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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Achtes Buch: Von dem Geiste des Zornes.

19. Wie man nach dem Evangelium den Zorn ausrotten soll.

Wollen wir daher den Gipfel jenes göttlichen Lohnes erreichen, von dem es heißt:1 „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen,“ so muß diese Leidenschaft nicht nur aus unsern Handlungen gleichsam herausgeschnitten, sondern auch aus dem innersten Grunde unserer Seele mit der Wurzel ausgerottet werden. Denn es wird von nicht allzu großem Nutzen sein, die Zorneswuth im Reden zu zähmen und sie nicht zur That gelangen zu lassen, wenn Gott, dem die Geheimnisse des Herzens nicht verborgen sind, sie tief in unserer Brust geborgen sieht. Auch das Evangelium befiehlt, lieber die Wurzel auszureissen als die Frucht, die ohne Zweifel nach Entfernung des Nahrungsstoffes nicht weiter fortwachsen wird. Und so wird der Geist allzeit in jeglicher Geduld und Heiligkeit verharren können, wenn diese Leidenschaft nicht von der Oberfläche der Werke und Handlungen, sondern aus dem geheimen [S. 191] Gemache der Gedanken verdrängt ist. Und damit deßhalb kein Mord verübt werden möge, wird Zorn und Haß verbannt, ohne welche das Verbrechen des Mordes unmöglich ist. Denn „wer seinem Bruder zürnt, ist des Gerichtes schuldig,“2 und „wer seinen Bruder haßt, ist ein Mörder;“3 und zwar ist er es dadurch, daß er im Herzen den Untergang Dessen wünscht, dessen Blut er mit eigener Hand oder einer Waffe nach menschlicher Wahrnehmung nicht vergossen hat, dessen Mörder er aber ist vermöge der Gesinnung des Zornes und nach dem Ausspruche des Herrn, der nicht nur nach der Wirkung der That, sondern auch nach dem Gelüsten des Willens und Verlangens Jedem Lohn oder Strafe geben wird; denn er spricht selbst durch den Propheten:4 „Ich aber komme ob ihrer Worte und Gedanken, um zu sammeln alle Völker und Zungen;“ und der Apostel5 sagt: „Die Gedanken werden sich gegenseitig anklagen oder (auch) lossprechen am Tage, da Gott richten wird das Verborgene der Menschen.“

1: Matth. 5, 8.
2: Matth. 5, 22.
3: I. Joh. 3, 15.
4: Is. 66, 18.
5: Röm. 2, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger