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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Zwölftes Buch: Von dem Geiste des Hochmuthes.

17. Verschiedene Zeugnisse, nach denen wir in Dingen unseres Heiles ohne Gottes Hilfe Nichts vollbringen können.

Zuletzt belehrt uns der Urheber unseres Heiles nicht nur, welche Gesinnung wir bei jedem einzelnen Werke, das wir verrichten, haben müssen, sondern auch, was wir dabei bekennen sollen. „Nicht kann ich,“ sagt er,1 „Etwas aus mir selbst thun: der Vater aber, der in mir wohnt, er thut die Werke.“ Er sagt seiner angenommenen Menschennatur nach, daß er aus sich selbst Nichts thun könne: und wir, Staub und Asche, wähnen in dem, was unser Heil betrifft, Gottes Hilfe nicht zu bedürfen! Lernen wir daher in dem Gefühl unserer Schwäche in allen Dingen und zugleich im Vertrauen auf seine Hilfe täglich mit den Heiligen ausrufen:2 „Gedrängt, gestoßen ward ich, daß ich fallen sollte, aber der Herr nahm mich auf. Meine Stärke und mein Lob ist der Herr, und er ward mir zum Heile;“ und:3 „Wenn nicht der Herr mir geholfen, hätte schier wohnen müssen im [S. 255] Todtenreich meine Seele. Sprach ich: „Es wankt mein Fuß,“ da half, Herr, dein Erbarmen mir. Bei der Menge meiner Sorgen in meinem Herzen erfreuen deine Tröstungen meine Seele.“ Sehen wir auch unser Herz in der Furcht Gottes und Geduld befestigt, so laßt uns sprechen:4 „Und es ward der Herr meine Veste und führte mich heraus in’s Weite.“ Erkennen wir, daß sich auch unser Wissen durch einen guten Fortschritt unserer Arbeiten mehret, so laßt uns sagen:5 „Denn du, o Herr, machest licht meine Leuchte, mein Gott, erhelle meine Finsterniß; denn durch dich ward ich entrissen aus Versuchung, und mit meinem Gotte überspring’ ich Mauern.“ Bemerken wir ferner, daß auch wir Kraft im Ertragen errungen haben und uns auf dem Pfade der Tugenden leichter und ohne Mühe leiten lassen, so laßt uns sprechen: 6 „Gott, der du mich umgürtet hast mit Kraft und makellos gemacht hast meinen Weg, der du geschaffen hast meine Füße wie die eines Hirsches und mich auf Höhen gestellt hast, der unterwiesen meine Hände zu dem Kriege.“ Haben wir auch Klugheit erlangt, durch die gestärkt wir unsere Feinde aus dem Felde schlagen können, so rufen wir zu Gott:7 „Und deine Führung lenkt mich bis zu Ende, und deine Führung, sie belehret mich. Raum gabst du meinen Schritten unter mir, und nicht wankten meine Tritte.“ Und weil ich so durch deine Weisheit und Kraft gestärkt bin, will ich mit Vertrauen auch die folgenden Worte sprechen:8 „Ich verfolgte meine Feinde und ergriff sie und kehrte nicht um, bis sie erlagen. Ich schmetterte sie nieder, und sie konnten nicht erstehen, hin stürzten sie unter meine Füße.“ Wieder unserer Schwäche eingedenk und im Bewußtsein, daß wir, mit gebrechlichem Leibe umkleidet, die Sünden, jene heftigen Feinde, ohne Gottes Hilfe nicht [S. 256] überwinden können, laßt uns sprechen:9 „Durch dich werfen wir unsere Feinde mit dem Horn, und in deinem Namen verachten wir Die, so sich erheben wider uns. Denn nicht auf meinen Bogen werd’ ich hoffen, und mein Schwert wird mir nicht Heil verschaffen. Denn du schaffest uns Heil vor unsern Drängern und machest zu Schanden, die uns hassen.“ „Aber auch mit Kraft gürtetest du mich zum Kriege und warfst, die wider mich gestanden, unter mich; und gabst mir meiner Feinde Rücken preis, und die mich hassen, sie vertilgtest du.“10 Aber wenn wir auch bedenken, daß wir nicht mit unseren Waffen siegen können, so wollen wir sprechen:11 „Ergreife Wehr und Schild, erhebe dich, mir zur Hilfe.“ „Du hast festgemacht wie eherne Bogen meine Arme und gabest mir die Schutzwehr deines Heiles, und deine Rechte stützet mich.“12 „Denn nicht durch ihr Schwert nahmen unsere Väter das Land in Besitz, und ihr Arm half ihnen nicht; sondern deine Rechte, und dein Arm, und deines Antlitzes Licht, weil du Gefallen gehabt an ihnen.“13 Lassen wir zuletzt alle seine Wohlthaten an unserm bekümmerten Geiste vorüberziehen, zugleich ihm Dank sagend für alles Dieß, daß wir gestritten und Erleuchtung in der Weisheit und Unterweisung in der Klugheit von ihm erhalten haben, und daß er uns mit seinen Waffen ausgerüstet und mit dem Gürtel der Tugend bewahrt hat und uns den Rücken unserer Feinde preisgegeben und die Kraft verliehen hat, sie zu zerstreuen, wie den Staub vor dem Angesichte des Windes, so rufen wir zu ihm mit dem innigsten Gefühle unseres Herzens:14 „Lieben will ich dich, Herr, meine Stärke, Herr, meine Veste und meine Zuflucht und mein Erretter, mein Gott, mein Helfer, und ich vertraue auf ihn. Mein [S. 257] Schirmherr, meines Heiles Horn, der mich aufnimmt! Lobpreisend rufe den Herrn ich an, und von meinen Feinden bin ich erlöset.“

1: Joh. 14, 10.
2: Ps. 117, 13 [Hebr. Ps. 118, 13].
3: Ps. 93, 17 [Hebr. Ps. 94, 17].
4: Ps. 17, 3 [Hebr. Ps. 18, 3].
5: Ps. 17, 29 f. [Hebr. Ps. 18, 29 f.].
6: Ps. 17, 33 f. [Hebr. Ps. 18, 33 f.].
7: Ps. 17, 36. 37.
8: Ps. 17, 38. 39 [Hebr. Ps. 18, 38. 39].
9: Ps. 43, 6 ff. [Hebr. Ps. 44, 6 ff.].
10: Ps. 17, 40. 41 [Hebr. Ps. 18, 40. 41].
11: Ps. 34, 2. 3 [Hebr. Ps. 35, 2. 3].
12: Ps. 17, 35. 36 [Hebr. Ps. 18, 35. 36].
13: Ps. 43, 4 [Hebr. Ps. 44, 4].
14: Ps. 17, 2 f. [Hebr. Ps. 18, 2 f.].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger