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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

18.

A. Wie also macht er uns lebendig, als Gott, jedoch nicht bloß durch die Theilnahme am heiligen Geiste, sondern indem er auch das angenommene Fleisch als Speise vorsetzt? Er sagt nämlich: 1 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Als ihn aber die Juden einst höhnten und das höchste Lob ich weiß nicht wie dem seligen Moses zuzutheilen unternahmen und öffentlich sagten: 2 „Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie geschrieben steht: Brod vom Himmel gab er ihnen zu essen, was thust du für ein Zeichen, damit wir dir glauben; was wirkest du,“ als Einer, der von oben und vom Himmel den Leib herab gebracht hat? — da sprach er: 3 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, nicht Moses hat euch das wahre Brod vom Himmel gegeben! Denn das Brod Gottes ist das, welches vom Himmel herabkommt und der Welt das Leben gibt.“ Und darauf wieder, indem er fast auch mit dem Finger auf sich, den Leibhaftigen, zeigte, sprach er: 4 „Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel herabkam. Wenn Jemand von diesem Brod ißt, wird er leben in Ewigkeit. Und das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt; wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Und wie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich durch den Vater lebe, so wird auch Derjenige, der mich ißt, durch mich leben.“ 5 Gleichwohl, wie wäre es nicht richtig, zu sagen, daß das Fleisch nicht vom Himmel herabkam, sondern aus der Jungfrau war, gemäß den Schriften? 6 Daß aber das Wort nicht trenne, sondern beide in Eins verbinde und gleichsam die Eigenthümlichkeiten der Naturen mit einander mische, ist uns aus sehr vielen Stellen ersichtlich. Denn zu Nikodemus, [S. 519] der das Mysterium nicht verstand und in seiner Unwissenheit ausrief: „Wie ist Das möglich?“ sprach er: „Wenn ich euch Irdisches gesagt habe und ihr nicht glaubet, wie werdet ihr, wenn ich euch Himmlisches sage, glauben? Und Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen, ausser der vom Himmel herab kam, der Sohn Gottes.“ 7 Zu den Juden aber wieder, die an derselben Ungelehrigkeit krankten wie Jener und ihn ich weiß nicht wie verlachen wollten, da er sagte, sein Leib sei Leben gebend und vom Himmel, sprach er: 8 „Das ärgert euch, wenn ihr nun den Sohn des Menschen dahin aufsteigen sehet, wo er früher war?“ Oder werden wir nicht sagen, daß der Emmanuel vom Weibe geboren sei?

B. Wie denn nicht?

A. Wo also war er vorher? Oder wie stieg er dahin auf, wo er sagte, daß er sei, obwohl der mit ihm vereinigte Leib aus der heiligen Jungfrau geboren ist? Und werden wir nicht auch gestehen, das irdische Fleisch sei nicht im Stande, lebendig machen zu können, sofern es auf seine eigene Natur ankommt?

B. Allerdings.

A. Wie also, sag’ mir, ist das Fleisch lebendig machend? Oder wie soll man auch denken, daß das von der Erde stammende vom Himmel sei?

B. Durch seine Verbindung, denke ich, mit dem lebendigen und vom Himmel kommenden Worte.

A. Da denkst du fürwahr das ganz Richtige und mit den heiligen Schriften Übereinstimmende. Er (Christus) ist ja wohl nicht anders auch göttlich schöpferisch, auch wenn man ihn nicht ohne Fleisch denkt. Zum Bestätiger dieser [S. 520] Ansicht werde ich mir wieder den heiligen Paulus machen, der also schreibt: 9 „Dank sagend Gott dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zum Antheil der Heiligen im Lichte, der uns errettet hat aus der Gewalt der Finsterniß und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in welchem wir haben die Erlösung, die Vergebung der Sünden, welcher des unsichtbaren Gottes Ebenbild ist, der Erstgeborne vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist Alles erschaffen worden, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften oder Obrigkeiten oder Gewalten, — Alles ist durch ihn und zu ihm (für ihn) erschaffen, und er ist vor Allem, und Alles besteht in ihm; und er ist das Haupt des Leibes der Kirche, er, der da ist der Anfang, der Erstgeborne aus den Todten, auf daß in Allem er den Vorrang habe; denn es gefiel Gott, daß in ihm alle Fülle wohne, 10 und durch ihn Alles mit ihm zu versöhnen, in Frieden versetzend durch das Blut seines Kreuzes, sowohl was auf Erden als was in den Himmeln ist.“ Siehe, wieder sagt er deutlich, durch ihn sei Alles geschaffen; und: er ist vor Allem, und Alles besteht in ihm; und er sei, sagt er, der Erstgeborne aus den Todten, der durch das Blut seines Kreuzes zufrieden stellte, sowohl was in den Himmeln als was auf Erden ist. Nun, wer denn ist der Erstgeborne aus den Todten ausser Christus Jesus, das heißt das Wort im Fleische und mit dem Fleische? Denn das Wort wird doch wohl nicht als Gott gestorben sein, noch wird man denken, er sei als Mensch gleich uns der Schöpfer von Allem; sondern er schuf als Gott, auch wenn er nicht ohne Fleisch gedacht wird nach der Einigung. Aber auch der Erstgeborne aus den Todten ist er, sofern er Mensch wurde, ohne die Gottheit abzulegen durch die Menschwerdung. Meinst du, hierin Etwas tadeln zu sollen?

[S. 521] B. Durchaus nicht.

1: Joh. 6, 54.
2: Joh. 6, 30.
3: Joh. 6, 31—32.
4: Joh. 6, 33 u. 51.
5: Joh. 6, 57.
6: Luk. 1, 31.
7: Joh. 3, 9. 12. 13.
8: Joh. 6, 62.
9: Koloss. 1, 12—20.
10: Das im Griechischen hier stehende δι’ αὐτοῦ muß gestrichen werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger