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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Fünftes Buch: Von dem Geiste der Unmäßigkeit.

18. Durch wie viele Kämpfe und Siege der Apostel die Siegeskrone im höchsten Kampfe errungen habe.

Und doch beschreibt der Apostel noch nicht die Vollendung seines Kampfes, wenn er sagt: „So laufe ich, nicht wie in’s Unbestimmte.“ Dieses bezieht sich im Besondern auf die Richtung seines Herzens und den glühenden Eifer seines Geistes, in Folge dessen er Christum mit der ganzen Gluth seiner Liebe folgte, mit der Braut im hohen Liede1 sprechend: „Wir wollen dir nachlaufen, dem Geruche deiner Salben nach“ und wiederum: „Es hanget meine Seele an dir.“2 Aber auch in einer andern Art des Kampfes bezeugt er gesiegt zu haben, indem er spricht: „So kämpfe ich, nicht gleichsam die Luft peitschend, sondern ich züchtige meinen Leib und bringe ihn zur Dienstbarkeit.“ Dieses bezieht sich zunächst auf die schmerzvolle Enthaltsamkeit und das [S. 113] körperliche Fasten und die Kreuzigung des Fleisches; durch diese letztere ist er nach seiner Schilderung ein rüstiger Kämpfer gegen sein Fleisch. Und nicht vergebens, wie er sagt, führte er gegen dasselbe die Schläge der Enthaltsamkeit, sondern er triumphirte in diesem Kampfe durch die Abtödtung seines Leibes. Nachdem dieser durch die Schläge der Enthaltsamkeit gezüchtigt und mit dem Riemen des Fastens tüchtig gepeitscht worden war, verlieh der Richter dem siegreichen Geiste die Krone der Unsterblichkeit und die Palme der Unverweslichkeit. Hier siehst du die rechtmäßige Ordnung des Kampfes und den Ausgang im geistigen Kriege. Hat nämlich der Kämpfer Christi über das aufrührerische Fleisch den Sieg erlangt, so tritt er es gleichsam mit Füßen, und wie ein stolzer Triumphator fährt er über dasselbe dahin. — Und deßhalb läuft er nicht in’s Unbestimmte, weil er des festen Vertrauens war, daß er in die heilige Stadt, das himmlische Jerusalem, sofort einziehen werde. So kämpfe er, durch Fasten und Bändigung des Fleisches, nicht gleichsam die Luft peitschend, d. h. vergeblich die Streiche der Enthaltsamkeit führend, durch die er nicht die leere Luft, sondern jene Geister, die in ihr sind, durch Züchtigung seines Leibes peitschte. Denn wer sagt: „nicht gleichsam die Luft peitschend,“ gibt zu erkennen, daß er nicht die leere und nichtige Luft, wohl aber Jemanden in der Luft schlage. Und weil er in diesem Kampfe Sieger geblieben ist und zum Lohne dafür mit vielen Kränzen geschmückt einherging, beginnt er nicht mit Unrecht Kämpfe mit stärkeren Feinden, und nach dem Triumphe über die früheren Nebenbuhler ruft er voll Vertrauen aus:3 „Nun haben wir nicht mehr den Kampf zu bestehen gegen Fleisch und Blut, sondern gegen Fürstenthümer und Mächte, gegen die Beherrscher dieser Welt der Finsterniß, gegen die bösen Geister in der Luft.“

1: Hohes L. 1, 3.
2: Ps. 62, 9 [Hebr. Ps. 63, 9].
3: Ephes. 6, 12.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger