Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Dreiundzwanzigste Homilie.

I.

7. Durch den Glauben bereitete Noe in heiliger Furcht, nachdem er Offenbarung erhalten über Das, was man noch nicht sah, die Arche zur Rettung seines Hauses; durch denselben verurtheilte er die Welt und ward Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.

„Durch den Glauben,“ heißt es, „nachdem Noe Offenbarung erhalten.“ Wie der Sohn Gottes, da er von seiner Ankunft redet, die Worte gebrauchte: „In den Tagen des Noe nahmen und gaben sie Weiber zur Ehe,“1 so spricht auch Dieser. Treffend ruft er ihnen ein vergleichendes Bild ins Gedächtniß, das sie selber angeht; denn das Beispiel des Henoch war nur ein Muster des Glaubens, das des Noe aber auch eine Veranschaulichung des Unglaubens. Darin aber liegt eine vollkommene Tröstung und Aufmunterung, wenn man findet, [S. 341] daß nicht allein die Treugläubigen Ehre empfangen, sondern auch die Ungläubigen das Gegentheil erfahren. Was besagen die Worte: „Durch den Glauben, nachdem Noe Offenbarung erhalten“? Was ist Das? Es war ihm vorhergesagt worden, will er sagen. Offenbarung aber nennt er die Weissagung; denn auch an einer andern Stelle sagt er: „Es war ihm vom heiligen Geiste geoffenbart worden.“2 Und wieder: „,Was sagte ihm die göttliche Offenbarung?“3 Siehst du die gleiche Ehre des heiligen Geistes? Denn wie Gott, so offenbart auch der heilige Geist. Warum aber hat er so gesprochen? Um zu zeigen, daß die Offenbarung eine Weissagung sei. „Über Das, was man noch nicht sah,“ sagt er, d. i. über den Regen. „In heiliger Furcht bereitete er die Arche.“ Die Vernunft unterstellte ein solches Ereigniß nicht; denn sie nahmen und gaben Weiber zur Ehe; die Luft erschien hell, und es waren keine Anzeichen da, und dennoch fürchtete Noe. Daher auch die Worte: „Durch den Glauben bereitete Noe in heiliger Furcht, nachdem er Offenbarung erhalten über Das, was man noch nicht sah, die Arche zur Rettung seines Hauses.“ Wie denn? „Durch denselben verurtheilte er die Welt.“ Er zeigte, daß Diejenigen, welche nicht einmal durch den Bau zur Erkenntniß kamen, der Züchtigung werth waren.

„Und ward Erbe der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt;“ d. h. dadurch erschien er gerecht, weil er Gott glaubte. Denn Dieß ist das Zeichen einer wirklich Gott ergebenen Seele, und die der Überzeugung lebt, daß Nichts wahrer sei als sein Wort, so wie auch der Unglaube das Gegentheil an den Tag legt. [S. 342] Es ist aber klar, daß der Glaube die Gerechtigkeit wirkt. Denn so wie uns die Offenbarung in Betreff der Hölle zu Theil geworden, so war es auch mit Noe; und doch wurde er damals verlacht und angefeindet und verhöhnt; aber er nahm auf Nichts der Art Rücksicht.

8. 9. Durch den Glauben gehorchte Jener, der Abraham genannt wird, auszuwandern nach dem Orte, den er zum Erbe erhalten sollte, und er wanderte aus, ohne zu wissen, wohin er käme. Durch den Glauben hielt er sich im Lande der Verheißung wie in einem fremden auf, wohnend im Zelte mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.

Denn wen, sage mir, sah er, den er hätte nachahmen können? Sein Vater war Heide und Götzendiener; die Propheten hatte er nicht gehört, und er wußte nicht, wohin er käme. Denn da Diejenigen, welche aus dem Judenthume gläubig geworden, auf Diese hinschauten, als hätten sich dieselben unzähliger Güter zu erfreuen gehabt, so zeigt er, daß noch Keiner Etwas erhalten hatte, daß sie noch nicht in den Besitz der Geschenke gekommen, und daß noch Keinem die Vergeltung zu Theil geworden. Jener verließ sein Vaterland und sein Haus „und wanderte aus, ohne zu wissen, wohin er käme.“ Und wie kann man sich darüber wundern, daß er sich also niederließ, da auch seine Nachkommenschaft das gleiche Loos theilte? Da er nun sah, daß die Verheissung nicht in Erfüllung ging, verzagte er nicht; denn der Herr hatte gesprochen: „Dir und deinem Samen will ich dieses Land geben.“4 Er sah den Sohn dort wohnen; und auch der Enkel fand wiederum, daß er [S. 343] in fremdem Lande wohne, und er blieb standhaft. Denn in Betreff Abrahams kam Das nicht wider Erwarten so, indem sich die Verheißung bei seinen Nachkommen verwirklichen sollte, obgleich auch zu ihm gesagt wurde: „dir und deinem Samen,“ nicht aber: „durch deinen Samen dir“, sondern: „dir und deinem Samen;“ und weder er noch Isaak noch Jakob haben das Verheissene erlangt. Denn Dieser diente für Lohn, Jener aber wurde vertrieben; Der entwich aus Furcht und hatte zwar Glück im Kampfe, würde aber, hätte ihm nicht die Kraft Gottes zur Seite gestanden, großen Schaden erfahren haben. Deßhalb sagt er: „den Miterben derselben Verheissung.“ Nicht er allein, sagt er, sondern auch seine Miterben. Dann fügt er noch etwas Anderes von dem Gesagten in bestimmteren Worten hinzu: „Im Glauben sind Diese alle gestorben und haben das Verheißene nicht empfangen.“5 Hier ist es der Mühe werth, eine zweifache Frage zu stellen: einmal, wie er nach den Worten: „Henoch ist hinweggenommen worden, damit er den Tod nicht sähe, und man fand ihn nicht,“ nun spricht: „Im Glauben sind Diese alle gestorben.“ Und wieder zeigt er, nachdem er ausgesprochen: „sie haben das Verheissene nicht empfangen,“ daß Noe den Lohn zur Rettung seines Hauses empfangen habe, und daß Henoch hinweggenommen worden sei, und daß Abel noch spreche, und daß Abraham das Land erhalten habe, und sagt: „Im Glauben sind Diese alle gestorben und haben das Verheissene nicht empfangen.“ Was will er also sagen? Es ist nothwendig, vorab die erste und dann die zweite Frage zu lösen. „Im Glauben,“ sagt er, „sind sie alle gestorben.“ Das Wort „Alle“ hat er hier gebraucht, nicht weil Alle gestorben sind, sondern weil mit Ausnahme Jenes (Henoch’s) alle Diejenigen gestorben sind, von denen wir wissen, daß sie gestorben sind. Die Worte: „und haben das [S. 344] Verheissene nicht empfangen“ sind wahr, denn Solches war dem Noe nicht verheissen worden.

1: Lk 17,27
2: Lk 2,26
3: Röm 11,4
4: Gen 12,7
5: V. 13

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
Bilder Vorlage

Navigation
. Mehr
. Fünfzehnte Homilie. ...
. Sechzehnte Homilie. ...
. Siebenzehnte Homilie. ...
. Achtzehnte Homilie. ...
. Neunzehnte Homilie. ...
. Zwanzigste Homilie. ...
. Einundzwanzigste Homil...
. Zweiundzwanzigste Homi...
. Dreiundzwanzigste Homi...
. . I.
. . II.
. . III.
. . IV.
. Vierundzwanzigste Homi...
. Fünfundzwanzigste ...
. Sechsundzwanzigste ...
. Siebenundzwanzigste ...
. Achtundzwanzigste Homi...
. Neunundzwanzigste Homi...
. Dreissigste Homilie. ...
. Einunddreissigste Homi...
. Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger