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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Dreiundreissigste Homilie.

III.

Dieß sagte damals Paulus; jetzt aber sage ich es, und nicht allein zu den anwesenden Brüdern spreche ich diese Worte, sondern auch zu Denen, welche nicht zugegen sind. Niemand hat euch euere Güter geraubt; wenn man euch aber auch beraubt hat, so erweiset mit Dem, was euch noch geblieben ist, Gastfreundschaft. Denn welche Entschuldigung werden wir wohl haben, da Diese auch nach dem Raube ihrer Güter solche Worte hören? Und siehe, hier sagt er: aber wohlzuthun vergesset nicht, da er oben gesagt hatte: die Gastfreundschaft vergesset nicht; er will aber nicht Verschiedenes andeuten, sondern hat nur für dieselbe Sache eine andere Bezeichnung gebracht. Und er sagt nicht: die Gastaufnahme, sondern: die Gastfreundschaft vergesset nicht, d. h. nehmet die Fremden nicht bloß auf, sondern liebet sie auch. Und er spricht nicht von der zukünftigen und hinterlegten Vergeltung, um sie nicht wieder in Trägheit versinken zu lassen, sondern von dem schon zugetheilten Lohne. Denn er fügt bei: denn durch diese haben Einige, ohne es zu wissen, Engel beherbergt. Allein wir wollen auf das oben Gesagte zurückschauen. Ehrbar sei die Ehe in Allem, und das Ehebett unbefleckt. Wie ist die Ehe ehrbar? Weil sie den Gläubigen in der Keuschheit schirmt. Hier deutet er auch auf die Juden, weil sie das Ehebett für [S. 490] verabscheuungswürdig hielten. Und wer, heißt es, vom Ehebette kommt, ist unrein. O du unverständiger und thörichter Jude! Das ist nicht häßlich, was in Folge der natürlichen Einrichtung geschieht, sondern was aus dem Willen stammt. Denn wenn die Ehe ehrenhaft und rein ist, warum glaubst du dann durch sie befleckt zu werden? Euer Wandel, sagt er, sei ohne Geiz. Weil Viele, nachdem sie ihr Vermögen erschöpft haben, unter dem Vorwande des Almosens dasselbe wieder gewinnen wollen, deßhalb sagt er: euer Wandel sei ohne Geiz, d. h. nur das Erforderliche und Nothwendige werde gesucht. Wie ist es aber, wenn wir nicht einmal Dieses besitzen? Das geschieht nicht, nein, Das kann nicht eintreten; denn er selbst, der nicht lügt, hat gesprochen: Ich will dich nicht verlassen und nicht versäumen, so daß wir mit Vertrauen sprechen: „Der Herr ist mein Helfer, ich will nicht fürchten, was mir auch thun mag ein Mensch,“1 - als wenn er sagte: Das Versprechen hast du von ihm, darum habe weiter kein Bedenken; er selbst hat die Verheissung gegeben, zweifle also nicht. Die Worte aber: Ich will dich nicht verlassen, spricht er nicht nur in Bezug auf das Geld, sondern auch hinsichtlich alles Andern: Der Herr ist mein Helfer, ich will nicht fürchten was mir auch thun mag ein Mensch. Und mit Recht hat er zur Besiegelung seines Wortes diese Stelle des Propheten angeführt, um sie entschlossener zu machen und vor Ermüdung zu bewahren. So wollen denn auch wir in allen Versuchungen sprechen und die menschlichen Dinge verlachen; denn so lange Gott uns geneigt ist, wird uns Niemand überwinden. Denn wie wir, wenn Jener unser Feind ist, und besaßen wir die Freundschaft Aller, keinen Nutzen davon haben; so widerfährt uns auch, falls wir [S. 491] seine Freundschaft besitzen, und würden auch Alle uns anfeinden, kein Schaden. Darum sagt er: „Ich will nicht fürchten, was mir auch thun mag ein Mensch. - „Gedenket euerer Vorsteher, welche euch das Wort Gottes verkündet haben.“2 Auch hier, glaube ich, spricht er hinsichtlich der Hilfe; denn Das liegt in den Worten: welche euch das Wort Gottes verkündet haben; sehet auf den Ausgang ihres Wandels und folget ihrem Glauben nach. Was heißt Das: sehet? Verweilet stets dabei, erforschet bei euch selbst, erwäget, suchet sorgfältig, prüfet nach Gefallen. Schön sagt er: den Ausgang ihres Wandels, d.h. ihr Verhalten bis zum Ende, weil ihr Lebenswandel einen guten Abschluß hatte. - Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Was er aber sagt, ist Dieses: Glaubet ja nicht, daß er damals Wunder gewirkt habe, jetzt aber keine mehr wirke; denn er ist derselbe geblieben, und weil er derselbe ist, gibt es auch keine Zeit, wo er nicht Dasselbe wirken kann. Vielleicht hat er in Rücksicht auf Das die Worte gesprochen: Gedenket euerer Vorsteher. Lasset euch nicht verführen durch allerlei fremde Lehren. Fremde Lehren, d. i. solche, die abweichen von jenen, welche ihr von uns gehört habt; allerlei, mannigfache; denn solche haben nichts Festes, sondern sind verschiedentlich, am meisten aber in Betreff des Unterschiedes der Speisen. Darum fügt er, Dieses berücksichtigend, bei: Denn das Beste ist, das Herz mit der Gnade zu stärken, nicht durch Speisen. Diese sind verschieden, diese sind fremd. Hier greift er sie an hinsichtlich der genauen Beobachtung der Speisen; denn er zeigt, daß sie von dieser auf einen andern Unterricht [S. 492] verfallen und hievon auf allerlei fremde Lehren gekommen seien. Und siehe, er wagt es nicht, Dieß offen zu sagen, sondern er spricht sich fast räthselhaft aus. Denn in den Worten: Lasset euch nicht verführen durch allerlei fremde Lehren, und: denn das Beste ist, das Herz mit der Gnade zu stärken, nicht durch Speisen - spricht er beiläufig Dasselbe aus, was Christus sagt: „Nicht was zum Munde eingeht, verunreinigt den Menschen, sondern was zum Munde ausgeht,“3 und er zeigt, daß das Ganze der Glaube ist. Hat dieser uns Festigkeit verliehen, so befindet sich das Herz in Sicherheit. Der Glaube gibt also Gewißheit, die Verstandesberechnungen aber machen schwankend, so daß also der Glaube das Gegentheil von diesen ist. - Welche Denen, die darauf hielten, Nichts nützten. Sage mir, welchen Nutzen bringt die genaue Beobachtung? Schadet sie nicht vielmehr? Bringt sie einen solchen Menschen nicht unter die Sünde? Soll eine genaue Beobachtung stattfinden, so geschehe sie dort, wo sie Nutzen verleiht. Die rechte Beobachtung besteht in der Entfernung des Bösen, in der Geradheit des Herzens, in der Liebe zu Gott, im achten Glauben: Welche Denen, die darauf hielten, sagt er, nicht nützten, d. i. die beständig darüber wachten. Es gibt nur eine Beobachtung, nämlich die Enthaltung von der Sünde. Denn was nützt es, sich von den Speisen zu enthalten, da Einige so verrucht sind, daß sie an den Opfern nicht theilnehmen können. So hat sie Nichts gerettet, obgleich sie in der Beobachtung großen Eifer entwickelten, sondern weil sie keinen Glauben besaßen, hatten sie auch so keinen Nutzen. Darnach nimmt er das Opfer vom Vorbilde weg und führt die Rede auf das Urbild, indem er sagt: Denn die Körper der Thiere, deren Blut für die Sünde durch den [S. 493] Hohenpriester in’s Heiligthum getragen wird, werden ausserhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er durch sein Blut das Volk heiligte, draussen vor dem Thore gelitten. So war Jenes ein Vorbild von Diesem, und so hat Christus Alles erfüllt, indem er draussen litt. Hier zeigt er auch, daß er freiwillig litt; denn er zeigt, daß Jenes nicht ohne Bedeutung, sondern ein Vorbild war, und daß selbst die Erlösung nicht ausserhalb des Leidens stattfand; aber das Blut wurde in den Himmel getragen.

1: Ps 117,6
2: Chrysostomus kommt hier auf V. 7-12 dieses Kapitels noch einmal zurück.
3: Mt 15,11

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger