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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Siebenzehnte Homilie.

I.

24. 25. 26. Denn nicht in das von Menschenhänden gemachte Heiligthum, welches ein Vorbild des wahren gewesen, ist Jesus eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesichte Gottes für uns zu erscheinen; und nicht, um oft sich selbst zu opfern, wie der Hohepriester jedes Jahr in das Allerheiligste eingeht mit fremdem Blute; denn dann hatte er oft leiden müssen vom Anbeginne der Welt; sondern jetzt ist er ein Mal am Ende der Zeit zur Hinwegnahme der Sünde durch sein Opfer erschienen.

Großes bildeten sich die Juden auf den Tempel und das Zelt ein; darum sagten sie: „Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn.“1 Denn nirgends fand sich ein [S. 269] solcher Tempel aufgeführt, weder in Bezug auf Pracht und Schönheit noch in irgend einer andern Hinsicht. Denn Gott, der den Bau angeordnet hatte, befahl, daß er mit vielem Aufwande ausgeführt werde, weil auch Jene durch Körperliches mehr angezogen und gewonnen wurden. Denn die Wände waren mit Gold überzogen, was ein Jeder, der da will, im zweiten Buche der Könige und bei Ezechiel lesen kann, sowie auch die Zahl der Talente Goldes, die damals verbraucht wurden. Der zweite Bau aber war glänzender, sowohl was Schönheit, als auch was alles Andere betrifft. Und nicht allein dadurch war er ehrwürdig, sondern auch weil er einzig und allein dastand und Alle durch seine Schönheit anzog; denn von den äussersten Grenzen der Erde kam man dorthin, sowohl von Babylon als aus Äthiopien. Dieß zeigt auch Lukas in der Apostelgeschichte an mit den Worten: „Es waren aber dort wohnhaft Parther und Meder und Elamiten und Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadocien, Pontus und Asien, von Phrygien und Pamphilien, Ägypten und von den Gegenden Lybiens bei Cyrene.“2 Die Bewohner des ganzen Erdkreises also waren dorthin zusammengekommen, und groß war der Name des Tempels. Was thut nun Paulus? Wie bei den Opfern, so macht er es auch hier; denn wie er dort (den Opfern) den Tod Christi gegenüber stellte, so stellt er auch hier den ganzen Himmel dem Tempel gegenüber. Er zeigt aber nicht dadurch allein die Verschiedenheit, sondern auch dadurch, daß er darthut, daß der Priester Gott näher stehe; denn er sagt: „um vor dem Angesichte Gottes zu erscheinen; so macht er also nicht nur durch den Himmel, sondern auch durch das Eingehen die Sache ehrwürdig. Denn er sieht nicht lediglich, wie hier, durch Vorbilder, sondern dort sieht er Gott selbst. [S. 270] Siehst du, wie er allenthalben, um sich herabzulassen, Niedriges sagt? Was wunderst du dich aber, daß er als Mittler auftritt, da er ihn als Hohenpriester darstellt? „Und nicht, um oft sich selbst zu opfern, wie der Hohepriester jedes Jahr in das Allerheiligste eingeht mit fremdem Blute. Denn nicht in das von Menschenhänden gemachte Heiligthum, welches ein Vorbild des wahren gewesen, ist Jesus eingegangen.“ Also hier ist Wahrheit, dort aber sind Vorbilder; denn der Tempel war so gebaut wie der Himmel des Himmels. Was sagst du? Wenn er nicht in den Himmel eingegangen wäre, so erschiene er nicht, er, der überall zugegen ist und Alles erfüllt? Siehst du, daß sich Dieß alles aus die Menschheit bezieht? „Um,“ sagt er, „vor dem Angesichte Gottes für uns zu erscheinen.“ Was heißt Das? „für uns“? Er ist aufgestiegen, will er sagen, mit einem Opfer, das im Stande ist, uns mit dem Vater zu versöhnen. Warum aber, sage mir? War er denn feindlich? Die Engel waren es, er selbst war es nicht. Denn daß die Engel feindlich waren, erschließe aus seinen Worten: „Daß durch ihn Alles mit ihm versöhnt werde, sowohl was auf der Erde als im Himmel ist.“3 Ganz richtig sagt er also: „Er ist in den Himmel eingegangen, um jetzt vor dem Angesichte Gottes für uns zu erscheinen.“ Jetzt erscheint er, aber für uns. „Und nicht, um oft sich selbst zu opfern, wie der Hohepriester jedes Jahr in das Allerheiligste eingeht mit fremdem Blute.“ Siehst du, wie viele Verschiedenheiten obwalten? Statt oft, einmal; statt mit fremdem Blute, mit dem eigenen. Ein großer Unterschied! Er selbst also ist das Opfer und der Priester. „Denn dann hätte er oft leiden [S. 271] müssen vom Anbeginne der Welt.“ Hier spricht er einen Lehrsatz aus und sagt: Wenn er wiederholt opfern mußte, so mußte er auch oft gekreuziget werden. „Jetzt aber ein Mal am Ende der Zeiten.“ Warum „am Ende der Zeiten“? Nach den vielen Sünden. Denn wenn es am Anfang geschehen wäre, darnach aber Niemand geglaubt hätte, so wäre das Erlösungswerk ohne Nutzen gewesen; denn Christus mußte nicht zum zweiten Mal sterben, so daß auch so sein Zweck erreicht worden wäre; da aber später die Sünden zahlreich waren, erschien er natürlich damals. Dasselbe sagt er auch an einer anderen Stelle: „Als aber die Sünde überschwänglich war, wurde die Gnade noch überschwänglicher.“4 „Jetzt aber,“ sagt er, „ist er ein Mal am Ende der Zeit zur Hinwegnahme der Sünde durch sein Opfer erschienen.“

27. Und wie es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, woraus das Gericht folgt.

1: Jer 7,3
2: Apg 2,5.9
3: Kol 1,20
4: Röm 5,20

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger