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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Fünftes Buch: Von dem Geiste der Unmäßigkeit.

36. Beschreibung der Wüste Diolkus, in welcher Anachoreten leben.

Als ich, noch ein Neuling, von den Klöstern Palästina’s nach einer ägyptischen Stadt, mit Namen Diolkus, gekommen war, fand ich daselbst eine sehr große Genossenschaft, welche durch die Klosterzucht eng verbunden und durch eine vortreffliche und zwar die erste Mönchsregel wunderbar eingerichtet war. Doch durch allseitige Lobsprüche begierig gemacht beeilte ich mich, auch eine andere Genossenschaft, die für noch viel trefflicher gilt, nämlich die der Anachoreten, [S. 128] besonders genau kennen zu lernen. Diese verweilen nämlich zuerst sehr lange in den Klöstern, wo sie sich allseitig in der Geduld und Weisheit unterweisen lassen und sich die Tugend der Demuth wie der Entsagung aneignen und bis auf den letzten Grund alle Fehler ausrotten, um sich auf die härtesten Kämpfe gegen die bösen Geister vorzubereiten. Hierauf ziehen sie sich in die Verborgenheit der Wüste zurück. Um diesen ihren Vorsatz auszuführen, leben diese Männer, wie ich in Erfahrung brachte, an den Ufern des Nil, an einem Orte, der, auf der einen Seite vom Nil selbst, auf der anderen vom weiten Meere umflossen, eine Insel bildet, welche nur von solchen Mönchen bewohnt wird, welche die Verborgenheit suchen. Denn der trügerische Boden und die unfruchtbare Sandfläche machen ihn jeder Bebauung unfähig. Zu diesen eilte ich, und ich bewunderte die übermäßigen Beschwerden, die sie in heiliger Beschaulichkeit und aus Liebe zur Einsamkeit ertragen. Denn selbst an Wasser leiden sie großen Mangel und vertheilen dasselbe mit solcher Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, mit der auch nicht der genügsamste Mensch den kostbarsten Wein in Acht nimmt und schont. Denn drei Meilen weit oder noch weiter holen sie es aus dem Bette des genannten Flusses zu ihren nothwendigen Bedürfnissen. Die übergroße Schwierigkeit, mit welcher die auf dieser weiten Strecke gelegenen Sandberge überschritten werden müssen, machen diese Anstrengung doppelt groß.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger