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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

17.

A. Sollen wir also sagen, o Freund, es bedürfe unserer Menschlichkeit, um im heiligen Geiste und Feuer taufen zu können?

B. Und wie sollte Das geschehen?

A. In der That, indem er von einem Manne redete, der gar bald kommen und erscheinen würde, sagte er, derselbe taufe im Feuer und heiligen Geiste, nicht einen fremden Geist den Täuflingen mittheilend in der Weise eines Knechtes und Dieners, sondern als Gott von Natur mit höchster Machtvollkommenheit den seinigen und ihm eigenen, durch welchen uns auch das göttliche Kennzeichen aufgedrückt wird. Denn wir werden, als zum göttlichen Ebenbilde, zu Christus Jesus umgestaltet, nicht indem wir eine körperliche Umbildung erfahren (denn ganz ungereimt ist es, Das zu meinen), sondern indem wir durch Empfang des heiligen Geistes Christum selbst in uns besitzen, so daß wir nun freudig ausrufen können: „Es frohlocke meine Seele im Herrn; denn er hat mich bekleidet mit dem Mantel des Heils und dem Gewande der Freude!“ 1 Denn [S. 516] „ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christum angezogen“ heißt es. 2

B. Sind wir also auf einen Menschen getauft, und werden wir sagen, daß Das wahr sei?

A. O sag’ doch nicht so, Mensch! Was thust du da? Du drückst unsere Hoffnung zur Erde herab. Denn wir sind getauft, nicht aus einen Menschen schlechthin, sondern auf Gott, der Mensch geworden ist und von Strafe und den alten Verschuldungen Diejenigen freiläßt, die den Glauben an ihn annehmen. Und darum sagt der heilige Petrus, zu den Juden sprechend: 3 „Thuet also Buße und lasse sich taufen ein Jeder von euch im Namen Jesu Christi zur Erlassung euerer Sünden, und ihr werdet empfangen die Gabe des heiligen Geistes.“ Denn indem er den ihm Anhängenden von Sünde losspricht, salbt er ihn im Übrigen mit seinem Geiste, den er selbst, als Wort aus Gott dem Vater, sendet und aus seiner eigenen Natur auf uns überquellen läßt. Indem er aber die Sache vermöge der Einigung gleichsam gemeinsam macht mit der Erscheinung im Fleische, hauchte er ihn als Mensch auch körperlich ein. Er hauchte nämlich die Apostel an, indem er sprach: 4 „Empfanget den heiligen Geist!“ Und nicht nach Maaß gibt er den Geist, wie Johannes sagt, sondern er selbst sendet ihn aus sich selbst wie allerdings auch der Vater. Und darum sehen wir auch, daß der heilige Paulus, den hierin statthabenden Unterschied bei Seite lassend, ihn bald Gott dem Vater zutheilt, bald aber wieder dem Sohne. Er schreibt nämlich so: 5 „Ihr aber seid nicht im Fleische, sondern im Geiste, wenn anders der Geist Gottes in euch wohnt; wenn aber Einer den Geist Christi nicht hat, der ist nicht sein. Wenn aber Christus in euch ist, ist zwar der [S. 517] Leib todt, der Sünde wegen, der Geist aber lebt, der Rechtfertigung wegen.“

B. Es fügt sich also, daß der Geist dem Sohne eigen ist, und nicht etwa bloß, sofern er das aus dem Vater entspringende Wort ist, sondern auch, sofern er gedacht wird als Mensch geworden gleich uns.

A. Eigen, sofern er aus dem Vater in dem gleichwesentlichen Erzeugnisse, dem aus ihm stammenden Worte, ist, wenn man auch sagen kann, er habe ihn, da er Mensch wurde, empfangen, da er der Eigenheiten der Gottheit in seiner eigenen Natur entbehrt. Obwohl er daher selbst das Leben Aller ist vermöge der geheimnißvollen Geburt aus dem lebendigen Vater, so heißt es doch von ihm, daß er lebendig gemacht wurde mit uns. 6 Gleichwohl aber ist ersichtlich, daß er dem eigenen Fleische die Herrlichkeit der göttlichen Wirksamkeit mittheilte, die Eigenheiten des Fleisches aber wiederum sich aneignete und gleichsam durch die heilsordnungsmäßige Einigung auch der eigenen Natur umlegte.

B. Auf welche Weise meinst du?

A. Wirst du denn nicht sagen, es sei höchst geziemend für das der Natur nach aus Gott dem Vater entspringende Wort, von oben zu kommen und vom Himmel und Diejenigen lebendig machen zu können, denen es das Leben verleihen will?

B. Jawohl.

A. Wie aber? Das Schaffen auf göttliche Weise, sage mir, würdest du wohl zugeben, daß Dieß etwas Menschliches sei?

[S. 518] B. Ich wenigstens nicht.

1: Is. 61, 10.
2: Galat. 3, 27.
3: Apostelg. 2, 38.
4: Joh. 20, 22.
5: Röm. 8, 9.
6: Vgl. Ephes. 2, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger