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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Achtundzwanzigste Homilie.

I.

37. 38. Sie gingen umher in Schafspelzen und Ziegenfellen, Mangel leidend, gedrängt, mißhandelt; ihrer war die Welt nicht werth; sie sind umhergeirrt in Wüsten und Gebirgen, in Höhlen und Klüften der Erde.

Immer zwar, am meisten aber, wenn ich die Thaten der Heiligen zum Gegenstand meiner Betrachtung mache, wandelt es mich an, als sollte ich verzagen in Bezug auf mich selbst, weil wir auch nicht im Traume Das erfahren haben, worin diese ihr ganzes Leben zubrachten, die da nicht für ihre Sünden büßten, sondern innere Gerechtigkeit übten und innere Bedrängnisse litten. Denn betrachte mir den Elias, auf welchen wir heute wieder zu sprechen kommen; denn in Bezug auf ihn sind hier die Worte gesprochen: „Sie gingen umher in Schafspelzen,“ und mit ihm schließt er die Beispiele, was auch sie nahe anging. [S. 410] Und nachdem er von den Aposteln gesagt hatte, daß sie durch das Schwert um’s Leben gekommen, und daß sie gesteiniget werden, kehrt er wieder zu Elias zurück, der mit diesen Gleiches erduldet hatte. Denn da es wahrscheinlich war, daß sie in Bezug auf die Apostel noch nicht eine so hohe Meinung hatten, so entnimmt er von Dem, der da ausgenommen worden war, und in der größten Bewunderung stand, für sie Ermunterung und Trost: „Sie gingen umher“, sagt er, „in Schafspelzen und Ziegenfellen, Mangel leidend, gedrängt, mißhandelt; ihrer war die Welt nicht werth.“ Sie hatten, will er sagen, im Uebermaß der Trübsal weder ein Oberkleid anzuziehen, noch besaßen sie eine Stadt oder ein Haus oder eine Herberge. Dasselbe sagte auch Christus. „Der Sohn des Menschen hat nicht, wo er sein Haupt hinlege.“1 Was rede ich von Herberge? Sie hatten nicht einmal einen Aufenthaltsort; auch da sie die Einsamkeit gewählt hatten, genoßen sie keine Ruhe. Denn er sagt nicht, sie saßen in der Einsamkeit, sondern als sie auch dort verweilten, mußten sie fliehen und wurden von dort vertrieben, nicht nur aus bewohnten Gegenden, sondern auch aus Einöden. Und er ruft ihnen die Orte ins Andenken, wo sie sich aufhielten, und die Dinge, die dort geschahen: „Mangel leidend, gedrängt.“ Euch also, sagt er, haben sie wegen Christus angeklagt, und Dieß haben sie auch dem Elias gethan. Welche Gründe zur Klage hatten sie wohl, als sie ihn vertrieben und verfolgten und mit dem Hunger zu kämpfen zwangen? Solches haben auch Diese damals erduldet, weßhalb er auch an einer andern Stelle sagt, daß die Brüder beschloßen hatten, den bedrängten Jüngern eine Unterstützung zu schicken: „Die Jünger aber beschloßen, daß ein Jeder nach seinem Vermögen Etwas zur Ausspendung sende den Brüdern, die in Judäa wohnten.“2 Mißhandelt, sagt er, d. i. Leiden erduldend, auf Reisen in [S. 411] Gefahren, was auch Diesen widerfuhr: „Sie sind umhergeirrt, in Wüsten und Gebirgen, in Höhlen und Klüften der Erde.“ Er will hier nichts Anderes andeuten, als daß sie umhergingen wie Flüchtlinge und Auswanderer, wie Solche, die der schändlichsten Verbrechen überwiesen, die nicht werth sind, das Antlitz der Sonne zu schauen, und denen nicht einmal in der Wüste eine Zufluchtsstätte gegönnt war, sondern die immer fliehen, immer Schlupfwinkel aufsuchen, lebendig sich selbst in die Erde vergraben und immer in Furcht sein mußten.

39. 40. Und Diese alle, obwohl durch das Zeugniß des Glaubens bewährt, haben die Verheissung nicht erhalten, weil Gott etwas Besseres für uns ausersehen hatte, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.

Was wird nun, sagt er, der Lohn sein für eine solche Hoffnung? Was die Vergeltung? So Großes, daß Worte es nicht ausdrücken können; „denn“, heißt es, „kein Auge hat es gesehen, kein Ohr gehört, und in keines Menschen Herz ist es gekommen, was Gott Denen bereitet hat, die ihn lieben.“3 Allein sie haben den Lohn noch nicht empfangen, sondern sie erwarten ihn noch und sind also in so großer Trübsal gestorben. Jene stehen schon seit so langer Zeit als Sieger da, und sind noch ohne Vergeltung geblieben; ihr aber seid noch jetzt Kämpfer und wollt traurig sein? Bedenket auch ihr, was Das ist und was Großes es ist, daß Abraham und der Apostel Paulus sitzen und warten, bis du hingeschieden bist, damit sie alsdann ihren Lohn empfangen können. Denn der Erlöser hat vorhergesagt, daß er, wenn wir nicht gegenwärtig waren, ihnen denselben nicht geben werde, wie wenn ein zärtlichliebender Vater seinen braven Söhnen, die ihre Arbeit vollbracht haben, sagt, [S. 412] daß sie mit dem Essen warten müßten, bis ihre Brüder kämen. Du aber bist verdrießlich, daß du den Lohn noch nicht erhalten hast? Was soll denn Abel thun, der vor Allen den Sieg davon getragen hat, und noch auf die Krone wartet? Was denn Noe? Was Diejenigen, welche zu jenen Zeiten lebten, da sie auf Dich und Diejenigen, welche nach dir kommen, warten? Siehst du, daß wir vor Jenen im Vortheile stehen? Sehr schön hat er darum gesagt: „Weil Gott etwas Besseres für uns ausersehen hatte.“ Denn damit sie nicht ein besseres Loos zu haben schienen, als wir, wenn sie zuerst gekrönt würden, hat er für Alle eine Zeit der Kronenvertheilung bestimmt, und der vor so vielen Jahren den Sieg gewonnen hat, empfängt mit dir die Siegeskrone. Siehst du seine Sorge? Und er sagt nicht: „damit sie nicht ohne uns gekrönt würden,“ sondern: „damit sie nicht ohne uns vollendet würden“, sodaß sie dann als vollkommen erscheinen. Sie sind uns zuvorgekommen in Bezug auf die Kämpfe. Er hat Jenen kein Unrecht gethan, sondern uns geehrt; denn auch sie warten auf die Brüder. Denn wenn wir Alle Ein Leib sind, so wird diesem Leibe eine größere Freude bereitet, wenn er ganz und gemeinsam, als wenn er nur gliederweise gekrönt wird. Denn die Gerechten sind auch in dieser Beziehung bewunderungswürdig, daß sie sich über den Glückesbesitz der Brüder wie über ihren eigenen freuen, und es entspricht dieß ganz ihrem Wunsche, daß sie mit ihren Gliedern gekrönt werden; denn die gemeinsame Krönung gereicht ihnen zu großem Freudengenusse.

Kap. XII.

1. Daher lasset auch uns, da wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben...

1: Mt 8,20
2: Apg 11,29
3: 1 Kor 2,9

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger