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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Dreiundreissigste Homilie.

II.

Hier versteht er unter gestern die ganze vergangene Zeit, unter heute die Gegenwart, unter Ewigkeit eine Dauer, die keine Gränzen und kein Ende hat. Was er aber sagt, ist Dieses: Ihr habt einen Hohenpriester gehört, aber keinen, welcher aufhört, denn er ist ewig. Vielleicht aber hat er, als wenn Einige sagten: nicht der Christus, welcher am Kreuze starb, ist der erwartete, sondern es wird ein anderer kommen, die Worte gebraucht: ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit. Dadurch zeigt er an, daß derselbe, welcher gekommen ist, auch kommen wird, und daß eben dieser vorher war, und ist und in Ewigkeit sein wird. Da die Juden auch jetzt sagen, daß ein anderer kommen werde, so werden sie, die sich dessen, der da ist, beraubt haben, auf den Antichrist fallen: Durch allerlei fremde Lehren, sagt er, lasset euch nicht [S. 487] verführen. Er will, daß sie nicht durch fremde, ja nicht einmal durch allerlei Lehren hin und her getrieben werden; denn er weiß, daß die Betroffenen auf beiden Wegen zu Grunde gehen. Denn das Beste ist, das Herz mit der Gnade zu stärken, nicht durch Speisen, welche Denen, die darauf hielten, Nichts nützten. Hier spielt er leise auf Diejenigen an, welche die Beobachtung der Speisen einführen; denn durch den Glauben ist Alles rein; also bedarf es des Glaubens, nicht der Speisen.

10. Wir haben einen Opferaltar, wovon Diejenigen nicht essen dürfen, die dem Zelte dienen.

Nicht wie Das, was die Juden haben, ist was wir besitzen, so daß nicht einmal dem Hohenpriester das Recht zusteht, daran Theil zu nehmen. Nachdem er nun gesagt hatte: lasset die Beobachtung, und so die eigene Sache umzuwerfen schien, nimmt er wieder eine andere Wendung; denn haben nicht auch wir, sagt er, die Beobachtung? Wohl haben wir die Beobachtung, und zwar die sorgsamste, so daß wir nicht einmal den (jüdischen) Priestern Antheil gewähren.

11. 12. Denn die Körper der Tiere, deren Blut für die Sünde durch den Hohenpriester in’s Heiligthum getragen wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Darum hat auch Jesus, damit er durch sein Blut das Volk heiligte, draussen vor dem Thore gelitten.

Siehst du das glänzende Vorbild? Ausserhalb des Lagers, sagt er, und ausserhalb des Thores. Weil nun Dasjenige, was der Sünde wegen geopfert wurde, ein Vorbild war und ausserhalb des Lagers [S. 488] als Brandopfer dargebracht wurde; so litt entsprechend auch Christus, der ein Opfer für unsere Sünden geworden, draussen vor dem Thore. Darum müssen auch wir Den, welcher unsertwegen gelitten hat, nachahmen, und ausserhalb der Welt, oder vielmehr ausserhalb der Dinge dieser Welt sein. Darum fügt er auch, Dieß anzudeuten, hinzu:

13. Lasset uns nun hinausgehen zu ihm ausserhalb des Lagers und seine Schmach tragen,

d. h. lasset uns Dasselbe dulden und seine Leidensgenossen werden. Wie ein Verurtheilter wurde er draussen an’s Kreuz geschlagen; darum wollen auch wir uns nicht schämen, uns ausserhalb der Welt zu stellen; denn Dieß hat er angedeutet durch die Worte: ausserhalb des Lagers, draussen vor dem Thore.

14. 15. Denn wir haben, sagt er, hier keine bleibende Stätte, sondern suchen die zukünftige. Durch ihn also lasset uns Gott allezeit darbringen das Opfer des Lobes, das ist die Frucht der Lippen, welche seinen Namen bekennen.

Durch ihn, sagt er, wie durch einen Hohenpriester, was die Menschheit angeht. Welche seinen Namen bekennen, als ob er sagte: wenn wir ihn bekennen müssen, wollen wir nichts Lästerliches, nichts Verwegenes, nichts Freches, nichts Kühnes, nichts Anmaßendes sprechen, sondern Alles mit Scham und Ehrerbietung thun und reden. Dieß sagt er nicht ohne besondern Zweck, sondern weil er wußte, daß sie in Bedrängniß lebten. In den Trübsalen aber verliert die Seele die Hoffnung und Scham. Wir aber, sagt er, wollen Solches nicht thun. Siehe, er spricht hier wieder wie oben: „indem wir nicht verlassen unsere [S. 489] Versammlung.“1 Auf diese Weise werden wir Alles mit Scham vollbringen; denn oft unterlassen wir auch vieles Böse aus Furcht vor den Menschen.

16. Aber wohlzuthun und mitzutheilen vergesset nicht.

1: Hebr 10,25

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger