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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Neunundzwanzigste Homilie.

II.

Siehst du, daß man, wie ich schon früher sagte, nicht Sohn sein kann, ohne gezüchtiget zu werden? Denn wie auch in den Familien die Väter die natürlichen Söhne vernachlässigen, wenn sie auch Nichts lernen und ohne Ruhm bleiben, in Betreff der rechtmäßigen Söhne aber fürchten, dieselben möchten verkommen: so verhält es sich auch hier. Wenn es daher das Loos der natürlichen Kinder ist, nicht gezüchtigt zu werden, so muß man sich ob der Züchtigung freuen, da sie ja ein Beweis der echten Abkunft ist. Wie gegen Söhne benimmt sich Gott gegen euch; deßhalb sagt Paulus: [S. 437]

9. Ferner, unsere leiblichen Väter hatten wir zu Züchtigern und erwiesen ihnen Ehrfurcht: sollten wir nicht vielmehr dem Vater der Geister uns unterwerfen, damit wir leben?

Er entnimmt die Ermunterung wieder den eigenen Leiden, von Dem, was sie selbst erduldeten. Denn wie er dort spricht: „Erinnert euch aber der vorigen Tage,“1 so sagt er auch hier: Gott benimmt sich gegen euch wie gegen Söhne und zwar wie gegen geliebte Söhne, und ihr könnt euch wohl nicht die Worte erlauben: wir können Das nicht ertragen. Wenn aber Jene gegen ihre leiblichen Väter Ehrfurcht empfinden, wie solltet denn ihr keine Ehrfurcht haben vor dem Vater, der im Himmel ist? wiewohl nicht allein hierin und in den Personen, sondern auch in der Ursache und in der Sache der Unterschied zu suchen ist; denn nicht zu demselben Zwecke züchtigen Jene und Dieser, weßhalb er hinzufügt: „Jene züchtigen uns auf kurze Zeit nach ihrem Gutdünken,“ d.h. Jene lassen oft ihrer Leidenschaft freies Spiel und haben nicht immer, was heilsam ist, im Auge. Hier aber kann man Das nicht sagen; denn nicht aus selbsteigenen Rücksichten handelt er so, sondern nur um euret und eueres Nutzens willen, Jene aber, damit ihr auch ihnen Vortheile einbringt, oft aber auch ohne Grund. Hier aber findet sich Nichts der Art. Siehst du, daß auch dieses Trost gewährt? Denn am meisten schließen wir uns an Diejenigen an, von welchen wir wahrnehmen, daß sie nicht aus Eigennutz befehlen oder aufmuntern, sondern ihren ganzen und vollen Eifer zu unserm Wohle thätig sein lassen; denn Das ist am Sonnenlicht erprobte Liebe, und in Wahrheit Liebe, wenn wir dem Freunde keinen Nutzen bringen und von ihm doch geliebt werden. Denn wir werden geliebt, nicht auf daß er empfange, sondern damit er geben könne. Er züchtiget, [S. 438] er thut Alles, er bietet allen Eifer auf, damit wir in den Besitz seiner Güter gelangen: Jene züchtigten uns für kurze Zeit nach ihrem Gutdünken; dieser aber für Das, was nützlich ist, um seine Heiligung zu erlangen. Was heißt Das: seine Heiligung? Seine Reinheit, so daß wir seiner würdig werden gemäße seiner Macht. Jener bemüht sich, auf daß ihr empfanget, und thut Alles, um euch zu nützen, ihr aber wendet keinen Eifer an, um zu empfangen: „Ich sprach,“ heißt es, „zu dem Herrn: mein Gott bist du, denn meiner Güter bedarfst du nicht.“2 Ferner: „Unsere leiblichen Väter hatten wir zu Züchtigern, und erwiesen ihnen Ehrfurcht: sollten wir nicht viel mehr dem Vater der Geister uns unterwerfen, damit wir leben?“ Dem Vater der Geister heißt: „Dem Vater der Gnaden, oder der Gebete, oder der unkörperlichen Mächte.“ Wenn wir so sterben, dann werden wir leben. Schön hat er gesagt: „Jene züchtigten uns für kurze Zeit nach ihrem Gutdünken;“ denn nicht immer frommt uns Das, was uns gutdünkt. Dieser aber züchtigt uns zu unserm Heile.

1: Hebr 10,32
2: Ps 15,2

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger