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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Achtes Buch: Von dem Geiste des Zornes.

4. Was von den menschlichen Gliedern und Affekten zu halten sei, die Gott, dem Unwandelbaren und Körperlosen, nach der Schrift beigelegt werden.

Wie man also Dieß ohne ruchlosen Gottesraub nicht im buchstäblichen Sinne von Dem verstehen kann, der als unsichtbar, unaussprechlich, unbegreiflich, unschätzbar, einfach und nicht zusammengesetzt durch die unfehlbare Stimme der heiligen Schrift bezeichnet wird, so kann man seiner unwandelbaren Natur auch nicht einmal die Aufregung des Zornes und Grimmes ohne entsetzliche Gotteslästerung beilegen. Denn unter einer derartigen Bezeichnung von Gliedern müssen wir Gottes unendliche Wirksamkeit und unermeßliche Werke verstehen, die wir uns vermittelst dieses gebräuchlichen Ausdruckes „Glieder“ aufzufassen vermögen. So sollen wir z. B. unter „Mund“ seine Einsprechungen verstehen, die er in die verborgenen Sinne der Seele gnädig einströmen läßt. Auch sollen wir hieraus erkennen, daß er zu unsern Vätern und den Propheten geredet hat. In den „Augen“ ist die Unermeßlichkeit seines Blickes ausgesprochen, mit dem er Alles durchschaut und erkennt, sowie die Wahrheit, daß ihm Nichts verborgen bleibt von Dem, was jetzt oder künftig von uns gethan oder gedacht wird. Das Wort „Hände“ läßt uns seine Vorsehung und Wirksamkeit erkennen, vermöge derer er Schöpfer und Lenker der Welt ist. Auch der Arm ist ein Zeichen seiner Macht und Regierung, mit der er Alles erhält, leitet und regiert. Und um vom Übrigen zu schweigen, auf was Anderes deutet das weisse Haupthaar hin als auf die lange Dauer und das Alter der Gottheit, kraft welcher er ohne Anfang und vor allen Zeiten ist und alle Kreaturen überdauert? Wenn wir also auch vom Zorne und Grimme Gottes lesen, so müssen wir das nicht ἀνθρωποπαθικῶς [anthrōpopathikōs], d. h. nicht nach der Niedrigkeit menschlicher [S. 179] Leidenschaft, sondern Gottes würdig verstehen, dem jede Leidenschaft fremd ist. Durch diese Bezeichnung können wir ihn als Richter und Bestrafer alles Bösen, das in der Welt geschieht, kennen lernen, und sollen wir durch diese Worte die Furcht vor diesem furchtbaren Vergelter unserer Werke in uns erwecken und uns scheuen, Etwas gegen seinen Willen zu begehen. Denn die menschliche Natur fürchtet jene Personen, die sie entrüstet weiß und zu beleidigen fürchtet, wie bei manchen sehr billigen Richtern Diejenigen, welche von den Gewissensbissen einer Schuld geplagt werden, ihren rächenden Zorn zu fürchten pflegen: nicht als ob dieser Zorn in der Seele der gerechten Richter als Leidenschaft sich fände, sondern weil sie in ihrer Seele eine Gemüthsstimmung empfinden, wie sie aus der Furcht vor der Handhabung der Gesetze, vor dem Verhöre und dem Urtheile hervorgehen muß. Wird das Urtheil auch mit einer noch so großen Sanftmuth und Milde gesprochen, so wird es doch von Jenen, die mit vollem Rechte bestraft werden, als ein Ausfluß heftigen Grimmes und grausamen Zornes empfunden. Es wäre zu weitläufig und nicht dem Zwecke des vorliegenden Werkes entsprechend, wollten wir uns über Alles verbreiten, was in menschlicher und figürlicher Ausdrucksweise in der heiligen Schrift von Gott ausgesagt ist. Für jetzt möge es genügen, Das berührt zu haben, was die Sünde des Zornes angeht, damit Keiner aus Unwissenheit eine Veranlassung zu Krankheit und ewigem Tode daher nehme, wo man Heiligkeit und Unsterblichkeit des Lebens und heilsame Heilmittel sucht.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger