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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Zwanzigste Homilie.

I.

26. 27. Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit erlangt haben, so ist kein Opfer für Sünden mehr übrig; sondern es wartet unser ein schreckliches Gericht und eiferndes Feuer, das die Widerspenstigen verzehren wird.

Alle die Bäume, welche von der Hand des Landmannes gepflanzt und aller sonstiger Sorgfalt theilhaftig wurden, aber die auf sie verwendete Arbeit nicht lohnen, werden mit der Wurzel herausgeschafft und in’s Feuer geworfen. Ähnlich verhält es sich auch in Bezug auf die Erleuchtung (Taufe). Denn wenn unser Leben, da uns Christus gepflanzt hat und wir die geistige Befruchtung empfangen haben, darnach sich unfruchtbar erweist: so erwartet uns das Feuer der Hölle und eine unauslöschliche Flamme. Nachdem sie daher Paulus zur Liebe und zu einem an guten Werken fruchtbaren Wandel ermahnt, und sie dazu im Hinblick auf die größern Vortheile ermuntert hatte, (welche sind aber diese? Daß wir Zutritt haben zum Heiligthume, wohin er [S. 303] selbst uns einen neuen Weg bereitet hat), so thut er Dasselbe wiederum, indem er sich in mehr ernsten Worten ausspricht. Denn nachdem er gesagt hatte: „indem wir nicht verlassen unsere Versammlung, wie Einige die Gewohnheit haben, sondern einander aufmuntern, und Das um so mehr, je mehr ihr sehet, daß der Tag herannahet (worin ein hinreichender Trost liegt): fügt er hinzu: „Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit erlangt haben.“ Nothwendig, will er sagen, sind gute Werke, ja sehr notwendig sind sie: „Denn wenn wir vorsätzlich sündigen, nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit erlangt haben, so ist kein Opfer für Sünden mehr übrig.“ Er will aber damit Folgendes sagen: Du bist rein und frei von Vergehen, du bist Sohn geworden. Wenn du daher zu dem früher Ausgespieenen zurückkehrest, dann wird Verwerfung und Feuer, und was sonst der Art ist, dein Loos sein; denn es gibt kein zweites Opfer. Hier erheben sich wieder Diejenigen gegen uns, welche die Buße aufheben,1 und Alle, welche zögern, zur Taufe zu kommen. Diese sagen, es sei nicht sicher für sie, zur Taufe zukommen, da keine zweite Nachlassung stattfinde; Jene aber, es sei nicht sicher, Diejenigen an den Geheimnissen theilnehmen zu lassen, welche gesündiget haben, da es ja keine zweite Nachlassung gebe. Was werden wir also Beiden antworten? Daß er hier nicht in einer solchen Absicht spricht; daß er also weder die Buße aufhebt noch die durch die Buße bewirkte Versöhnung, noch auch den Gefallenen verstößt und durch Verzweiflung niederschmettert; denn ein solcher Feind unseres Heiles ist er nicht. Sondern was? Daß er die zweite Taufe verwirft. Denn er sagt nicht: es gibt keine Buße mehr; auch nicht: es ist keine Nachlassung mehr, sondern: es ist kein Opfer mehr, d. h. es gibt kein [S. 304] zweites Kreuz; denn dieses nennt er Opfer: „Denn mit einem Opfer,“ sagt er, hat er auf ewig die Geheiligten zur Vollendung gebracht.“2 Es war nicht wie die jüdischen (Opfer), noch fand es oft statt. Denn darum ist über das Opfer so viel hin und her gesprochen worden, daß es Eines und nur Eines sei, weil er nicht Dieses allein zeigen wollte, daß es hiedurch von den jüdischen verschieden sei, sondern um ihnen auch eine größere Gewißheit beizubringen, so daß sie nicht mehr ein anderes Opfer erwarteten, das dem jüdischen Gesetze gemäß wäre: „Denn wenn wir vorsätzlich sündigen,“ sagt er. Siehst du, wie er zum Verzeihen geneigt ist? „Denn wenn wir,“ sagt er, „vorsätzlich sündigen,“ so daß also Denen, die ohne Vorsatz sündigen, Verzeihung zu Theil wird. - „Nachdem wir die Erkenntniß der Wahrheit erlangt haben.“ Entweder meint er die Erkenntniß Christi, oder die aller Heilslehren. „So ist kein Opfer für Sünden mehr übrig.“ Sondern was? „Sondern es wartet unser ein schreckliches Gericht und eiferndes Feuer, das die Widerspenstigen verzehren wird.“ „Widerspenstige“ (Feinde) nennt er nicht nur die Ungläubigen, sondern auch die Tugendfeinde, oder er will sagen, daß dasselbe Feuer ebenso die Hausgenossen wie die Feinde ergreifen wird. Dann hat er, um den verzehrenden Charakter desselben zu verdeutlichen, demselben gleichsam Leben gegeben, indem er sagt: „eiferndes Feuer, das die Widerspenstigen verzehren wird.“ Denn wie ein gereiztes wildes Thier in seiner Wuth und Wildheit nicht ruht, bis es irgend Jemanden erfaßt und verzehrt hat: so läßt auch jenes Feuer, wie wenn Einer von Eifer gespornt wird, Diejenigen, die es ergriffen, nicht fahren, sondern zerreißt und frißt sie. Dann fügt er auch den Grund der Drohung bei, daß nämlich Solches natürlich und gerecht sei. Denn [S. 305] Das trägt zur Überzeugung bei, wenn wir beweisen, daß Etwas auf eine gerechte Weise geschieht.

28. Hat Jemand das Gesetz Mosis übertreten, so muß er ohne Erbarmen auf Zweier oder Dreier Zeugniß hin sterben.

„Ohne Erbarmen,“ sagt er. Dort ist also keine Verzeihung, kein Erbarmen, und doch ist es das Gesetz Mosis; denn Vieles hat er selbst angeordnet. Was heißt Das: „auf Zweier oder Dreier Zeugniß hin“? Wenn Zwei oder Drei Zeugniß ablegen, ist das Urtheil rasch gefällt. Wenn daher im alten Bunde, wo das Gesetz Mosis verletzt wird, eine so große Strafe besteht: um wie viel mehr wird Dieß hier der Fall sein! Darum sagt er auch:

29. Wie viel mehr, meinet ihr, verdient Jener härtere Strafen, welcher den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes für gemein gehalten und den Geist der Gnade Schmach angethan hat?

1: die Novatianer
2: Hebr 10,14

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger