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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

7.

A. Wundern aber sollte man sich füglich, wie in dem noch gar nicht zum Dasein gelangten Sohne der Vater Alles gemacht hat. Würde man aber fragen, ob für das Seiende das Sein gut sei oder etwa das Nichtsein, wie würdest du antworten?

B. Ich würde sagen: Das Sein. Denn darum hauptsächlich, weil er dem Nichtseienden einmal das Sein gab, nennt der Schöpfer sich gut und ist es.

A. Du hast ganz Recht. Denn so wird wohl der Natur nach die Sache sich verhalten. Also besser daran ist die Kreatur, wenn anders Der, durch den Alles zur Entstehung gerufen wird, selbst für nicht existirend erklärt wird, die Geschöpfe aber existiren und als seiend erkannt werden.

B. Fort mit der Lästerung! Denn „lebendig ist das [S. 488] Wort Gottes und wirksam,“ wie geschrieben steht. 1 Darum hat es auch gesagt: 2 „Ich bin das Leben.“

A. Aber sollte man nicht das Leben denken als bestehend (existirend)? Leben aber ist es von Natur aus; denn lügen wird es gewiß nicht. Daß also das aus Gott entsprungene Wort nicht existire, ist eine reine Lüge und ein Abschaum des albernsten Sinnes.

B. Ganz und gar. Denn zu Moses sprach es selbst: 3 „Ich bin der Seiende.“ Daß aber das wahrhaft Seiende sich nicht in eigener Existenz erhalte, wie wäre Das denkbar?

A. Also der so Gesinnten äussersten Unverstand werden wir natürlich verabscheuen.

A. Aber auch jene (Anderen) werden wir wohl nicht loben, o Hermias, wir, die wir sehr wohl gelernt haben, der Wahrheit nachzujagen?

B. Welche?

A. Diejenigen, welche sagen, das mit dem Worte vereinigte Fleisch entbehre der vernünftigen Seele. Sie bekleiden nämlich das Wort mit dem bloßen, mit der Fähigkeit des Lebens und Empfindens begabten Fleische und führen es so in die Welt ein, indem sie die Thätigkeit des Geistes und der Seele dem Eingebornen zuweisen. Denn sie schaudern davor, zu bekennen, daß das Wort (ich weiß nicht, wie ich sagen soll) mit einem dem Begriffe der Menschennatur gemäß vollkommenen, das heißt aus Seele und Leib bestehenden Menschen sich vereinigt habe, indem sie einerseits die Überlieferung des von oben stammenden und uralten Glaubens durchaus geringer Berücksichtigung würdigen, anderseits thörichter Weise sich vorsetzen, ihrem [S. 489] bloßen Eigensinn und menschlichen Vernünfteleien folgen zu sollen, und in der That anders denken, als man denken soll.

B. Und welchen Grund haben sie für eine solche Lehre?

A. Ich will es sagen. Der Mittler Gottes und der Menschen, sagen wir den Schriften gemäß, sei zusammengesetzt aus unserer Menschennatur in der ihrem Begriffe gemäßen Vollständigkeit und dem aus Gott entsprungenen Sohn von Natur, nämlich dem Eingebornen. Wir behaupten aber, es habe eine Zusammenkunft und unaussprechliche Verbindung ungleicher und unähnlicher Naturen zur Einheit stattgefunden, als einen aber anerkennen wir gleichwohl Christum, den Herrn und den Sohn, der zumal sowohl Gott als auch Mensch ist und als solcher erkannt wird. Wir pflegen die Einheit durchaus ungetrennt zu wahren, indem wir glauben, derselbe sei sowohl der Eingeborne als der Erstgeborne; der Eingeborne als Wort aus Gott dem Vater, welches auch aus seiner Wesenheit entsprang, der Erstgeborne aber, sofern er Mensch geworden ist und unter vielen Brüdern. 4 Denn wie einer ist Gott der Vater, aus dem Alles ist, so auch ein Herr Jesus Christus, durch den Alles ist. Als Gott von Natur aber anerkennen wir das Wort, wodurch Alles ist, auch wenn es Fleisch, das heißt Mensch, geworden ist.

B. Ganz richtig.

1: Hebr. 4, 12.
2: Joh. 14, 6.
3: Exod. 3, 14.
4: Röm. 8, 29.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger