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Leo der Grosse († 461) - Sämtliche Sermonen (Sermones)
Sermo XXXI-XXXVIII: Acht Predigten am Feste der Erscheinung des Herrn.
Sermo XXXI. 1. Predigt auf Epiphanie.

2.

Die drei Männer folgen also der Führung jenes am Himmel erschienenen Lichtes. Unverwandten Auges begleiten sie das glänzende Gestirn, das ihnen auf dem Wege vorangeht, und gelangen so durch den Strahl der Gnade zur Erkenntnis der Ewigen Wahrheit. Aber nach ihrer menschlichen Anschauung meinten sie, der König, dessen Geburt ihnen durch dieses Zeichen kundgeworden war, sei in der Königsstadt zu suchen. Und doch wählte jener, der Knechtsgestalt angenommen hatte, der gekommen war, um sich richten zu lassen, nicht nur zu richten1 , für seine Geburt Bethlehem aus und Jerusalem für sein Leiden. Als aber Herodes vernahm, daß der Fürst der Juden geboren sei, geriet er in furchtbare Bestürzung, da er in ihm einen Nachfolger vermutete. Er sann darauf, den Erlöser zu morden, und gelobte doch heuchlerisch fromme Verehrung. Wie glücklich wäre er, wenn er sich den Glauben der Magier zum Vorbild nähme, wenn er sich für den Dienst Gottes zunutze machte, was er zur Täuschung gebot2 . Wie blind ist doch die Gottlosigkeit törichter Eifersucht! Du wähnst, durch deine Grausamkeit den Ratschluß des Himmels durchkreuzen zu können. Der Herr der Welt, der uns ein ewiges Reich beschert, sucht kein irdisches3 . Wie kannst du es wagen, die unabänderliche Ordnung der festgesetzten Begebenheiten umzustoßen und selbst die Freveltat zu begehen, die anderen vorbehalten war? Der Tod Christi fällt nicht in deine Zeit. Zuerst muß noch das Evangelium gepredigt, zuerst noch das Reich Gottes verkündet werden. Zuvor müssen Kranke ihre Gesundheit wiedererlangen, zuvor noch Wundertaten vollbracht sein. Warum willst du, daß dir zur Last fällt, was andere vollenden sollen? Warum stürzest du dich durch dein Wollen allein schon in verbrecherische Schuld, obwohl du doch mit verruchten Plan nichts ausrichten wirst? Dein Anschlag nützt dir nichts und bringt dir keinen Erfolg. Er, der geboren wurde, wie e r wollte, wird auch durch die Macht seines eigenen Willens sterben. Die Magier erreichen also ihr heißersehntes Ziel. Unter der Führung des alten Sternes finden sie das Kind4 , unseren Herrn Jesus Christus. Im Fleische beten sie das Wort an, im Kinde die Weisheit, in der Schwäche die Kraft und in der wahrhaft menschlichen Natur den Herrn der Herrlichkeit. Um aber ihrem wunderbaren Glauben, ihrer wunderbaren Erkenntnis auch offen Ausdruck zu verleihen, bezeugen sie durch Geschenke, was sie im Herzen für wahr halten. Weihrauch bringen sie Gott, Myrrhe dem Menschen und Gold dem Könige als Opfergabe dar5 , indem sie voll tiefer Einsicht eine göttliche und eine menschliche Natur in ein und derselben Person verehren. War doch durch diese Einheit das jeder Wesenheit Eigentümliche hinsichtlich königlicher Würde6 nicht verschieden.

1: vgl .Joh 12,47
2: vgl. Mt 2,8
3: vgl. Joh 18,36
4: vgl .Mt 2,9.ff.
5: Mt 2,11
6: in potestate

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger