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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Siebenzehnte Homilie.

V.

Damit du aber nicht einmal diesen Vorwand habest, darum ruft der Priester mit gewaltiger Stimme, mit schauerlichem Klange, wie ein Herold, die Hand in die Höhe haltend und hoch stehend und Allen sichtbar, bei jener ergreifenden Stille weithin vernehmbar, Diese herbei, Jene aber hält er zurück und thut Dieß nicht mit der Hand, sondern mit der Stimme, die durchdringender als die Hand ist. Denn jene Stimme, die da in unseren Ohren klingt, stößt wie eine Hand Jene zurück und drängt sie weg. Diese aber führt sie herbei und stellt sie auf. Sage mir, ich bitte, steht nicht bei den olympischen Wettkämpfen der Herold da, welcher mit gewaltiger und lauter Stimme ruft und spricht: Klagt Diesen etwa Jemand an? Ist er ein Sklave, ein Dieb, ein schlechter Mensch? Und doch sind diese Kämpfe keine solche, welche die Seele oder die guten Sitten, sondern nur die Leibesstärke und den Körper betreffen. Wenn nun da, wo eine Körperübung vorkommt, eine große Übung des Charakters stattfindet, um wie viel mehr hier, wo den ganzen Kampf die Seele kämpft? Es steht also auch bei uns der Herold da, hält aber Niemanden am Kopfe und führt Keinen herbei, faßt aber Alle zugleich innerlich am Kopfe; er stellt für sie keine fremden Ankläger auf, sondern einen Jeden für sich selbst; denn er sagt nicht: Klagt etwa Jemand Diesen an? sondern was? Hat Jemand sich selbst anzuklagen? Denn da er spricht: „Das Heilige den Heiligen!“ sagt er Dieß: Wenn Einer nicht heilig ist, trete er nicht hinzu! Er sagt nicht bloß: rein von Sünden, sondern: heilig; denn heilig macht nicht die Befreiung von Sünden allein, sondern auch die Gegenwart des heiligen Geistes und der Reichthum an guten Werken. Ich will nicht allein, sagt er, daß ihr von Unrath frei seid, sondern ihr sollt auch weiß und glänzend sein. Denn wenn der babylonische König, als er sich die Jünglinge aus der Gefangenschaft auswählte, die durch Gesichtsbildung und [S. 280] Aussehen schönen und blühenden heraussuchte, so müssen noch vielmehr wir, die wir am königlichen Tische stehen, durch Seelenschönheit glänzen, indem wir einen goldenen Schmuck, ein reines Gewand, königliche Sandalen, ein schön gestaltetes Seelenantlitz und eine Seele besitzen, welche mit goldenen Zierden und dem Gürtel der Wahrheit umkleidet ist. Wer so beschaffen ist, der trete hinzu und berühre den königlichen Becher! Wollte sich aber Jemand in Lumpen gehüllt, kothig und schmutzig dem königlichen Tische nahen, betrachte, was ihm widerfahren würde, indem nicht vierzig Tage genügen, die Sünden wegzuwaschen, die in der ganzen Zeit begangen worden sind! Denn wenn die Hölle nicht zureicht, wiewohl die ewig ist, - denn darum ist sie auch ewig, - um wie viel mehr diese kurze Zeit! Denn wir haben keine starke, sondern eine schwache Buße übernommen. Die Beschnittenen müssen aber ganz besonders beim Könige sein. Ich sage: die Beschnittenen, die da eine lautere Erkenntniß besitzen und frei sind von Schmutz und Flecken, die erhabenen Geistes sind, deren Seelenauge mild und scharf, wohlgewandt und lebhaft, nicht schläfrig und faul, in der Fülle der Freiheit, fern von Unverschämtheit und Keckheit, wachsam, gesund, nicht gar traurig und niedergeschlagen noch ausgelassen und flatterhaft ist. Dieses Auge uns zu bilden und es scharfsehend und schön zu machen, steht in unserer Macht. Denn wenn wir dasselbe nicht gegen den Rauch und die Asche wenden (Das sind alle menschlichen Dinge), sondern gegen die freie Luft und den leichten Hauch derselben, zu Dem, was hoch und erhaben, was voll von großer Reinheit und reichem Genusse ist: so erfreuen wir dasselbe und stärken es, das an solchem Anblicke sich ergötzt. Siehst du Habsucht und Jemanden, der großen Reichthum besitzt? Richte dein Auge nicht darauf hin; die Sache ist Koth und Rauch und böser Dunst, Finsterniß und arge Bedrängniß und erstickende Sorge. Siehst du einen Menschen, der Gerechtigkeit übt, sich mit dem Seinigen begnügt und einen weiten Raum zur Erholung hat und in Betreff der Dinge hienieden frei ist von Sorge und Angst? [S. 281] Dorthin wende und erhebe es, und du wirst es viel glänzender und schöner machen und es nicht mit Blumen der Erde ergötzen, sondern mit denen der Tugend, mit Mäßigkeit, Bescheidenheit und allen anderen; denn Nichts verwirrt so das Auge wie ein böses Gewissen. „Denn verdunkelt ist,“ heißt es, „vom Grimme mein Auge.“1 Nichts verfinstert es so. Von diesem Schaden befreie es, und du wirst es hell und kräftig machen und es mit guten Hoffnungen nähren! Möchten wir alle sowohl dieses (Auge) als alle anderen Werke der Seele erlangen, welche Christus verlangt, damit wir, nachdem wir unser Haupt niedergelegt, würdig werden, dorthin zu gehen, wohin er will; denn er sagt: „Ich will, daß, wo ich bin, auch Die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen,“2 welche uns allen zu Theil werden möge in Christus Jesus, unserm Herrn, mit welchem dem Vater und dem heiligen Geiste sei Ruhm, Macht und Ehre jetzt und alle Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. [S. 282]

1: Ps 6,8
2: Joh 17,24

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger