Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Viertes Buch: Regeln für die Novizen.

39. Fortsetzung.

„Der Anfang und zugleich die Sicherung unseres Heiles ist, wie ich sagte, die Furcht des Herrn. Denn durch sie erlangen Jene, welche den Weg der Vollkommenheit wandeln wollen, den Anfang der Bekehrung, die Reinigung von Sünden und die Bewahrung ihrer Tugenden. Wenn sie den Geist des Menschen durchdrungen, erzeugt sie die Verachtung aller Dinge, läßt die Verwandten vergessen und erfüllt mit Schauder vor der Welt. In der Verachtung aber und freiwilligen Entsagung aller Dinge wurzelt die Demuth. Die Demuth aber bewährt sich an diesen Zeichen: erstens, wenn man alle Neigungen in sich ertödtet hat; zweitens, wenn man nicht nur keines seiner Werke, sondern auch keinen seiner Gedanken dem Oberen verheimlicht; drittens, wenn man Nichts der eigenen Entscheidung, sondern Alles dem Urtheil des Oberen anheim gibt und seine Ermahnung begierig und gerne aufnimmt; viertens, wenn man in Allem den Gehorsam, die Sanftmuth und beharrliche Geduld bewahrt; fünftens, wenn man nicht nur Keinem Unrecht zufügt, sondern auch nicht einmal über das von einem Andern erlittene klagt und sich betrübt; sechstens, wenn man Nichts thut und Nichts verlangt, wozu nicht die gemeinsame Regel oder die Beispiele der Vorfahren auffordern; siebentens, wenn man mit jeglichem werthlosen Dinge zufrieden ist und bei Allem, was befohlen wird, sich für einen schlechten und unwürdigen Arbeiter hält; achtens, wenn man nicht obenhin mit den Lippen, sondern im Grunde des Herzens sich für [S. 92] geringer als Alle hält; neuntens, wenn man seine Zunge beherrscht und nicht laut im Reden ist; zehntens, wenn man nicht leicht geneigt zum Lachen ist. An diesen und ähnlichen Zeichen erkennt man die wahre Demuth. Wenn du sie in Wahrheit besitzest, wird sie dich sofort zu einer höheren Stufe, zur Liebe emporführen, welche keine Furcht kennt, und durch die du Alles, was du früher nicht ohne peinliche Furcht beobachtet hast, ohne alle Mühe, als ob es dir so angeboren wäre, beobachten wirst; und nicht mehr die Erwägung der Strafe oder die Furcht vor derselben, sondern die Liebe zum Guten und die Freude an der Tugend wird bei deinem Thun und Lassen der wirksamste Beweggrund sein.“

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Bilder Vorlage

Navigation
. Erstes Buch: Von der ...
. Zweites Buch: Die kano...
. Drittes Buch: Von dem ...
. Viertes Buch: Regeln ...
. . Mehr
. . 26. Aus Gehorsam gegen ...
. . 27. Demuth und Gehorsam ...
. . 28. Belobung und Belohnung ...
. . 29. Gehorsam jenes ...
. . 30. Große Demuth und ...
. . 31. Abt Pynupius, in s...
. . 32. Ermahnungen, welche ...
. . 33. Fortsetzung.
. . 34. Fortsetzung.
. . 35. Fortsetzung.
. . 36. Fortsetzung.
. . 37. Fortsetzung.
. . 38. Fortsetzung.
. . 39. Fortsetzung.
. . 40. Fortsetzung.
. . 41. Fortsetzung.
. . 42. Fortsetzung.
. . 43. Schluß.
. Fünftes Buch: Von ...
. Sechstes Buch: Von ...
. Siebentes Buch: Von ...
. Achtes Buch: Von dem ...
. Neuntes Buch: Von dem ...
. Zehntes Buch: Von dem ...
. Elftes Buch: Von dem ...
. Zwölftes Buch: Von ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger