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Cassian († 430/35) - Von den Einrichtungen der Klöster (De institutis coenobiorum et de octo principalium vitiorum remediis)
Drittes Buch: Von dem vorgeschriebenen Officium des Tages.

4. Die Matutin, welche wir Prim nennen, ist nicht durch alte Ueberlieferung eingeführt, sondern zu unserer Zeit hinzugekommen.

Indessen muß man wissen, daß die Matutin, welche jetzt auch sogar in den meisten abendländischen Provinzen gefeiert wird, als canonische Verrichtung erst zu unserer Zeit und zuerst in unserem Kloster (zu Bethlehem) eingeführt wurde, wo unser Herr Jesus Christus, aus der Jungfrau geboren, dem Wachsthum eines menschlichen Kindes zu unterziehen sich würdigte und auch unsere in der Frömmigkeit [S. 50] noch zarte und saugende Kindheit durch seine Gnade befestigte. Wir finden nämlich, daß die Feier der Matutin (welche in den gallischen Klöstern kurze Zeit nach Vollendung der nächtlichen Psalmen und Gebete gehalten zu werden pflegt) bis zu jener Zeit (im Kloster zu Bethlehem) zugleich mit den täglichen Vigilien (Nocturnen) vollendet wurde, und daß die übrigen Stunden von unseren Vorfahren für die Ruhe bestimmt waren. Da jedoch die Nachläßigeren diese Nachsicht mißbrauchten und die Frist zum schlafen zu weit ausdehnten, weil ja vor der dritten Stunde (Terz) keinerlei Zusammenkunft stattfand und sie nöthigte, ihre Zellen zu verlassen und von ihren Lagerstätten sich zu erheben, und da sie dann zum Nachtheil für die (Tages-) Arbeit auch unter Tags, wo man verschiedenen Geschäften sich hingeben soll, in Folge des übermäßigen Schlafes als erschlafft sich erwiesen, zumal an jenen Tagen, an welchen den vom Abend (Vesper) bis zum Nahen des Morgenrothes (Laudes) Nachtwache (Nocturnen) eine gar lästige Ermattung zu erwachsen pflegt: so wurde dortselbst (in Bethlehem), nachdem einige geisteseifrige Brüder, welchen solche Nachläßigkeit sehr mißfiel, an die Oberen Klage gebracht hatten, von diesen nach langer Erörterung und reiflicher Ueberlegung Folgendes beschloßen: Bis Sonnen-Aufgang, wo man schon ohne Anstand die Lesung halten oder eine Handarbeit vornehmen könne, solle dem müden Leibe Ruhe gegönnt, hierauf, um dieser religiösen Uebung nachzukommen, sollen die Mönche geweckt werden und alle zusammen aufstehen; nun sollten drei Psalmen und Gebete gesprochen werden nach der bei der Feier der Terz, Sext und Non üblichen Weise; hierauf solle man mit dem Schlafe ein Ende und mit der Arbeit in rechtem und billigem Maße einen Anfang machen. Scheint man auf diese Anordnung auch nur aus Zufall gekommen zu sein und sie in jüngster Zeit aus dem erwähnten Grunde getroffen zu haben; so ergänzt sie doch jene Zahl, die der selige David angibt, — abgesehen davon, daß sie auch eine geistige Beziehung zuläßt, — dem Buchstaben nach ganz deutlich: „Siebenmal am Tage [S. 51] sage ich dir Lob wegen der Gerichte deiner Gerechtigkeit.“1 Kommt nämlich noch dieses feierliche Gebet hinzu, so halten wir siebenmal ohne Zweifel am Tage diese feierlichen Versammlungen, und es bestätigt sich, daß wir siebenmal an demselben dem Herrn Lob singen. Obgleich übrigens dieser Gebrauch ursprünglich aus dem Morgenland stammt und zu sehr großem Nutzen bis hierhin verbreitet wurde; so scheint er doch bis jetzt in einigen der ältesten Klöster des Orients, die durchaus kein Abgehen von den Regeln der Väter dulden, gar keinen Eingang gefunden zu haben.

1: Ps. 118, 164 [Hebr. Ps. 119, 164].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger