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Cyrillus von Alexandrien († 444) - Über die Menschwerdung des Eingeborenen (De incarnarione unigeniti)

11.

A. Fort denn also alles Geschwätz und eitles Gerede und Irrwahn und Trug aufgeputzter Reden; denn wir lassen Nichts zu, was Schaden zu bringen geeignet ist, wenn auch die Gegner mit sehr gekünstelten und sogar heftigen Reden uns zusetzen. Denn unser göttliches Mysterium beruht nicht auf überzeugenden Worten menschlicher Weisheit, sondern auf dem Beweise des Geistes. 1 Indem er also Gott ist und Herr von Allem, den Schriften gemäß, ist der Eingeborne uns erschienen. Denn er wurde auf Erden gesehen 2 und leuchtete den in Finsterniß Befindlichen 3 da er Mensch wurde, und zwar nicht bloß scheinbar (Das sei ferne, denn Wahnsinn ist es, Dieß zu denken oder zu sagen), auch nicht in’s Fleisch umgesetzt durch Umwandlung und Veränderung (denn unveränderlich und immer sich gleich bleibend ist das Wort Gottes), aber auch nicht so, als wäre er selbst erst gleichzeitig mit dem Fleische entstanden (denn er selbst ist der Gründer der Zeiten); auch nicht, als wäre er im Menschen gewesen als bestandloses Wort oder leere Rede (denn der einst das Nichtseiende zum Bestehen und Entstehen rief, hat nothwendig vorher bestan- [S. 498] den; denn er ist das Leben, entsprungen aus dem Leben Gottes des Vaters, der da ist und gedacht wird in eigener Subsistenz); aber auch nicht bloßes, der vernünftigen Seele entbehrendes Fleisch hatte er an, sondern in Wahrheit ist aus dem Weibe geboren und als Mensch erschienen der lebendige und selbstständige und mit Gott dem Vater gleichewige Gott das Wort, Knechtsgestalt annehmend, und ist wie in göttlicher, so auch in menschlicher Natur vollkommen, nicht aus reiner Gottheit und Fleisch zu einem Christus und Herrn und Sohn zusammengesetzt, sondern aus zwei vollkommenen, der Menschheit nämlich und Gottheit, zu Einem und Demselben auf wunderbare Weise verbunden.

B. Wen nun also gebar die heilige Jungfrau, den Menschen oder das Wort aus Gott?

A. Nun freilich, Das eben ist der Irrthum und die Abweichung von dem Richtigen und Wahren. Denn du sollst mir den Emmanuel nicht spalten und ihn nicht in einen Menschen für sich und in Gott das Wort scheidend uns als zweipersönlich vorstellen. Würde man nicht mit Recht uns tadeln, wenn wir nicht das Richtige, sondern vielmehr Das denken wollten, was auch durch die heilige Schrift verworfen ist? Denn so hat Einer von den Jüngern Christi gesagt: 4 „Ihr aber, Geliebte, seid eingedenk der Worte, welche von den Aposteln unseres Herrn Jesu Christi vorher geredet wurden, daß sie euch sagten, daß in den letzten Zeiten trugvolle Betrüger kommen werden, die nach ihren Gelüsten wandeln in Gottlosigkeit. Diese sind es, die sich absondern als Sinnesmenschen, die den Geist nicht haben.“

B. Darf man also auf keine Weise unterscheiden?

[S. 499] A. Durchaus nicht, und insbesondere wenigstens nicht so, daß man nach der Vereinigung von Zweien rede und Jeden von Beiden für sich denke. Man muß indeß wissen, daß der Verstand einen gewissen Unterschied der Naturen wahrnimmt, denn nicht Dasselbe ist die Gottheit und die Menschheit; er wird aber zugleich mit den Gedanken an diese auch die Verbindung beider zur Einheit bedenken. Aus Gott dem Vater also entsprang er als Gott, aus der Jungfrau aber als Mensch; denn das auf unaussprechliche und unbegreifliche Weise aus Gott dem Vater hervorgehende Wort ist geboren worden auch vom Weibe, indem es zur Menschheit herabstieg und sich herabließ zu Dem, was es nicht war, nicht um entleert zu bleiben, sondern um als Gott anerkannt zu werden, und in unserer Gestalt auf Erden erschien, nicht als im Menschen (bloß) Wohnung nehmend, sondern als selbst ein wirklicher Mensch geworden mit Beibehaltung der eigenen Herrlichkeit. Und darum sagt auch der heilige Paulus, indem er das von gegenseitiger Wesensgleichheit weit Entfernte und durch unermeßlichen Unterschied Geschiedene, die Gottheit nämlich und Menschheit, heilsordnungsmäßig in Eins zusammenfaßt und Christum und den Sohn und Gott aus Beiden als Einen darstellt, also: 5 „Paulus, Diener Jesu Christi, berufener Apostel, auserkoren für das Evangelium Gottes, welches er zuvor verheissen hat durch seine Propheten in den heiligen Schriften, von seinem Sohne, der geboren ist aus dem Samen Davids dem Fleische nach, erkoren als Sohn Gottes in Kraft dem Geiste der Heiligung nach.“ Siehe, klar sagt er, er sei auserkoren für das Evangelium Gottes, da er gleichwohl deutlich schreibt: 6 „Denn nicht uns selbst verkündigen wir, sondern Christum Jesum, den Herrn;“ und wieder: 7 „Ich erachtete, Nichts zu wissen bei euch ausser Jesum Christum, und zwar den Gekreuzigten.“ Indem er ihn aber Sohn Gottes nennt, sagt er auch, er sei geboren [S. 500] worden aus dem Samen Davids, und behauptet, er sei erkoren worden auch zum Sohne Gottes. Wie nun, sag’ mir, ist Der Gott, der aus dem Samen Davids stammte? Und der schon vor den Zeiten und auf ewige Weise Sohn ist, sofern er aus Gott entsprang, wie so denn wurde Der erkoren zum Sohne Gottes, gleich als wäre er zum Anfang der Existenz gelangt? Er sagt nämlich selbst von sich: 8 „Der Herr sprach zu mir: Mein Sohn bist du, ich habe dich heute gezeugt,“ da doch das „heute“ allezeit uns nicht die vergangene, sondern vielmehr die gegenwärtige Zeit anzeigt.

B. Ich wenigstens bin nicht wenig verlegen; ich möchte aber meinen, daß auch für viele Andere das Verständniß hievon sehr schwer zu erreichen ist.

1: I. Kor. 2, 4.
2: Baruch 3, 38.
3: Luk. 1, 79.
4: Jud. 17—19.
5: Röm. 1, 1—3.
6: II. Kor. 4, 5.
7: I. Kor. 2, 2.
8: Ps. 2, 7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger