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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

21.

A. Es kämpft aber und ringt für diese Ansicht auch der weise Johannes, indem er die Naturen fast sogar verschmilzt und die Kraft der einer jeden von beiden zukömmlichen Eigenheiten zum Zusammenfluß bringt. Denn sieh, was er sagt: 1 „Was von Anfang war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, von dem Worte des Lebens, — und das Leben ist erschienen, und wir haben es gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, welches beim Vater war und uns erschienen ist.“ Sieh’, der von Anfang Seiende, sagt er, sei sichtbar erschienen und habe sich sogar berühren lassen! Es rief nämlich Thomas: 2 „Mein Herr und mein Gott!“ nachdem er mit dem Finger die Brustseite des Leibes und die Löcher der Nägel untersucht hatte. Aber auch der heilige Lukas sagt uns, die heiligen Apostel seien Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen. Denn sichtbar wurde der Unkörperliche und greifbar der Ungreifbare, indem er das irdische Fleisch nicht als ein fremdes Gewand hatte, sondern es sich zum eigenen Tempel machte und mit demselben sich zu erkennen gab als Gott und Herr. Es schreibt [S. 526] aber, wie du weißt, irgendwo der heilige Paulus: 3 „Denn Keiner von uns lebt sich selbst, und Keiner stirbt sich selbst. Sowohl nämlich, wenn wir leben, leben wir dem Herrn, als auch wenn wir sterben, sterben wir dem Herrn. Mögen wir also leben oder mögen wir sterben, so sind wir des Herrn. Denn darum ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden, damit er über Todte und Lebendige herrsche.“ Es ziemt sich also, daß in der That über Todte und Lebendige Derjenige herrsche, der aus keinem anderen Grunde als allein deßwegen gestorben und auferstanden ist.

B. Allerdings.

A. Wer also, mein Bester, sagen wir, daß den Tod erduldete und wieder auflebte?

B. Der Sohn, offenbar.

A. Allerdings der Sohn, da hast du Recht; ich werde ja beistimmen. Ich möchte aber von dir wissen, ob das Wort aus Gott dem Vater sterblich und der Verwesung zugänglich ist oder über Tod und Verwesung erhaben, als Leben.

B. Das Letztere, sage ich.

A. Wie war er dann unter den Todten, und zwar als ein Freier, wie die Schrift sagt? 4 Es kann ja doch wohl nicht das Wort an sich sterben?

B. Weil sein Fleisch starb, so sagt man, er selbst habe Dieses erduldet.

A. Ganz richtig und korrekt. Also nicht ohne Fleisch, sondern mit demselben und nach demselben 5 hat die Herrlichkeit der Herrschaft Derjenige erlangt, der nach dem Ge- [S. 527] setze des Fleisches und unserer Natur starb und wieder auferstand, indem er als menschliches Leiden das Sterben, als göttliches Werk aber das Wiederaufleben zeigte, damit er durch Beides erkannt würde sowohl als uns ähnlich als zugleich erhaben über uns als Gott von Allem und, nachdem er mit 6 uns geworden, gesehen würde mit 7 dem Vater. So erkannte ihn Nathanael und sprach: 8 „Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels!“ Er selbst aber sagt zu seinen Jüngern: 9 „Ihr nennt mich Herr und Lehrer, und ihr habt Recht; denn ich bin es.“ Durch die That aber Dieses beweisend vergibt er Sünden und verlieh Macht gegen die unreinen Geister, um sie auszutreiben und zu heilen jegliche Krankheit und jegliche Schwäche im Volke. 10 Denn wurden nicht im Namen Jesu Christi, des Nazareners, der an beiden Füßen Lahme gesund gemacht, der an der „schönen Pforte“ saß 11 und schüttelte sie so lange und ganz unheilbare Doppelkrankheit (jener) Äneas ab, zu dem der heilige Paulus sprach: 12 „Äneas, es heilt dich Jesus Christus“?

B. Ja freilich.

1: I. Joh. 1, 1 u. f.
2: Joh. 20, 28.
3: Röm. 14, 7—9.
4: Inter mortuos liber; Ps. 87, 4.
5: D. h. nach der Annahme desselben.
6: Das „mit“ drückt hier die Theilnahme sowohl an unserer Natur als an der Herrlichkeit des Vaters aus.
7: Das „mit“ drückt hier die Theilnahme sowohl an unserer Natur als an der Herrlichkeit des Vaters aus.
8: Joh. 1, 49.
9: Joh. 13, 13.
10: Matth. 10, 8.
11: Apostelg. 3, 2 u. f.
12: Soll heißen: Petrus.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger