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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Drittes Buch: Von dem vorgeschriebenen Officium des Tages.

8. In welche Zeit die mit Samstag Abend beginnenden Nachtwachen fallen, und in welcher Ordnung dieselben gehalten werden.

Was indessen die Nachtwachen betrifft, die jede Woche mit Anbruch des Samstag-Abendes gehalten werden, so dehnen die Vorsteher in den Klöstern zur Winterzeit, wann die Nächte länger sind, dieselben nur bis zum vierten Hahnenrufe aus; und zwar geschieht Dieß, damit die, welche die ganze Nacht über gewacht, doch noch die übrigen zwei Stunden ihren Körper kräftigen können und mit dieser kurzen Ruhe statt des Schlummers der ganzen Nacht sich begnügend nicht den ganzen Tag über von Schlaftrunkenheit ermattet [S. 54] seien. Diesen Brauch sollten auch wir mit aller Gewissenhaftigkeit beobachten und uns begnügen mit dem Schlafe, der uns nach dem Verlaufe der Nachtwachen bis zum Anbruche des Tages d. h. bis zu den Psalmen der Matutin (Prim) gestattet ist, und hierauf den Tag in der Verrichtung unserer Arbeiten und Dienstleistungen verbringen; denn sonst möchte die Ermüdung in Folge der Nachtwachen und unsere Schwachheit uns verleiten, den Schlaf, den wir der Nacht entzogen, während des Tages wieder zu beanspruchen, und es könnte den Anschein haben, als ob wir nicht so sehr dem Körper Ruhe entzogen als die Zeit der Ruhe und nächtlichen Erquickung nur vertauscht hätten. Denn unmöglich kann das gebrechliche Fleisch so der ganzen Nachtruhe entbehren, daß es den ganzen folgenden Tag ohne Schläfrigkeit und geistige Erschlaffung in unerschütterlicher Wachsamkeit sich aufrecht erhalten kann. Die Körperkräfte werden eher dadurch geschädigt als gefördert werden, wenn der Leib nicht nach Beendigung der Nachtwachen nicht wenigstens etwas Schlaf genießt. Und wenn deßbalb wenigstens ein einstündiger Schlaf, wie schon erwähnt wurde, vor Tagesanbruch gestattet wird, so werden wir, die wir die Nacht im Gebete zugebracht, von allen Stunden der Nachtwachen Gewinn haben. Auf diese Weise geben wir der Natur, was ihr zukommt, und haben nicht nothwendig, das am Tage wieder zu beanspruchen, was wir der Nacht entzogen haben. Denn Alles wird Jeder diesem Fleische zurückgeben, der ihm nicht vernünftiger Weise einen Theil zu entziehen, sondern das Ganze zu versagen sucht, der, besser gesagt, nicht das Überflüssige, sondern das Nothwendige wegschneiden will. Deßhalb muß man mit großem Schaden die Nachtwachen entgelten, wenn man sie ohne vernünftige Ueberlegung bis zum Tagesanbruch übermäßig ausdehnt. Ferner gibt man deßwegen den Nachtwachen eine Abwechslung durch die Dreiteilung des Gebetsdienstes, damit die Anstrengung durch diesen Wechsel gleichsam getheilt und so durch eine gewisse Annehmlichkeit die körperliche Erschöpfung beseitigt wird. Haben nämlich die Brüder die drei [S. 55] Antiphonen stehend gesungen, so respondiren sie alsdann, auf dem Boden oder ganz niedrigen Sitzbänken sitzend, während einer (versweise) vorsingt, drei Psalmen, welche einzeln von den einzelnen Brüdern in wechselnder Abfolge der andern dargeboten (vorgesungen) werden; und an diese reihen sie in derselben ruhenden Lage drei Lektionen. So vermindern sie die körperliche Anstrengung und führen ihre Nachtwachen mit größerer Aufmerksamkeit aus.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger