlos war durch das Fleisch, Gott hat, indem er seinen Sohn sandte in Ähnlichkeit des sündlichen Fleisches und wegen der Sünde, die Sünde im Fleische verdammt, damit die Gerechtigkeit des Gesetzes erfüllt, würde in uns, die wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste.“ Ist es nun nicht ganz klar und für keinen Menschen undeutlich, daß der Eingeborne geworden ist wie wir, das heißt ein vollkommener Mensch, damit er unseren irdischen Leib von der eingedrungenen Verderbniß erlöse, indem er durch den Einigungsakt zur Gleichheit mit uns herabstieg nach dem Gesetze des Lebens und, die menschliche Seele zur eigenen sich machend, sie darstellte als erhaben über die Sünde, indem er die Festigkeit und Unwandelbarkeit seiner eigenen Natur wie eine Beize ihr einfärbte.

B. Nicht undeutlich ist, wie ich meine, die Sache. Denn sie trägt in sich den wahrscheinlichen oder vielmehr den wahren Vernunftgrund.

1: Οἰκονομικῶς ließe sich vielleicht durch „erscheinungsweise“ übersetzen, sofern es im Gegensatz zur wirklichen Menschwerdung die bloße Erscheinung in Menschengestalt ausdrückt.
2: Hebr. 2, 14.
3: Röm. 8, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger