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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Siebenundzwanzigste Homilie.

III.

Er macht mit Dem, was sie näher anging, den Schluß: denn das gewährt am meisten Trost, wenn die Trauer aus der gleichen Quelle fließt; sonst aber, wenn sie nicht aus der gleichen Quelle stammt, wirst du Nichts ausrichten, selbst wenn du mit noch so großem Nachdruck sprichst. Deßhalb beschließt er seine Worte damit, daß er von Banden, Gefängnissen, Schlägen spricht, und darauf hindeutet, was Stephanus und Zacharias erfuhren; darum fügt er auch bei: „Durchs Schwert getödtet.“ Was sagst du? Jene entgingen der Schärfe des Schwertes, Diese aber wurden mittelst desselben getödtet? Was ist Das? Was lobst du? Was bewunderst du? Dieses oder Jenes? Dieses und Jenes, sagt er; das Eine, weil es euch angeht, das Andere, weil sich der Glaube selbst im Tode kraftvoll erwies, und ein Vorbild des Zukünftigen ist; denn das sind die zwei großen Wunder des Glaubens, daß er Großes wirkt und Großes duldet und Nichts zu leiden vermeint. Und du kannst nicht behaupten, sagt er, sie seien Sünder und nichtswerthe Menschen gewesen; denn wenn du auch die ganze Welt auf die entgegengesetzte Wagschale legst, so [S. 402] finde ich, daß sie den Wagebalken herunterziehen und ehrenreicher sind. Darum sagt er auch also: „Ihrer war die Welt nicht würdig.“ Was sollten also Diejenigen hienieden empfangen, deren Nichts, was in der Welt ist, würdig war? Hier richtet er ihren Sinn auf und belehrt sie, sich nicht an das Gegenwärtige zu klammern, sondern Größeres zu denken als Alles, was in diesem Leben vorkommt, da ja „die ganze Welt ihrer nicht werth ist.“ Was willst du also hier haben? Denn es ist eine Schmach, wenn du den Lohn hier empfängst. Sinnen wir also nichts Weltliches, suchen wir die Vergeltung nicht hier und seien wir nicht so arm. Denn wenn die ganze Welt ihrer nicht werth war, warum suchst du denn einen Theil? Und mit Recht; denn sie sind Freunde Gottes. Welt nennt er hier die Menge oder die Schöpfung selbst; denn die Schrift weiß Beides so zu bezeichnen. Wenn die ganze Schöpfung, will er sagen, mit ihren Menschen dastände, sie würde mit diesen durchaus nicht denselben Werth haben. Und natürlich; denn gleichwie unzählige Pfund Spreu und Heu nicht einmal zehn der Perlen an Werth gleichkommen, so verhält es sich auch mit Jenen: denn Einer, der den Willen Gottes thut, ist besser, als unzählige Gottlose.“1 Er sagt nicht: viele, sondern unzählige, eine grenzenlose Menge. Bedenke, wie groß ein Gerechter ist! „Es sprach Jesus, der Sohn des Nave (Josue): Sonne, bewege dich nicht von Gabaon, und Mond nicht vom Thale Ajalon (Elom),2 und es geschah.“ Es komme daher der ganze Erdkreis, oder vielmehr zwei oder drei oder vier oder zehn oder zwanzig Erdkreise und sie sollen also sprechen und Solches thun: sie werden es aber nicht können. Der Freund Gottes gebot den Geschöpfen seines Freundes oder vielmehr er hat seinen Freund, und die unter dessen Botmäßigkeit standen, gehorchten, und der sich unten befand, ertheilte den [S. 403] Himmelskörpern seine Befehle. Siehst du, daß sie dienstbar wurden, die da den ihnen vorgeschriebenen Lauf vollenden? Dieß ist größer als Das, was Moses gethan hat. Warum denn? Es steht sich nämlich nicht gleich, dem Meere zu befehlen und den Himmelskörpern; denn groß ist zwar auch Jenes, ja sehr groß, aber doch Diesem nicht gleich. Höre aber auch, wodurch er zu dieser Größe gelangt ist. Wodurch denn? Der Name des Jesus (Josue) war ein Vorbild Christi. Darum also, weil Josue im Vorbilde einen solchen Namen besaß, hatte die Schöpfung selbst vor der Benennung Ehrfurcht. Wie aber? Hat kein Anderer den Namen Jesus gehabt? Aber Dieser wurde zu diesem Zwecke im Vorbilde also genannt; denn er hieß auch Auses. Darum wurde sein Name geändert, denn es lag darin eine Vorhersagung und eine Weissagung. Dieser führte das Volk in die Verheissung, wie Jesus in den Himmel, nicht das Gesetz, so wie auch nicht Moses, denn er kam nicht hinein; denn das Gesetz hat nicht die Kraft, hineinzuführen, sondern die Gnade. Siehst du, daß die Vorbilder von frühe an, vorher aufgezeichnet wurden? Er gebot der Schöpfung, oder vielmehr dem vornehmsten Theile derselben, er, der unten stand, selbst dem Haupte, damit du, wenn du Jesus in Menschengestalt dasselbe sprechen hörst, nicht staunest und kein Befremden habest. Er schlug, auch als Moses noch lebte, die Feinde in die Flucht; er trägt, auch während das Gesetz noch besteht, für Alles Sorge, nur nicht offenbar. Doch sehen wir, wie groß die Tugend der Heiligen ist!

1: Ekkli 16,3
2: Jos 10,12

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger