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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

14.

A. Meine ja nicht bei dir selbst, daß es sich anders verhalte als so, mein Lieber! Der Eingeborne nämlich (ist er) als Gott, der Erstgeborne unter uns der heilsordnungsgemäßen Einigung nach und unter vielen Brüdern als Mensch, damit auch wir in ihm und durch ihn Söhne Gottes seien der Natur und der Gnade nach; der Natur nach, als in ihm und dem Einzigen, theilnahmsweise aber und der Gnade nach wir (Gerechtfertigte) durch ihn im Geiste. Gleichwie nun in Christo das „Eingeborner“ Eigenthum der Menschheit wurde durch ihre Vereinigung mit dem Worte nach der heilsordnungsmäßigen Verbindung, so wurde das „unter vielen Brüdern“ und das „Erstgeborner“ 1 dem Worte eigen durch seine Vereinigung mit dem Fleische. Da er aber das Gottsein als feststehend hat und stets über den Wandel erhaben ist, so verliert er seine Herrlichkeit nicht. Darum ist mit uns auch der heiligen und seligen Menge der himmlischen Geister befohlen worden, ihn anzubeten. Denn es war doch wohl auch sehr natürlich, daß sie beim Anblick der Niedrigkeit seiner Menschheit die Anbetung verweigerten und es verabsäumten, ihn zu ehren, und den um unsertwillen uns Gleichen der Lobpreisung nicht würdigten, indem sie dabei vom Scheine des Irrthums so weit als [S. 507] möglich entfernt waren. Denn unsichtbar war auch ihnen das Mysterium Christi, aber der Geist offenbarte es ihnen und ließ nicht zu, daß die Geheiligten unehrerbietig wären. Darum sagt der heilige Paulus: 2 „Da er den Erstgebornen in die Welt einführte, sprach er: Und es sollen alle Engel Gottes ihn anbeten.“ Denn der durch seine natürliche Eigenheit sich von der ganzen Welt unterscheidet und ausser ihr existirt als Gott, ging in sie ein, ein Theil der Welt werdend als Mensch; indeß entfiel er dadurch nicht der göttlichen Herrlichkeit. Denn er wird angebetet als Eingeborner, auch wenn er Erstgeborner genannt wird, was offenbar den Maßverhältnissen der Menschheit angemessen ist.

B. Werden wir also den Emmanuel als Menschen anbeten?

A. Das sei ferne! Denn leeres Gerede ist Dieß und Täuschung und Irrthum. Wir würden uns aber in Nichts unterscheiden von Denen, die dem Geschöpfe göttliche Verehrung erwiesen statt dem Schöpfer und Weltgründer, welche die Wahrheit Gottes verkehrten in Lüge, wie geschrieben steht. 3 Und wenn wir ähnlich denken würden wie sie, würden wir jedenfalls auch hören müssen wie sie: 4 „Sich für weise erklärend sind sie Thoren geworden und vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes mit dem Gleichnisse des vergänglichen Abbildes, des Menschen, der Vögel, der vierfüßigen und kriechenden Thiere.“ Oder würden denn nicht auch wir selbst im Thun und Denken den Erwähnten gleich sein, die Herrlichkeit Gottes vertauschend mit der Lüge, mit dem Gleichnisse des vergänglichen Bildes eines Menschen, wenn wir als einem bloßen Menschen und Einem der Unsrigen dem Emmanuel Anbetung darbringen würden?

[S. 508] B. Allerdings.

A. Wie aber? Wird nicht auch selbst die himmlische Schaar der Engel den so weit im Unsinn Gekommenen beigesellt werden?

B. Nothwendig.

A. Eine unentrinnbare Anklage aber auf Irrthum werden wir auch gegen die Heerde der Völker erheben, und unauswaschbar wird die Schmach ihrer alten Vergehungen sein. Denn sie irrt, meine ich, auch jetzt und nicht geringer als ehedem und kennt nicht den zum Rechten führenden Pfad. Und nur zu sehr Recht hat der heilige Paulus, der ihnen zuruft und sagt: 5 „Aber ehemals habt ihr, da ihr Gott nicht kanntet, den falschen Göttern gedient. Jetzt aber, da ihr Gott kennet oder vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch wieder zu den kraftlosen und armseligen Anfangsgründen, denen ihr neuerdings wieder dienen wollt?“ Denn was für einen Gott erkennen sie noch, wenn Christus, an den sie glauben, nicht wahrer Gott ist? Und wenn sie einem Menschen göttliche Verehrung erweisen, liegen sie in den Schlingen des alten Irrthums. Oder ist nicht wahr, was ich sage?

B. Ja freilich.

1: Röm. 8, 29.
2: Hebr. 1, 6.
3: Röm. 1, 25.
4: Das. 1, 22.
5: Gal. 4, 8.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger