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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Zweiunddreissigste Homilie.

I.

18. - 24. Denn ihr seid nicht hingetreten zu einem Berge, den man betasten kann, zu brennendem Feuer, zu Wettergewölk, zu Finsterniß, zu Sturm, zu Posaunenschall, zu Wortgetön, welches, die da hörten, sich verbaten, damit das Wort nicht weiter an sie gerichtet würde: denn sie ertrugen nicht die Verordnung: „selbst wenn ein Thier den Berg berührt, so soll es gesteiniget werden:“ ja, so furchtbar war die Erscheinung, daß Moses sprach: „Ich bin erschreckt und zittere;“ sondern ihr seid hinzugetreten zum Berge Sion, zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zu der Menge vieler taufend Engel, zur Gemeinde der Erstgebornen, welche in den Himmeln aufgezeichnet sind, zu Gott, dem Richter Aller, zu den Geistern der vollendeten Gerechten, und zu Jesus, dem Mittler des neuen [S. 469] Bundes, und zu dem Blute der Reinigung, welches besser redet, als Abel.

Bewunderungswürdig war das Allerheiligste, das sich im Tempel befand; schauerlich war auch Das, was auf dem Berge Sinai wahrgenommen wurde: Das Feuer, das Dunkel, die Finsterniß, der Sturm. „Denn es redete,“ heißt es, „der Herr auf dem Berge aus der Mitte des Feuers, und der Wolke und der Dunkelheit.“1 Das Neue Testament wurde aber ohne Alles der Art verliehen; es wurde von Christus in einfacher Rede gegeben. Betrachte, wie er, was dort geschah, in Vergleich zieht und ihm mit Recht die letztere Stelle anweist. Denn nachdem er sie durch unzählige Beweisgründe überzeugt, und den Unterschied zwischen beiden Testamenten gezeigt hatte, und nachdem zuletzt jenes verworfen worden, so greift er auch, was dort stattgefunden, ohne Schwierigkeit an. Und was sagt er? Denn ihr seid nicht hinzugetreten zu einem Berge, den man betasten kann, zu brennendem Feuer, zu Wettergewölk, zu Finsterniß, zu Sturm, zu Posaunenschall, zu Wortgetön, welches, die da hörten, sich verbaten, damit das Wort nicht weiter an sie gerichtet würde: denn sie ertrugen nicht die Verordnung: „Wenn auch nur ein Thier den Berg berührt, so soll es gesteiniget werden.“ Furchtbar, sagt er, sind diese Dinge, und so schauerlich, daß das Gehör Solches nicht ertragen kann, und kein Thier es wagt, hinaufzugehen. Aber anderer Art ist, was darauf folgte. Denn was ist der Sinai im Vergleich mit dem Himmel? Was ist betastbares Feuer gegen den unantastbaren Gott? Denn unser Gott, heißt es, ist ein verzehrend Feuer. [S. 470] Daß aber Dasjenige, was auf dem Berge geschah, entsetzlich war, erhellet aus Dem, was sie sagten: „Rede du mit uns; der Herr aber rede nicht mit uns, wir möchten sonst sterben.“2 „Denn sie ertrugen es nicht,“ heißt es, „was befohlen ward: „Wenn auch ein Thier den Berg berührt, so soll es gesteiniget werden:“ ja, so furchtbar war die Erscheinung, daß Moses sprach: „Ich bin erschreckt und zittere.“ Wie kann man sich darüber wundern, daß das Volk, wie erzählt wird, sich in solchem Zustande befand, da auch er selbst, der da in die Dunkelheit, wo Gott sich befand, hineingegangen war, sagt: „Ich hin erschreckt und zittere?“ Sondern ihr seid hinzugetreten zum Berge Sion, zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem, zu der Menge vieler tausend Engel, zur Gemeinde der Erstgebornen, welche in den Himmeln aufgezeichnet sind, zu Gott, dem Richter Aller, zu den Geistern der vollendeten Gerechten, und zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes, und zu dem Blute der Reinigung, welches besser redet, als Abel.“ Siehst du, wie groß er den Unterschied zwischen dem Alten und Neuen Testament dargestellt hat? Statt des irdischen Jerusalem wird das himmlische gegeben: „denn ihr seid hingetreten zur Stadt des lebendigen Gottes, zum himmlischen Jerusalem“, und statt Moses ist hier Jesus: „und zu Jesus,“ heißt es, „dem Mittler des Neuen Bundes; und statt des Volkes alle Engel: zu der Menge vieler tausend Engel, sagt er. Welche [S. 471] aber nennt er Erstgeborne in den Worten: zur Gemeinde der Erstgebornen? Alle Chöre der Gläubigen. Er heißt sie aber auch Geister der vollendeten Gerechten. Seid daher nicht mißmuthig; denn mit Diesen werdet ihr zusammen sein. Was besagen die Worte: und zu dem Blute der Reinigung, welches besser redet als Abel? Hat denn das Blut Abel’s geredet? Allerdings; wie aber, höre Paulus sagen: „Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer als Kain dar, und erhielt dadurch das Zeugniß, gerecht zu sein, und mittelst desselben redet der Verstorbene jetzt noch.“3 Und wieder spricht Gott: „Das Blut deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“4 Entweder sind nun diese Worte in diesem Sinne zu verstehen, oder in dem, daß er auch jetzt noch gerühmt wird. Ganz anders aber ist das Blut Christi; denn dieses hat Alle gereinigt, und entsendet eine glänzendere und ausgezeichnetere Stimme und besitzt auch ein größeres Zeugniß, das in Thaten begründet ist.

25. - 29. Sehet zu, daß ihr den Redenden nicht abweiset; denn wenn Jene nicht entkommen sind, welche Den abwiesen, der auf Erden sprach: wie viel weniger wir, wenn wir uns von Dem abwenden, der vom Himmel zu uns redet. Seine Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber lauten die Worte der Verheissung: Noch einmal, und ich will nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel erschüttern. Mit den Worten: noch einmal, zeigt er an die Umwandlung des Wandelbaren [S. 472] als Geschaffenen, damit das Unwandelbare bleibe. Da wir nun ein unwandelbares Reich empfangen, so lasset uns festhalten an der Gnade, durch die wir Gott dienen und ihm gefallen wollen mit Furcht und Ehrerbietung, denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.

Furchtbar war Jenes, aber viel bewunderungswürdiger und glänzender ist Dieses; denn hier ist weder Finsterniß, noch Dunkelheit, noch Sturm, wie es dort der Fall war, zu finden. Und warum wurde Gott damals im Feuer gesehen? Mir scheint er durch jene Dinge die Dunkelheit des Alten Testamentes, sowie den Schatten und die Verhüllung des Gesetzes anzudeuten, dann aber auch noch zeigen zu wollen, daß der Gesetzgeber furchtbar sein und die Übertreter züchtigen müsse.

1: Ex 19; Dtn 5,22
2: Ex 20,19
3: Hebr 11,4
4: Gen 4,10

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger