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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Achtzehnte Homilie.

I.

8.-13. Zuerst sagt er: „Schlachtopfer und Speisopfer, Brandopfer und Sündopfer verlangst du nicht und hast kein Wohlgefallen an Dem, was dem Gesetze gemäß dargebracht wird; dann: Ich sprach: siehe, ich komme, zu vollbringen, Gott, deinen Willen!“ Er hebt also das Erste auf, da mit er das Andere festsetze. In diesem Willen sind wir geheiliget durch das Opfer des Leibes Jesu Christi ein für allemal. Jeder Priester nämlich steht täglich da, den heiligen Dienst zu verrichten und dieselben Opfer, welche die Sünden nicht hinwegnehmen können, oft darzubringen. Er aber, nachdem er ein Opfer für die Sünden dargebracht hat, sitzt auf immer zur Rechten Gottes und wartet hinfort, bis seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden.

Im Vorausgehenden zeigt er, daß die Opfer zur vollkommenen Reinigung unnütz, nur ein Vorbild seien und [S. 283] weit zurückstehen. Da ihm nun Dieses entgegentrat: Wenn sie Vorbilder sind, warum haben sie denn, nachdem die Wahrheit gekommen, nicht aufgehört und sind nicht gewichen, sondern dauern noch fort? so sucht er hier eben Dieses zu zeigen, daß sie nicht mehr, ja nicht einmal als Vorbild dargebracht werden; denn Gott mag sie nicht. Und Dieses weist er wiederum nicht aus dem neuen Testamente, sondern aus den Propheten nach, indem er aus der früheren Zeit ein sehr kräftiges Zeugniß anführt, daß sie aufhören und nicht mehr bestehen sollten, und daß sie Alles vergeblich vollbringen und dem heiligen Geiste immerfort widerstreben. Und er weist vollständig nach, daß sie nicht erst jetzt ausgehört haben, sondern gleich bei der Ankunft Christi, ja noch vor derselben, und daß nicht Christus sie endlich aufgelöst habe, sondern daß er alsdann gekommen, nachdem sie vorher ihr Ende gefunden. Denn damit sie nicht sagen könnten: Auch ohne dieses Opfer waren wir im Stande, Gott zu gefallen, wartete er, bis sie durch Jene worfen wurden, und alsdann erschien er: „Denn Schlachtopfer,“ heißt es, „und Speisopfer verlangst du nicht.“ Dadurch hat er Alles aufgehoben, und nachdem er im Allgemeinen gesprochen. sagt er auch im Besonderen: „An Brandopfern und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen.“ „Speisopfer“ aber hieß Alles, was ausser dem Schlachtopfer dargebracht wurde. „Dann: Ich sprach: siehe, ich komme!“ In Bezug auf wen ist Dieß gesprochen? In Bezug auf keinen Andern als auf Christus. Hier erhebt er keine Klage gegen Diejenigen, welche opfern, indem er zeigt, daß sie nicht ihrer Fehler wegen keine Annahme fänden, wie er an einer anderen Stelle sagt, sondern weil die Sache überhaupt abgeschafft sei und sich kraftlos erwies und der Zeit nicht entspreche. Welchen Bezug hat Dieß aber darauf, daß die Opfer oft dargebracht wurden? Aus der oftmaligen Darbringung, will er sagen, sei nicht bloß ersichtlich, daß sie ohnmächtig und nutzlos seien, sondern auch, daß sie, weil ohne Frucht und Nutzen, nicht zu Gott gelangten. Dasselbe sagt er auch [S. 284] an einer anderen Stelle: „Wenn du ein Opfer verlangt hättest, hätte ich es gegeben.“1 Also auch hieraus wird klar, daß er keine will. Also sind die Opfer nicht dem göttlichen Willen gemäß, sondern das Aufhören derselben; also opfern sie nicht nach Gottes Willen. Was heißt Das: „zu vollbringen deinen Willen“? Damit ich mich selbst zum Opfer bringe, will es sagen. Das ist der Wille Gottes. „In diesem Willen sind wir geheiliget.“ Auch hiedurch zeigt er auf eine andere Weise, daß nicht die Opfer den Menschen reinigen, sondern der Wille Gottes. Es ist also das Opfern nicht dem göttlichen Willen gemäß. Und wie wunderst du dich, daß es jetzt nicht dem Willen Gottes entspricht, da es nicht einmal von Anfang an demselben gemäß war? „Denn wer fordert Das,“ heißt es, „von eueren Händen?“2 Warum hat er denn selbst sie angeordnet? Weil er sich zu ihnen herabließ, wie auch Paulus zu thun schont, da er spricht: „Ich wünsche, daß alle Menschen so seien wie ich“3 - in der Enthaltsamkeit; und wieder an einer anderen Stelle mahnt er: „Ich will, daß die jüngeren heirathen, Kinder gebären.“4 Er stellt also zwei Willen hin, aber sie sind nicht beide sein eigen, wenn er auch befiehlt; sondern jener ist sein, weßhalb er auch die Ursache nicht beifügt, dieser aber nicht, weßhalb er auch mit der Begründung ausgesprochen ist. Denn nachdem er sie vorerst angeklagt hatte, daß sie gegen Christus ausgelassen seien, sagt er: „Ich will, daß die jüngeren heirathen, Kinder gebären.“ So läßt er auch hier, sich herablassend, die Sache geschehen; es war nicht sein bestimmender Wille, daß Opfer dargebracht würden. So spricht er auch in Bezug aus den Tod: „Ich will nicht den [S. 285] Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe,“5 und anderswo sagt er, daß er Dieß nicht allein will, sondern auch verlangt; und doch findet sich hier ein Widerspruch; denn das Verlangen ist der ausdrückliche Wille. Wie nun willst du nicht, was du anderswo verlangst? Dieses ist doch ein Zeichen eines entschiedenen Willens. Dasselbe kann man auch hier sagen. „In diesem Willen sind wir geheiliget,“ sagt er. Wie wir geheiliget sind, erklärt er in den folgenden Worten: „Durch das Opfer des Leibes Jesu Christi ein für allemal. Jeder Priester steht nämlich täglich da, den heiligen Dienst zu verrichten und dieselben Opfer darzubringen.“ Das Stehen ist also ein Zeichen des Dienens, das Sitzen aber, daß (Einem) gedient wird. „Er aber, nachdem er Opfer für die Sünden dargebracht hat, sitzt auf immer zur Rechten Gottes und wartet hinfort, bis seine Feinde zum Schemel seiner Fuße gelegt werden.“

14. 15. Denn mit einem Opfer hat er auf ewig die Geheiligten zur Vollendung gebracht. Dieß bezeugt uns aber auch der heilige Geist.

Er sagt, daß jene nicht dargebracht werden. Er schließt Dieß aus Dem, was geschrieben, und was nicht geschrieben steht. Ausserdem führt er das prophetische Wort an: „Opfer und Gaben verlangst du nicht.“ Er führt an, daß er die Sünden nachgelassen habe, und beweist Dieß wieder durch ein geschriebenes Zeugniß. Dieß bezeugt uns aber auch, sagt er, der heilige Geist; denn nachdem er gesagt hat: [S. 286]

16. 17. 18. „Dieß aber ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihre Herzen und in ihren Sinn schreiben und ihrer Sünden und Ungerechtigkeiten nicht mehr gedenken.“ Wenn aber nun diese vergeben sind, so ist weiter kein Opfer mehr übrig für ihre Sünden.

Er hat also die Sünden nachgelassen, als er den Bund gegeben hat; den Bund hat er aber durch das Opfer gegeben. Wenn er daher die Sünden durch ein Opfer nachgelassen hat, ist kein zweites mehr nothwendig. „Er sitzt zur Rechten Gottes und wartet hinfort.“ Und warum dieser Aufschub? Damit seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. „Denn mit einem Opfer,“ sagt er, „hat er auf ewig die Geheiligten zur Vollendung gebracht.“ Aber es könnte vielleicht Jemand sagen: Warum hat er sie nicht sogleich (zu seinen Füßen) gelegt? Der zukünftigen Gläubigen wegen. Woraus erhellt aber, daß sie in der Folge gelegt werden? Aus seinen Worten: „Er sitzt.“ Er hat wieder jenes Zeugniß in’s Gedächtniß gerufen, das da lautet: „Bis er seine Feinde unter seine Füße legt.“ Seine Feinde aber sind die Juden. Dann weil er sagte: „Bis seine Feinde unter seine Füße gelegt werden,“ sie aber sich sehr beeiferten, setzt er all das Folgende, was er immer über den Glauben spricht. Wer sind aber seine Feinde anders als alle Ungläubigen, die Dämonen? Denn die Juden sind es nicht allein. Um aber die Unterwerfung als eine gänzliche anzudeuten, sagt er nicht: unterworfen werden, sondern: unter seine Füße gelegt werden. Gehören wir daher ja nicht zu seinen Feinden! Denn nicht die Ungläubigen und die Juden allein sind seine Feinde, sondern auch Diejenigen, deren Leben ganz unrein ist; denn „die fleischliche Gesinnung ist Feindschaft wider Gott, weil sie sich dem Gesetze Gottes nicht [S. 287] unterwirft; denn sie vermag es nicht.“6 Was also sagt er? Ist Das kein Vergehen? Ganz gewiß; denn der Böse kann, so lange er böse ist, sich nicht unterwerfen, er kann sich aber ändern und gut werden.

1: Ps 50,18
2: Is 1,12
3: 1 Kor 7,7
4: 1 Tim 5,14
5: Ez 18,23
6: Röm 8,7

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger