Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

19.

A. Du kannst aber auch anderswo in denselben Gedanken Diejenigen sich bewegen sehen, die den heiligen Geist hatten. Denn Johannes zum Beispiel sagt: 1 „Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dieses war im Anfange bei Gott. Alles ist durch dasselbe geworden, und ohne es ist Nichts geworden.“ Paulus aber wieder: 2 „Einer ist Gott der Vater, aus dem Alles; Einer der Herr Jesus Christus, durch den Alles.“ Aber wenn je nach der Vereinigung des Wortes mit dem Fleische eine Scheidung und Trennung zur Verschiedenheit, zur gleichsam Zweiheit von Söhnen da war, wie es dir scheint, wie ist dann Alles durch Jesus Christus geschaffen? Allein in Wahrheit ist Alles durch ihn geschaffen. Es ist also offenbar, daß Das, was dem aus dem Vater stammenden Worte von Natur und eigenthümlich innewohnt, ihm bewahrt blieb, auch da es Mensch wurde. Gefährlich also ist es, eine Trennung zu wagen. Denn einer ist der Herr Jesus Christus, und durch ihn hat der Vater Alles geschaffen.

B. So ist es.

A. Er ist also auch Schöpfer, auf göttliche Weise, und lebendig machend, als Leben, als Mensch geworden aber hinwieder auch mit den übermenschlichen Eigenschaften zu einem Mittleren verbunden. Denn Mittler ist er zwischen Gott und Menschen, wie die Schrift sagt, 3 da er von Natur Gott ist, und nicht ohne Fleisch, Mensch aber in Wahrheit, und nicht schlechtweg wie wir, sondern indem er blieb, was er war, auch da er Fleisch wurde. Denn es steht geschrieben: 4 „Jesus Christus, gestern und heute Derselbe und in Ewigkeit.“ Oder glauben wir denn nicht, daß der [S. 522] Emmanuel in den letzten Zeiten der Welt von der heiligen Jungfrau geboren sei?

B. Ja; denn den heiligen Schriften werden wir doch nicht widersprechen.

A. Das „gestern und heute“ aber, sag’ mir, o Freund, zeigt es uns nicht die gegenwärtige und die bereits vergangene Zeit an?

B. Ja.

A. Wie also wird er Derselbe sein mit dem Vorhergegangenen, wenn er gleich die Geburt nach dem Fleische noch nicht angenommen hat?

B. Weil er das Wort auch im Anfange war, auch sofern er aus dem ewigen und unveränderlichen Gott und Vater entspringt, hat auch er selbst als in eigener Natur die Ewigkeit und Unveränderlichkeit.

A. Ich lobe deine Meinung; denn es verhält sich so und ganz richtig; indeß dürftest du wohl einem Neugierigen sagen, mein Guter —

B. Was?

A. Ist nicht der Name Jesus ein ganz neuer und dem Worte erst in den Zeiten der Menschwerdung zugekommener?

B. In der That, Das wurde uns durch sehr Vieles ersichtlich.

A. Verstehe also, daß er von Jesus Christus und nicht schlechthin von dem Worte sagt, er sei gestern und heute Derselbe und in Ewigkeit! Wie aber sollte die menschliche Natur die Unveränderlichkeit und das Verharren in der Gleichheit haben, da sie doch Bewegung (Übergang) hat und vorzugsweise wenigstens die (den) aus dem Nichtsein zum Sein und Leben?

B. Hat uns also die heilige Schrift das Wahre ver- [S. 523] fehlt und sagt sie von dem gestern Nichtseienden, er sei vorher gewesen?

1: Joh. 1, 1 u. f.
2: I. Kor. 8, 6.
3: I. Tim. 2, 5.
4: Hebr. 13, 8.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Cyrills Leben und Schriften
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . 5.
. . 6.
. . 7.
. . 8.
. . 9.
. . 10.
. . 11.
. . 12.
. . 13.
. . 14.
. . 15.
. . 16.
. . 17.
. . 18.
. . 19.
. . 20.
. . 21.
. . 22.

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger