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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Fünftes Buch: Von dem Geiste der Unmäßigkeit.

11. Die Gelüste des Herzens können nur zugleich mit der gänzlichen Ausrottung der Laster ertödtet werden.

Es ist unmöglich, die brennenden Reize des Körpers zu ersticken, ehe auch der Zündstoff zu den übrigen Hauptsünden von Grund aus vernichtet ist. Ueber letztere werden wir im Einzelnen in je einem Buche an geeigneter Stelle mit Gottes Hilfe reden. Unsere jetzige Aufgabe besteht darin, von der Gastrimargie d. i. von der Gaumenlust zu reden, gegen die wir den ersten Kampf zu bestehen haben. [S. 105] Nimmer wird Einer den Stachel der brennenden Lust niederzuhalten vermögen, der die Gelüste des Gaumens nicht zu zügeln vermag. Die Reinheit des innern Menschen erkennt man an der vollkommenen Uebung dieser Tugend. Denn glaube nicht, daß Der jemals mit stärkeren Feinden zu kämpfen im Stande ist, den du in leichterem Kampfe von geringeren Feinden überwunden sahest. Aller Tugenden Wesen ist ja Eins, wenn sie auch in viele Arten und Benennungen getheilt werden, wie auch das Wesen des Goldes Eines ist, obwohl es in vielen und mannigfaltigen Arten von Geschmeiden nach der Erfindung und dem Willen des Künstlers getheilt erscheint. Daher wird es sich zeigen, daß man keine Tugend vollkommen besitzt, wenn man sich aus dem Besitze eines Theils der Tugend verdrängt findet. Denn wie kann man glauben, daß die brennende Gluth der Begierlichkeit, die nicht allein durch die Anreizung des Leibes, sondern auch durch die Versündigung des Geistes entflammt wird, Derjenige löschen werde, der den Stachel des Zornes nicht zurückzudrängen vermochte, obwohl dieser lediglich aus Mangel an innerer Selbstbeherrschung hervorbricht? Oder wie mag Derjenige die üppigen Reize des Fleisches und Geistes dämpfen, der die einfache Sünde des Stolzes nicht zu besiegen vermag? Oder wie soll Einer die dem Fleische angeborene Ueppigkeit ertödten, der einem ausser uns und unserer Natur liegenden Verlangen nach Gold nicht zu entsagen vermag? Keine Stadt ist so sehr durch hohe Mauern und festverschlossene Thore befestigt, daß sie nicht durch die verrätherische Uebergabe eines einzigen noch so kleinen Hinterpförtchens zerstört werden könnte. Denn welcher Unterschied ist es, ob über die Mauern und durch die breiten Breschen an den Thoren oder durch das Versteck einer engen Mine der verderbliche Feind in das Innere der Stadt eindringt?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger