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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

13.

A. Thöricht ist es durchaus, sich übermäßig anzustrengen und geschwätzigen Faseleien entgegenzuschreien. Sagen aber will ich, daß es gefährlich und nicht straflos ist, zwei Theile zu machen und den Menschen und das Wort gesondert hinzustellen, da die Heilsordnung Dieß nicht zuläßt, und die heilige Schrift Christum als einen verkündet. Denn man darf, sage ich, weder das Wort aus Gott ohne die Menschheit, noch den aus dem Weibe gebornen Tempel ohne Einigung mit dem Worte Christus Jesus nennen. Denn das in heilsordnungsmäßiger Einheit geheimnißvoll mit der Menschheit verbundene Wort aus Gott versteht man unter Christus, der erhabener ist als die Menschheit, als Gott und Sohn von Natur, etwas erniedrigt aber unter [S. 504] die göttliche Herrlichkeit, als Mensch. Darum sagte er auch einmal: 1 „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Ich und der Vater sind Eins;“ und wieder ein ander Mal: 2 „Der Vater ist größer als ich.“ Denn da er nicht geringer ist als der Vater nach seiner Wesensgleichheit und Allem, worin er ihm gleich ist, erklärt er sich geringer der Menschheit nach. Er wird aber auch durch die heiligen Schriften verkündet, bald als ein vollständiger Mensch, Heilsordnungsmäßige mit Verschweigung seiner Gottheit, bald aber auch wieder als Gott, mit Verschweigung seiner Menschheit; es geschieht ihm aber auf keine Weise Unrecht wegen der Verbindung beider zur Einheit.

B. Wie meinst du? Denn ich verstehe es nicht völlig.

A. Der Hebräer aus Hebräern und dem Stamme Benjamin, der berufene Apostel schreibt an die durch den Glauben Gerechtfertigten, die gestorben waren an den Gliedern des Fleisches, nämlich Unzucht, Wollust, böser Begier und Habsucht: 3 „Ihr seid nämlich gestorben, und euer Leben ist mit Christo verborgen in Gott.“ Er selbst aber sagt von seinen Jüngern: 4 „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, wodurch du sie mir gegeben hast, damit sie Eins seien wie wir! Da ich bei ihnen war, habe ich sie bewahrt in deinem Namen, die du mir gegeben hast, und habe sie behütet, und Keiner aus ihnen ging verloren ausser der Sohn des Verderbens, damit die Schrift erfüllt würde. Jetzt aber komme ich zu dir, damit sie meine Freude vollkommen in sich haben.“ Verstehst du also, wie er uns hierin wenigstens gleichsam nur von Seite seiner Menschheit gezeigt zu werden scheint?

B. Du hast vollkommen Recht.

[S. 505] A. Wir werden nämlich meinen, er sei gar nicht verborgen und von der Welt ausgewandert, da er ja deutlich sagt: 5 „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wo immer Zwei oder Drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte;“ und wiederum: 6 „Sehet, ich bin bei euch alle Tage bis an’s Ende der Welt.“ Du kannst aber auch den heiligen Paulus oft es nicht beachten sehen, daß man ihn auch als Menschen verkünden müsse. Denn „Paulus“, sagt er, 7 „nicht von Menschen noch durch Menschen, sondern durch Jesus Christus.“ Und überdieß sagt er wieder: 8 „Ich thue euch aber kund, Brüder: Das von mir verkündete Evangelium ist nicht von einem Menschen. Denn ich habe es auch nicht von einem Menschen empfangen oder gelernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi.“ Und anderswo sagt er: 9 „Wenn wir aber auch Christum dem Fleische nach gekannt haben, aber jetzt erkennen wir ihn nicht mehr.“ Wer also ist Jesus Christus, der die so unaussprechliche, untrügliche und göttliche Offenbarung seiner Geheimnisse ihm aufleuchten ließ? Nicht das Fleisch gewordene Wort, das um unsertwillen die Geburt aus dem Weibe nicht verschmähte?

B. Jedenfalls. Ich erinnere mich nämlich, daß der selige Gabriel zur heiligen Jungfrau sprach: 10 „Fürchte dich nicht, Maria; denn sieh’, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und wirst seinen Namen Jesus nennen!“ Nun aber, glaube ich, ist dieser Name dem Worte vom Vater gegeben worden durch die Stimme des Engels. Denn so ruft auch ein prophetischer Ausspruch: 11 „Sie werden ihn mit einem neuen Namen rufen, den der Herr ihm geben wird.“

[S. 506] A. Da nun der dem Vater gleichewige und aller Zeit vorhergehende Sohn und Eingeborne in den letzten Zeiten der Welt Mensch wurde, vom Weibe geboren und als Sohn erkoren wurde, als Erstgeborner auftrat und einer von vielen Brüdern wurde, da bestimmte auch sein natürlicher Vater ihm den Namen, den Gesetzen der Vaterschaft so zu sagen folgend. — Möchtest du auch uns erfreuen dadurch, daß du die Art der Heilsordnung vollkommen verstehest!

B. Der Nämliche also ist sowohl Eingeborner als auch Erstgeborner.

1: Joh. 14, 9 u. Joh. 10, 30.
2: Joh. 14, 28.
3: Koloss. 3, 3.
4: Joh. 17, 11.
5: Matth. 18, 20.
6: Matth. 28, 20.
7: Galat. 1, 1.
8: Das. 1, 11.
9: II. Kor. 5, 16.
10: Luk. 1, 30.
11: Is. 62, 2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger