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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXIV. 4. Predigt auf Epiphanie.

4.

Diesem unvergleichlichen Glauben, dieser während aller Jahrhunderte gepredigten Wahrheit widersetzt sich, Geliebteste, die teufliche Bosheit der Manichäer. Aus gotteslästerlichen und ungereimten Lügen haben sie sich ihr totbringendes und verruchtes Lehrgebäude errichtet, um die Seelen der Menschen zu umgarnen und sie zu morden. So weit verrannten sie sich blindlings in diesen Trümmerstätten wahnwitziger Anschauungen, daß sie sich Christus in einem Scheinleibe vorstellten, der für die Augen und das Handeln der Menschen nichts Körperliches, nichts Wirkliches an sich gehabt habe, sondern nur das inhaltlose Bild eines trügerischen Leibes gezeigt hätte. Soll es doch nach ihrer Meinung unwürdig erscheinen, wenn man glaubt, daß Gott, der Sohn Gottes, in den Leib eines Weibes herabgestiegen sei und seine Majestät so weit erniedrigt habe, daß er der Natur des Fleisches beigesellt in wahrhaft menschlicher Gestalt zur Welt gekommen wäre. Und doch ist dieses ganze Werk nicht eine Schmach für ihn, sondern ein Ausfluß seiner Macht . Auch hat unser Glaube darin keine Befleckung zu erblicken, sondern einen herrlichen Akt der Herablassung. Wenn nämlich schon das sichtbare Licht durch keinerlei unreine Elemente, von denen es gerade verhüllt sein sollte, geschädigt wird, wenn kein schmutziger oder unsauberer Ort die glänzenden Strahlen der Sonne, die doch zweifellos ein erschaffener Körper ist, zu besudeln vermag, was hätte da, und mochte es beschaffen sein, wie es wollte, die Wesenheit jenes ewigen und unkörperlichen Lichtes beflecken können? Hat dieses doch durch seine Vereinigung mit dem Geschöpfe, das es nach seinem Ebenbilde geformt, jenem Reinigung verliehen, nicht aber dadurch selbst irgendwelchen Makel davongetragen. Hat es doch in der Weise die Schäden menschlicher Schwäche geheilt, daß es selbst keinerlei Einbuße seiner Kraft erlitt.

Da dieses große und unaussprechliche Geheimnis der göttlichen Liebe durch das gesamte Zeugnis der heiligen Schriften vorher verkündet wurde, so verwarfen jene Widersacher der Wahrheit, von denen wir sprechen, das von Moses gegebene Gesetz und die auf göttlicher Inspiration beruhenden Weissagungen der Propheten. Ja sie fälschten sogar durch Weglassung einzelner Stellen und Einschiebungen anderer das Evangelium und die Schriften der Apostel. Und indem sie dazu die Namen dieser und die Worte des Erlösers selbst mißbrauchten, schufen sie sich eine viele Bände füllende falsche Lehre, um dadurch ihr Lügengewebe zu stützen und in die Herzen derer, die ein Opfer ihrer Täuschung werden sollten, todbringendes Gift zu träufeln. Sahen sie ja, daß alles gegen sie sprach, alles mit ihnen in Widerspruch stand, daß nicht allein durch das Neue Testament, sondern auch durch das Alte ihre sakrilegische und gottlose Torheit widerlegt wurde. Aber trotzdem bleiben sie bei ihren wahnwitzigen Lügen, trotzdem bringen sie unaufhörlich durch ihre trügerischen Lehren Verwirrung in die Kirche Gottes. Die Unglücklichen, die sie in ihre Netze zu verstricken vermochten, suchen sie dazu zu überreden, daß sie die wahrhafte Annahme der menschlichen Natur durch unseren Herrn Jesus Christus leugnen. Leugnen sollen sie seine wahrhafte Kreuzigung zum Segen der Welt. Leugnen sollen sie das Herausfließen des Blutes der Erlösung und des Wassers der Taufe aus seiner durch den Lanzenstich verwundeten Seite. Leugnen sollen sie seine Grablegung und Auferstehung am dritten Tage. Leugnen sollen sie, daß er vor den Augen seiner Jünger über alle Himmelshöhen erhoben wurde, um zur Rechten des Vaters seinen Platz zu nehmen. Und damit nach Aufhebung aller Wahrheiten des apostolischen Glaubensbekenntnisses keinerlei Furcht den Gottlosen schrecke, keinerlei Erwartung den Frommen ansporne, sollen sie auch das Gericht Christi über die Lebenden und Toten verwerfen. Dafür lehren sie jene, die sie der Segenswirkung so großer Geheimnisse beraubt haben, Christus in Sonn und Mond zu verehren und unter dem Namen des Heiligen Geistes den Manes selbst, den Urheber solch gottloser Glaubenssätze, anzubeten.

 

 

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Gregor Emmenegger