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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Siebenzehnte Homilie.

IV.

Allein da ich dieses Opfers Erwähnung gethan, will ich einige wenige Worte an euch, die ihr eingeweiht seid, sprechen, wenige zwar dem Wortmaaße nach, die aber große Kraft und großen Nutzen haben; denn es sind nicht meine, sondern des heiligen Geistes Worte. Was ist es nun? Viele nehmen an diesem Opfer ein Mal im ganzen Jahre, Andere zwei Mal, Andere aber oftmals Theil. Meine [S. 277] Worte sind daher an Alle gerichtet, nicht nur an die hier anwesenden, sondern auch an Diejenigen, welche sich in der Wüste aufhalten; denn Diese sind ein Mal im Jahre Theilhaber, oft aber erst nach zwei Jahren. Wie nun? Welche werden wir hochschätzen? Die ein Mal, die oft, oder die selten kommen? Weder Die, welche ein Mal, noch Die, welche oft, noch Solche, welche selten, sondern Diejenigen, welche mit einem reinen Gewissen, mit einem makellosen Herzen, mit einem tadelfreien Leben Theil nehmen. Die so beschaffen sind, sollen immer hinzutreten, welche Das nicht sind, auch nicht einmal. Warum? Weil sie sich selbst das Gericht, die Verdammung und Strafe bereiten. Und kein Wunder; denn wie die Speise, welche von Natur aus nahrhaft, wenn sie in einen kranken Magen kommt, Alles verdirbt und zu Grunde richtet und die Ursache einer Krankheit wird, so verhält es sich auch mit diesen schrecklichen Geheimnissen. Du speisest an einem geistigen Tische, an einer königlichen Tafel, und du beschmutzest deinen Mund wieder mit Koth? Du salbst dich mit wohlriechender Salbe und füllest dich wieder mit Gestank an? Sag’ an, ich bitte: nach einem Jahre wirst du des Genusses theilhaftig, glaubst du, daß vierzig Tage genügen, um dich für die ganze Zeit von deinen Sünden zu reinigen? Und sobald eine Woche verflossen ist, ergibst du dich wieder dem früheren Leben? Sage mir, wenn du, während vierzig Tagen von einer schweren Krankheit genesen, dich wieder den früheren Speisen, welche die Krankheit erzeugt haben, ergeben wolltest, würdest du dann nicht die ganze frühere Arbeit vernichten? Das ist offenbar. Denn wenn sich die natürlichen Dinge ändern, so geschieht Das um so mehr bei denjenigen, welche vom freien Entschluß abhängig sind. So z. B. sehen wir von Natur und haben gemäß der natürlichen Beschaffenheit gesunde Augen; aber oft empfängt unsere Sehkraft durch einen bösen Umstand einen Schaden. Wenn daher die natürlichen Dinge veränderlich sind, um wie viel mehr die Zustände, welche vom freien Willen abhängig sind? Vierzig Tage widmest du der [S. 278] Gesundheit der Seele, vielleicht auch nicht einmal vierzig, und du glaubst, Gott versöhnet zu haben? Du scherzest, o Mensch! Dieses sage ich nicht, um euch von dem einmaligen und alljährlichen Zutritte abzuhalten, sondern ich wünsche vielmehr, daß ihr euch dem Heiligen fortwährend nahet. Darum ruft auch der Priester1 und gebraucht dabei den Namen Heilige und will durch diesen Zuruf Alle in eine Prüfung einführen, damit Niemand unvorbereitet hinzutrete. Denn wie in einer Heerde, wo viele Schafe gesund, viele aber von der Räude befallen sind, diese letzteren nothwendig von den gesunden geschieden werden müssen, so verhält es sich auch in der Kirche, indem ein Theil der Schafe gesund, ein Theil aber krank ist, und der umhergehende Priester durch solchen Ruf diese von jenen trennt und durch diesen schauerlichen Zuruf die Heiligen einladet und anzieht. Denn da es nicht möglich ist, daß er als Mensch die Zustände des Nächsten wisse, - „denn welcher Mensch weiß,“ heißt es, „was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm selbst ist?“2 - so läßt er, nachdem das Opfer vollendet ist, diese Stimme hören, damit Niemand unüberlegt und ohne Vorbereitung zu dieser geistigen Quelle herbeikomme. Denn wie wir bei einer Heerde (denn Nichts steht im Wege, dasselbe Beispiel nochmals zu gebrauchen) die krankhaften (Schafe) in den inneren Raum einschließen und im Dunkeln zurückbehalten und ihnen andere Nahrung reichen und sie weder reine Luft noch frische Kräuter genießen, noch von der Quelle, die draussen ist, trinken lassen: so ist daher auch hier diese Stimme wie eine hemmende Fessel. Du kannst nicht sagen: Ich habe nicht gewußt, ich habe nicht eingesehen, daß dieser Sache Gefahr folge; am meisten widerlegt Dieß Paulus. Aber du sagst: Ich habe es nicht gelesen. Das ist keine [S. 279] Entschuldigung, sondern eine Anklage: du gehst jeden Tag in die Kirche, und du weißt Das noch nicht?

1: In anderen Ausgaben steht διάϰονος statt ίερεύς, gemeint ist der Ruf vor der Communion: „Das Heilige den Heiligen“
2: 1 Kor 2,11

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger