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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

16.

A. Du kannst aber auch auf andere Weise sehen, daß er den Glauben nicht abweist, sondern ohne Spaltung und Unterscheidung denselben annimmt, als in eigener Person, wenn er auch Fleisch geworden ist. Denn als er den von Geburt Blinden heilte 1 und ihm also das süße und ungewohnte Licht aufpflanzte, wurde er natürlich von Allen bewundert. Aber der von dem Leiden Befreite wurde von den Juden gerichtet und bekannte den Arzt. Christus aber [S. 512] sprach, da er mit ihm zusammentraf: „Glaubst du an den Sohn Gottes?“ Als aber Dieser: „Wer ist es, Herr?“ ausrief, „damit ich an ihn glaube,“ erwiderte er und sprach: „Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist’s.“ Jener aber sprach: „Ich glaube, Herr!“ und betete ihn an. 2 Gleichwohl wie wäre es nicht Allen einleuchtend, daß die göttliche und höchste Natur durchaus unsichtbar ist? „Denn Gott hat Niemand je gesehen,“ wie geschrieben steht. 3 Wenn nun wirklich mit Unterscheidung seines Menschlichen, weil er ja eben dieses geworden ist, der Logos (das Wort) aus Gott dem Vater rein und allein an ihn zu glauben gestattete, den Geheilten vielmehr nicht die Natur Gottes, welches sie wohl wäre, zu bedenken aufforderte, sondern körperlich zeigte, wie man auch mit den Augen selbst sehen konnte (er sagte ja: „Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist’s“): werden wir also nicht sagen, er habe das Fleisch gezeigt?

B. Ja freilich.

A. Nun denn, wie sollte übrigens er selbst das Fleisch sein, wenn man nicht von ihm dächte, daß er durch die Einigung selbst Das ist, was sein eigen ist, wie es ja allerdings auch bei uns der Fall ist? Denn es wird wohl Niemand unseren, das heißt den aus Seele und Leib bestehenden Menschen getheilt oder unvollständig aufzeigen können, bloß von Seite seines Fleisches.

B. Ich stimme bei, denn du hast Recht.

A. Es schreibt aber irgendwo auch der weise Johannes: 4 „Viele noch andere Zeichen hat Jesus vor seinen Jüngern gethan, welche nicht aufgeschrieben sind in diesem Buche. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubet, daß Jesus der Gesalbte ist, der Sohn des lebendigen Got- [S. 513] tes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habet in seinem Namen.“ Man wird aber nicht weniger auch den heiligen Petrus bewundern, der klar und deutlich zu den Juden sprach: 5 „Ihr Oberen des Volkes und ihr Ältesten höret! Wenn wir heute zur Rede gestellt werden über die Wohlthat an dem kranken Menschen, durch wen er gesund geworden ist, so sei kund euch allen und dem ganzen Volke Israel, daß im Namen Jesu Christi, des Nazareners, den ihr gekreuzigt habt, den Gott von den Todten erweckt hat, in Diesem Jener gesund vor euch dasteht!“ Und gleich darauf wieder: 6 „Und es ist in keinem Anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, wodurch wir sollen selig werden.“ Wer nun ist’s, der den Tod überwand und in Herrlichkeit auferstand, und aus Nazareth stammt, ausser Jesus Christus, das heißt der vor der Welt geheimnißvoll aus dem Vater, in der letzten und dem Ende zugehenden Weltzeit aber auch körperlich aus dem Weibe Geborene? Wer nun den Glauben an ihn annimmt, wird das herrliche Ehrengeschenk davontragen; er wird nämlich Sohn Gottes genannt werden. Denn „Jenen, welche ihn aufnahmen, gab er die Macht,“ heißt es 7 „Kinder Gottes zu werden, die nicht aus dem Geblüte noch aus Fleisches Willen noch aus Mannes-Willen, sondern aus Gott geboren sind.“ Denn damit er Der würde, „der in Allem den Vorrang hat,“ wie geschrieben steht, 8 ist er „geboren worden vom Weibe“. 9 Und da er „der Erstling“ 10 der durch die Heiligung zu Gott wieder hergestellten Schöpfung ist, so erwies auch er vor den Anderen sich als aus dem Geiste geboren, indem er den Zusammentritt von Mann und Weib übersprang, nicht um mit Unehre und Schmach die Natur zu verdammen (denn ehrwürdig ist die Ehe, und „der am Anfang schuf, [S. 514] hat sie als Mann und Weib geschaffen“ 11), sondern um das Menschliche gewissermaßen schon dem Besseren und unvergleichlich Höheren zuzuweisen. Denn als aus dem Geiste, nicht aus Männern geboren, wollte er, sollten auch wir uns darstellen. „Und ihr sollt,“ sagt er darum, „Keinen auf Erden eueren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, der himmlische;“ 12 „ihr alle aber seid Brüder.“ 13 Untadelhaft also durchaus ist es, an ihn zu glauben; vielmehr aber wird es sogar durch die Vergebung der Sünden geehrt (gelohnt). Denn so schreibt abermals der herrliche Paulus: 14 „Wissend aber, daß der Mensch nicht gerechtfertigt wird durch Gesetzes-Werke. sondern nur durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir gläubig geworden an Christus Jesus. Ich will es aber keineswegs verabsäumen, Das, was ich soeben bereits gesagt habe, zusammenfassend zu sagen, daß unter Christus Jesus nicht bloß und an sich das Wort aus Gott verstanden wird, sondern als es das Menschliche annahm, verband es sich mit dem Fleische; und den so beschaffenen, sichtbar gewordenen und in unserer Gestalt Erscheinenden zeigte der Vater den heiligen Aposteln, indem von oben her diese Stimme erschallte: 15 „Dieser ist mein geliebter Sohn, in dem ich mir wohlgefalle; ihn höret!“ Verstehst du also, wie er nicht sagt: „In Diesem ist mein Sohn,“ damit er nicht getheilt, gleichsam als Einer in einem Anderen, sondern als Einer und Derselbe gedacht würde nach heilsordnungsmäßiger Einigung. Daß es aber sündhaft ist, zu widerstreben, und im höchsten Grade gefährlich, davon wird Johannes überzeugen, der also schreibt: 16 „Dieses ist das Zeugniß Gottes, das er bezeugt hat von seinem Sohne; wer an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugniß Gottes in sich. Wer Gott nicht glaubt, macht ihn zum Lügner, weil er nicht glaubt an das Zeugniß, das Gott bezeugt hat von seinem Sohne.“ [S. 515] Er hat aber bezeugt: Dieser, der im Fleische und in der Knechtsgestalt ist, ist einzig und ausschließlich mein wahrhaftiger Sohn. Wie aber? Werden wir nicht zugeben, daß auch die herrliche, durch die heilige Taufe ertheilte Gnade und die Lebendigmachung in ihm und die Theilnahme an Gott durch die Heiligung im Geiste durch Jesus Christus vollbracht wurde?

B. Nothwendig. Denn ich gedenke des Johannes, der sagt: 17 „Der nach mir kommt, ist stärker als ich, dem ich nicht würdig bin die Schuhe zu tragen. Jener wird euch im heiligen Geiste und Feuer taufen.“

1: Joh. 9, 1—7.
2: Joh. 9, 35.
3: Joh. 1, 18.
4: Joh. 20, 30.
5: Apostelg. 4, 8—10.
6: Das. 4, 12.
7: Joh. 1, 12.
8: Koloss. 1, 18.
9: Galat. 4, 4.
10: I. Kor. 15, 20.
11: Gen. 1, 27.
12: Matth. 23, 9.
13: Matth. 23, 8.
14: Galat. 2, 16.
15: Matth. 17, 5.
16: I. Joh. 5, 9.
17: Matth. 3, 11.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger