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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

20.

A. Ich möchte Das nicht sagen. Es fehlt auch viel daran. Gestern und heute ist Jesus Christus Derselbe und in Ewigkeit. Das Alterthum aber und die Unwandelbarkeit des Wortes werde ich keineswegs läugnen, auch wenn es Fleisch geworden ist; ich werde aber glauben, in der Einigung mit seinem Fleische zeige er sich wieder, als gestern seiend und vorher existirend. Darum verabscheute ihn der irrsinnige Jude und suchte ihn zu steinigen, indem er den Glauben nicht zuließ. Denn er war erstaunt, daß er, der doch als Mensch erschien wie wir, die Ehrwürdigkeit eines übermenschlichen Alters für sich bezeugte, da er als Gott sagte: 1 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham wurde, bin ich,“ worauf Jene erwiderten: 2 „Du hast noch nicht fünfzig Jahre und hast den Abraham gesehen?“ Es sprach aber auch Johannes: 3 „Der nach mir kommt, ist mir vorgegangen, weil er vor mir war.“ Indessen wie sagt er, da er doch den Emmanuel als Menschen kennt und benennt, daß der später Geborne und nach ihm Kommende vor ihm und ihm voraus sei?

B. Er meint, er sei vor ihm und ihm voran an Ehre, wie mir zu denken in den Sinn kommt.

A. Und daß es in der That falsch und ungereimt sei, so zu denken, wirst du nicht erst nach langen Reden zugeben. Denn wenn wir das „vor“ nehmen für „vorzüglicher an Ehre“, so werden wir auf dieselbe Weise sagen, auch das „nach“ bedeute recht wohl soviel als „nachstehend an Ruhm“.

B. Es stand uns also bevor, unverständiger Weise zu vermuthen, Christus werde durch den Ruhm des Jo- [S. 524] hannes übertroffen und stehe ihm nach; denn er sagte: Nach mir kommt ein Mann.

A. O der Ungereimtheit! Wir werden ja glauben, daß es sich nicht so verhalte, wenn wir richtig verstehen, was in den Psalmen geschrieben steht: 4 „Wer in den Wolken wird dem Herrn gleichkommen, und wer wird Gott ähnlich sein unter den Söhnen Gottes?“ Man muß ihm also auch nach der Menschwerdung die Alterswürde beilegen, als Gott von Natur, der sich einigte mit dem Fleische und die Güter der eigenen Natur dem eigenen Fleische mitzutheilen pflegt.

B. Ganz richtig.

A. Daß es sich aber so verhalte und man mit Recht so sage, kannst du auch aus anderen Zeugnissen, mein Lieber, wenn du willst, lernen. Denn es sprach Gott irgendwo von dem dem Fleische nach von David stammenden Christus durch einen der heiligen Propheten: 5 „Und du, Bethlehem, Haus Ephrata, bist die geringste, die da ist unter den Tausenden Juda’s; aus dir wird mir hervorgehen, der da sein soll Herrscher in Israel, und seine Ausgänge sind von Anfang seit den Tagen der Ewigkeit“ (Weltzeit). Von den Kindern Israels aber sagt der heilige Paulus: 6 „Alle wurden auf Moses getauft in der Wolke und im Meere, und Alle aßen die geistige Speise und tranken denselben geistigen Trank. Sie tranken nämlich aus dem ihnen folgenden Fels; der Fels aber war Christus.“ Betrachte also in Christus Jesus der heilsordnungsmäßigen Einigung nach die dem Worte eigenthümliche Alterswürde! Oder ist der Ausspruch nicht klar? Denn sehr wohl heißt es, der Bethlehemite, als Mensch und vom Weibe, habe seinen Ausgang vom Anfange der Ewigkeit (Welt). Denn [S. 525] im Anfange war und vor aller Weltzeit das Wort, welches Mensch wurde, und dieses war der Fels, der den durstigen Israel durch die unverhofften und ungeahnten Quellen tränkte, obwohl er dem Fleische und der Menschheit nach in den letzten Zeiten geboren wurde und gesalbt zur Absendung in die Welt von Gott dem Vater. Denn deßwegen, nicht wegen etwas Anderem ist er Christus genannt worden; Christus aber war der Fels, nach Paulus. Wirst du die Sache für zweifelhaft erklären?

B. Keineswegs.

1: Joh. 8, 58.
2: Joh. 8, 57.
3: Joh. 1, 27.
4: Ps. 88, 7.
5: Mich. 5, 2.
6: I. Kor. 10, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger