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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXIV. 4. Predigt auf Epiphanie.

3.

Als nun, Geliebteste, die Weisen unter der Führung des voranwandelnden Sternes nach Bethlehem kamen, "hatten sie", wie der Evangelist erzählt, "eine überaus große Freude. Und sie gingen in das Haus, fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten es an: Sie öffneten auch ihre Schätze und brachten ihm Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhen"1 . Wie wunderbar ist doch ein Glaube, der alles so vortrefflich weiß! Nicht menschlicher Erkenntnis verdankten sie ihn, sondern der Belehrung durch den Heiligen Geist. Woher kam es denn, daß diese Männer bei der Überreichung ihrer Gaben eine solch bedeutungsvolle Abstufung beobachteten, obwohl sie bei ihrem Aufbruche aus der Heimat Jesus noch nicht gesehen, obwohl sie noch nicht das Geringste durch eigene Anschauung an ihm wahrgenommen hatten, was sie zu einer solch wohldurchdachten Verehrung veranlassen konnte? Außer jenem erschienenen Sterne, der nur die Augen ihres Körpers auf sich zog, erleuchtete offenbar der noch glänzendere Strahl der Wahrheit ihren Geist. Infolgedessen erkannten sie schon, bevor sie noch ihre mühevolle Wanderung antraten, daß ihnen jener durch das Himmelszeichen angekündigt werde, der durch das Gold als König geehrt, durch den Weihrauch als Gott angebetet und durch die Myrrhe als sterblicher Mensch bezeichnet werden sollte. Diese Überzeugung, diese Erkenntnis hätte genügt, um in ihnen das Licht des Glaubens zu entzünden. Sie brauchten also nicht erst das mit leiblichen Augen zu suchen, worein bereits ihr Geist einen so tiefen Einblick gewonnen hatte. Aber in ihrem mit Scharfsinn gepaarten Pflichteifer ruhten sie nicht eher, als bis sie den Knaben wirklich gesehen hatten. Dadurch stellten sie sich in den Dienst der künftigen Völker und der jetzt lebenden Menschen. Wie es für uns alle von Nutzen war, daß nach der Auferstehung des Herrn die Hand des Apostels Thomas die Wundmale des Leibes Christi untersuchte2 , so sollte es auch für uns von Vorteil sein, wenn durch das, was die Magier gesehen hatten, die Kindheit des Herrn bestätigt wurde. So sahen denn die Magier den aus dem Stamme Juda hervorgegangenen Knaben und beteten ihn an, jenen Knaben, "der aus dem Samen Davids dem Fleische nach geworden ist"3 , gebildet aus einem Weibe, unter das Gesetz gestellt4 , das er durch seine Ankunft nicht aufheben, sondern erfüllen wollte5 . Sie sahen und verehrten den Knaben, der klein an Gestalt und fremder Hilfe bedürftig war, der noch nicht zu reden vermochte und sich in keinem Punkte von der Kindesnatur, wie sie allen Menschen eigen ist, unterschied. Geradeso wie jene Zeugnisse verlässig waren, die in ihm die Majestät der unsichtbaren Gottheit bestätigen sollten, so mußte es auch ganz sicher erwiesen sein, daß "das Wort Fleisch geworden war"6 , daß die ewige Wesenheit des Gottessohnes die wahre menschliche Natur angenommen hatte. Es sollte nämlich verhütet werden, daß durch die späteren unbeschreiblichen Wundertaten, durch die Qualen seines bevorstehenden Leidensweges die geheimnisvolle Lehre unseres Glaubens infolge der sich in diesen Ereignissen offenbarenden Verschiedenheit erschüttert werde. Können doch überhaupt nur jene gerechtfertigt werden, die in unserem Herrn Jesus an eine wahrhaft göttliche und an eine wahrhaft menschliche Natur geglaubt haben.

1: Mt 2,10ff.
2: vgl.Joh 20,24 ff.
3: vgl.Röm 1,3
4: vgl.Gal 4,4
5: Mt 5,17
6: Joh 1,14

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger