Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Siebenundzwanzigste Homilie.

IV.

Wenn sie hier Solches wirken, wenn sie hier thun, was die Engel vollbringen, was wird dann dort geschehen? Welch großen Glanz werden sie besitzen? Vielleicht machte ein Jeder von euch die Macht haben, der Sonne und dem Monde zu gebieten. Was werden wohl Diejenigen dazu sagen, die da behaupten, der Himmel sei eine Kugel? Warum sagte er nicht: Sonne, bewege dich nicht, sondern setzte hinzu: „Sonne, bewege dich nicht von Gabaon, und Mond nicht vom Thale Aialon (Elom)“, d. h. bewirke einen [S. 404] längern Tag? Dieß geschah auch bei Ezechias; denn die Sonne ging zurück. Aber dieß ist wunderbarer als Jenes, daß sie nämlich einen rückgängigen Weg machte, da sie ihren Rundlauf noch nicht vollendet hatte. Wir aber werden, wenn wir wollen, noch Größeres erlangen. Denn was hat uns Christus versprochen? Nicht, daß wir die Sonne und den Mond zum Stillstande, noch auch, daß wir die Sonne zum Rückgange bestimmen werden, - sondern was? „Wir werden,“ heißt es, „zu ihm kommen, ich und der Vater, und Wohnung bei ihm nehmen.“1 Wozu brauche ich Sonne und Mond und diese Wunder, wenn selbst der Herr vor Allem sich zu mir herablassen und bei mir bleiben will? Dann habe ich Solches nicht nöthig; denn wie bedürfte ich Etwas von Diesem? Er selbst wird mir Sonne und Mond und Licht sein. Denn, sage mir, würdest du, wenn du in einen königlichen Palast kämest, lieber die Macht haben, das, was dort befestigt ist, zu verändern, oder möchtest du es vorziehen, mit dem Könige in so freundlichem Verkehre zu stehen, daß du ihn überreden könntest, zu dir zu kommen? Wäre dir Dieses nicht erwünschter als Jenes? Wie aber? Ist es nicht zu verwundern, wenn ein Mensch so wie Christus gebietet? Aber Christus, sagt man, bittet den Vater nicht, sondern handelt aus eigener Macht. Schön. Sprich also zuerst das Geständniß aus, daß er den Vater nicht bittet, und daß er aus eigener Macht handelt; und dann will ich dich wieder fragen oder vielmehr in Betreff des Gebetes, das er verrichtet, dich belehren, daß es Herablassung und Liebe war (denn Christus war doch nicht geringer, als Jesus Nave), und er konnte uns lehren ohne Gebet. Denn gleichwie du, wenn du einen Lehrer lautieren und die Buchstaben hersagen hörst, nicht sagst, daß er unwissend sei, und wenn er fragt: wo ist dieser Buchstabe? du überzeugt bist, daß er nicht aus Unwissenheit fragt, [S. 405] sondern den Schüler einüben will: so hat auch Christus, nicht weil er des Gebetes bedürfte, dasselbe verrichtet, sondern weil er dich üben wollte, damit du dich beständig mit dem Gebete beschäftigest, du ohne Unterlaß mit nüchternem Geiste, mit großer Wachsamkeit dasselbe verrichtest. Unter Wachen aber verstehe ich nicht allein, daß man des Nachts nicht schlafe, sondern auch, daß man am Tage mit nüchternem Geiste bete; denn ein solcher wird wachsam genannt. Denn es ist möglich, daß Jemand bei Nacht betend schläft und daß er bei Tage nicht betend wacht, wenn sich nämlich die Seele zu Gott erhoben hat, wenn sie bedenkt, mit wem sie spricht, an wen ihre Worte gerichtet sind, wenn sie betrachtet, daß die Engel unter Furcht und Zittern anwesend sind, er selbst aber gähnend und sich reibend hinzutritt. Eine mächtige Waffe ist das Gebet, wenn es mit dem gebührenden Nachdenken verrichtet wird. Und damit du lernst, welche Kraft dasselbe besitze. so bedenke, daß das anhaltende Gebet Schamlosigkeit und Ungerechtigkeit und Grausamkeit und Frechheit überwindet: „Denn höret, heißt es, was der ungerechte Richter sagt.“2 Und ferner besiegt es die Trägheit, und was die Freundschaft nicht vermochte, das brachte die fortgesetzte Bitte zu Stande: „Wenn er auch nicht aufstände, heißt es, und ihm darum gäbe, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines Ungestümes aufstehen, und ihm geben, soviel er nöthig hat.“3 Und die unwürdig war, machte würdig ihr ausdauernder Bitteifer: „Es ist nicht recht“, heißt es, „den Kindern das Brod zu nehmen und es den Hunden vorzuwerfen.“ Sie aber sprach: „Ja Herr, denn auch die Hündlein essen von den Brosamen, die von dem Tische ihres Herrn fallen.“4

1: Joh 14,23
2: Lk 8,6
3: Lk 11,8
4: Mt 15,26.27

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. Neunzehnte Homilie. ...
. Zwanzigste Homilie. ...
. Einundzwanzigste Homil...
. Zweiundzwanzigste Homi...
. Dreiundzwanzigste Homi...
. Vierundzwanzigste Homi...
. Fünfundzwanzigste ...
. Sechsundzwanzigste ...
. Siebenundzwanzigste ...
. . I.
. . II.
. . III.
. . IV.
. . V.
. Achtundzwanzigste Homi...
. Neunundzwanzigste Homi...
. Dreissigste Homilie. ...
. Einunddreissigste Homi...
. Zweiunddreissigste ...
. Dreiundreissigste Homi...
. Vierunddreissigste ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger