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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

3.

A. Wohlan denn also, lassen wir, wenn du willst, die Meinung, als müßten wir lang und eifrig subtile Untersuchungen anstellen, und verwenden wir auf jeden Punkt nur eine ganz kleine Prüfung und sagen wir zunächst den Doketen: „Ihr irret, da ihr die Schrift nicht kennet“ 1 noch auch das große Geheimniß der Gottseligkeit, nämlich Christum, „welcher geoffenbart ist im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, erschienen den Engeln, verkündet den Völkern, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit“. 2 Es müssen aber, meine ich, die von der Gegenpartei entweder die Alten verwerfen und als Lügner erklären die Lehrer der ganzen Welt, zu denen Christus selbst sprach: 3 „Gehet hin und lehret alle Völker!“ oder wenn sie anders Das zu thun zurückschrecken, so müssen sie die richtige Ansicht von Christus annehmen und, ihren eigenen Thorheiten Lebewohl sagend, sich fest an die heiligen Schriften halten und, den sicheren Pfad der Heiligen durchschreitend, auf die Wahrheit selbst losgehen. Denn nichts Anderes wohl, meine ich, dürfte „das Geheimniß der Gottseligkeit“ sein als eben das Wort aus Gott dem Vater, welches offenbar wurde im Fleische; denn es wurde geboren aus der heiligen Jungfrau, Knechtsgestalt annehmend. Es erschien aber auch den Engeln, welche den Gebornen feiern mit den Worten: 4 „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede, bei den Menschen Gnade!“ Ja, indem sie auch den Hirten den für uns Fleisch gewordenen Gott, das Wort, anzeigen, sagen sie: 5 „Siehe, heute ward uns der Heiland geboren, Christus, der Herr, in der Stadt Davids! Und Das sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln [S. 478] gehüllt, in einer Krippe liegend.“ Wenn aber eine Geburt aus der Jungfrau und eine Erscheinung im Fleische stattfand, wie ist es dann nicht ein eitles Gerede und wie nicht Unsinn und Geschwätz, die so handgreifliche und offenbare Veranstaltung mit dem Namen „Schein“ zu belegen? Denn wenn es Schatten und Schein war und nicht in Wahrheit eine Fleischwerdung, dann gebar ja nicht die Jungfrau und nahm das Wort aus Gott dem Vater nicht den Samen Abrahams an und wurde er nicht gleich den Brüdern. Denn doch wohl nicht Schatten sind wir selbst oder Schein, sondern wir sind in greifbaren und sichtbaren Leibern und mit diesem irdischen Fleische bekleidet und unterliegen der Auflösung und den Affekten. Wenn also nicht Fleisch wurde das Wort, dann kann es auch nicht in Dem, worin es selbst gelitten hat, da es versucht wurde, Denen, die versucht werden, helfen. Denn ein Schatten wird doch wohl Nichts leiden. Es geht uns also das Ganze in der That in das Nichts dahin. Denn was für einen Rücken noch gab er für uns her, oder was für eine Wange den Schlagenden darreichend ertrug er die Streiche der Juden? Und daß er an Händen und Füßen mit Nägeln durchbohrt wurde, wenn er gar nicht im Fleische erschien, wie doch soll Das Einer glauben? Oder was für eine Seite, sag’ mir, durchstechend haben die Soldaten des Pilatus den Zuschauern das zugleich mit Wasser hervorquellende kostbare Blut hergezeigt? Und wenn hierüber hinaus noch Etwas zu sagen nöthig ist: weder ist Christus für uns gestorben, noch auch ist Christus auferstanden, womit, wenn es als wahr angenommen wird, der Glaube vernichtet und das Kreuz dahin ist, das Heil und Leben der Welt, und gänzlich untergegangen die Hoffnung der im Glauben Entschlafenen. Mit Recht nämlich schien es auch dem heiligen Paulus sich so zu verhalten; denn „ich überlieferte euch,“ sagt er 6 „hauptsächlich, was ich auch empfangen habe, daß Christus für unsere [S. 479] Sünden gestorben ist, gemäß den Schriften, und daß er begraben wurde, und daß er auferstanden ist am dritten Tage, gemäß den Schriften, und daß er dem Kephas erschienen ist und dann den Zwölfen. Hierauf erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich, von denen die mehreren bis jetzt noch leben, Einige aber auch gestorben sind. Sodann erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln, zuletzt aber von Allen, als einer Fehlgeburt (sagt er), erschien er auch mir.“ Und nach Anderem wieder: 7 „Wenn aber Christus verkündet wird, daß er von den Todten auferstanden ist, wie sagen unter euch Einige, es gebe keine Auferstehung der Todten? Wenn es aber keine Auferstehung der Todten gibt, dann ist auch Christus nicht auferstanden. Wenn aber Christus nicht auferstanden ist, dann ist ja eitel unsere Predigt, eitel auch unser Glaube. Wir werden aber auch als falsche Zeugen Gottes erfunden durch das Zeugniß, daß er Christum auferweckt habe, den er doch nicht auferweckt hat, wenn anders die Todten nicht auferstehen.“ Denn wie doch, sag’ mir, sollte wohl der Schatten sterben? Wie also hat der Vater Christum erweckt, wenn er Schatten war und Schein und den Banden des Todes nicht unterworfen? Fort also mit dem Brecherguß von Jenen! Für Fabel dagegen und Ausbrüche eines unheiligen Willens wollen wir ihre Lehren halten. Denn vor dergleichen Leuten warnt uns der Jünger des Heilandes schon im Voraus, da er schreibt: 8 „Viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Daran wird der Geist Gottes erkannt: Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott. Und Dieß da ist die Lehre des Antichrist, von dem ihr gehört habt, daß er kommt, und er ist jetzt schon in der Welt.“ Denn wenn er nicht Mensch geworden ist, dann ist er ja auch nicht im Fleische zu dem Vater und Gott im Himmel aufgefahren, noch auch wird er in unserer Gestalt vom Him- [S. 480] mel wieder kommen, als Mensch nämlich und im Fleische. Meinst du nicht, daß ich Recht habe?

B. Allerdings.

1: Matth. 22, 29.
2: I. Timoth. 3, 16.
3: Matth. 28, 19.
4: Luk. 2, 14.
5: Das. 10.
6: I. Kor. 15, 3—8.
7: I. Kor. 15, 12—15.
8: I. Joh. 4, 1—3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger