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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

8.

A. Aber nicht gar sehr zu unseren Lehren hierüber stimmen die Ansichten Jener. Denn als einen zwar nehmen einstimmig auch sie Christum Jesum an, indem sie hierin wenigstens ganz richtig denken; und sie weisen die Trennung des Emmanuel in Zwei als höchst unfromm [S. 490] ernstlich zurück. Indem sie aber gleichwohl das Fleisch der menschlichen und vernünftigen Seele berauben, lassen sie das Wort aus Gott mit demselben verbunden sein. Es hat sich ihnen aber ein, wie sie meinen, überzeugender Grund hiefür gefunden. Denn, sagen sie, die verbindungsweise zur Konstituirung eines vollkommenen Wesens zusammenkommenden Stücke pflegen als Theile, die für sich unvollkommen sind, betrachtet zu werden, während das an sich und in seiner eigenen Natur Vollkommene der Verbindung aus Theilen nicht bedarf. Folglich, sagen sie, muß man natürlich vermeiden, den mit dem Worte vereinigten Tempel als einen vollkommenen Menschen gelten zu lassen, damit auch die Verbindung, die man etwa bei Christus denkt, streng und tadellos ihren Begriff behalte. Und auch Dieß, wie ich glaube, mögen sie noch beifügen. Wenn wir nämlich aus einem vollkommenen Menschen, sagen sie, und dem aus dem Vater seienden Worte den Emmanuel zusammensetzen, so ist nicht gering die Furcht, oder vielmehr es erscheint sogar schon gewissermaßen als unvermeidlich, auch wider Willen zwei Söhne und zwei Christus denken und lehren zu müssen.

B. Was werden dann wir hierauf antworten?

A. Erstens, daß es sich geziemt, die so uralte und von den heiligen Aposteln selbst auf uns gekommene Überlieferung des Glaubens nicht durch maßlose Spitzfindigkeiten zu kränken, noch auch das Übervernünftige sublimen Untersuchungen zu unterwerfen, aber auch nicht sich vorzudrängen wie gewisse Grenzbestimmer und Solche, welche vorlaut sprechen: Dieß da ist recht, Das dagegen sollte doch sich anders verhalten, und es wäre in der That besser; sondern vielmehr dem allweisen Gott den Weg seiner Rathschlüsse zu überlassen und nicht das von ihm Gutgeheissene verwegen zu tadeln. Denn wir werden ihn deutlich sagen hören: 1 [S. 491] „Denn meine Rathschlüsse sind nicht wie euere Rathschlüsse und nicht wie euere Wege sind meine Wege, sondern so weit der Himmel weg ist von der Erde, so weit weg ist mein Weg von eueren Wegen und euere Gedanken von meinem Denken.“ — Sodann, was ihnen weise erfunden zu sein scheint, wird sich als völlig eitel und thöricht erweisen. Denn wenn nun Jemand jenen göttlichen Tempel der vernünftigen Seele berauben wollte, so wird die Verbindung nicht aus zwei Unvollkommenen bestehen, daran fehlt viel. Es verhält sich nämlich allerdings zum ganzen aus Seele und Leib bestehenden Menschen das Fleisch allein und für sich als Theil. Aber das göttliche Wort wenigstens kann doch nicht als Theil von Etwas gedacht werden, aber auch nicht als unvollkommen, o Trefflichste; denn es ist in seiner eigenen Natur ganz vollkommen. Wo also wird die Verbindung aus unvollkommenen (Theilen) zu einem Vollkommenen sein, wenn anders sie besteht aus dem vollkommenen Worte und dem, mit Rücksicht auf den ganzen und in seiner Natur vollständigen Menschen, allerdings unvollkommenen Fleische? Söhne aber werden wir keineswegs zwei verehren, aber auch nicht sagen: Zwei Christus, wenn wir auch glauben, daß aus einem vollkommenen Menschen und Gott dem Worte die Verbindung zur Einheit des Emmanuel stattgefunden habe. Gleichwie nämlich (nach Dem wenigstens, wie Jene meinen, daß es recht ist), wenn man auch sagen würde, sie bestehe aus dem bloßen Fleische und dem aus Gott dem Vater, entsprungenen Worte, keine Wendung sie überreden wird, das Fleisch besonders setzend und den Eingebornen wieder besonders, zwei Christus zu bekennen, sondern sie den Emmanuel in einen Herrn Jesus Christus aufnehmen werden (denn hierin wenigstens haben sie sehr richtig zu denken gelernt): ebenso haben wir, wenn wir auch sagen, das Wort aus Gott sei auf unaussprechliche und unbegreifliche Weise mit einem vollkommenen, nämlich aus Seele und Leib bestehenden Menschen gleichsam zusammengetroffen und Eins geworden, nicht zwei Söhne im Sinne, sondern einen und denselben, der von [S. 492] Natur Gott ist und aus der Wesenheit Gottes und des Vaters hervorgegangen, in den letzten Zeiten der Welt aber Mensch geworden und von der heiligen Jungfrau geboren worden ist und von uns selbst und den heiligen Engeln angebetet wird, den Schriften gemäß. 2

1: Is. 55, 8—9.
2: Adorabunt eum omnes angeli. Ps. 96, 8; Hebr. 1, 6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger