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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Siebenzehnte Homilie.

III.

Denn warum sollten, sage mir, viele nothwendig sein, da eines genügt? Daß viele waren und daß sie fortwährend dargebracht wurden, beweist, daß sie niemals reinigten. Denn wie ein Heilmittel, wenn es kräftig ist und gesund macht und im Stande ist, die ganze Krankheit zu vertreiben, ein Mal angewendet das Ganze wirkt, seine Kraft dadurch zeigt, daß es nicht mehr angewendet wird; wenn es aber immer gebraucht wird, dadurch bekundet, daß es kraftlos ist, - denn darin liegt der Werth des Heilmittels, [S. 275] daß es ein Mal und nicht oft angewendet wird -: so verhält es sich auch hier. Warum werden denn dieselben Opfer immerfort dargebracht? Denn wäre man von allen Sünden befreit, so würden die Opfer nicht Tag für Tag dargebracht werden; sie waren ja bestimmt, daß sie immer, sowohl bei Tag als bei Nacht, für das ganze Volk dargebracht werden sollten. So war Dasjenige, was geschah, eine Sündenanklage und nicht eine Sündentilgung, eine Anklage der Schwäche und kein Zeichen der Kraft; denn da das erste (Opfer) Nichts vermochte, wurde das zweite dargebracht; und da dieses Nichts ausrichtete, wieder ein anderes, so daß es eine Überführung (ἔλεγχος) von den Sünden war. Daß nun geopfert wird, überführt von den Sünden, daß immer geopfert wird, von der Schwäche. Bei Christus findet sich das Gegentheil; ein Mal wurde er geopfert, und es war für immer genug. Und schön hat er jene Opfer Vorbilder genannt; denn es ist nur ein Bild da, aber keineswegs die Kraft, sowie auch bei den Gemälden das Bild die Figur des Menschen, aber nicht die Kraft hat, so daß die Wirklichkeit und die Figur miteinander Ähnlichkeit haben; denn die Figur ist gleich, die Kraft aber nimmermehr. So war es auch bei dem Himmel und dem Zelte; denn die Figur war gleich, denn sie war heilig, die Kraft aber und das Andere waren nicht Dasselbe. Was besagen die Worte: „Er ist zur Hinwegschaffung der Sünde durch sein Opfer erschienen“? Was heißt Das: „Hinwegschaffung“? Das bedeutet Verachtung; denn die Sünde hat keine Erwartung mehr; denn sie ist verworfen. Wie denn? Die Sünde sollte Strafe empfangen und empfing sie nicht, d. h. sie hat Gewalt erlitten; als sie Alle zu vernichten hoffte, ward sie selbst vernichtet.

„Er ist durch sein Opfer erschienen,“ d. h. er ist Gott offenbar geworden und zu ihm gekommen. Wolle nun, da der Priester Dieß oft im Jahre thut, nicht der Meinung sein, daß Dieß einfach und nicht der Schwäche wegen geschieht. Wenn nicht der Ohnmacht wegen, warum geschieht [S. 276] es denn? Wenn keine Wunden mehr da sind, braucht man auch keine Heilmittel mehr. Darum befahl er, sagt er, immer zu opfern wegen der Schwäche, und um die Sünden in Erinnerung zu bringen. Wie aber? Opfern nicht auch wir jeden Tag? Wohl opfern wir, aber wir begehen das Andenken an seinen Tod, und es ist ein Opfer, und es sind nicht viele. Wie denn eines und nicht viele? Weil es ein Mal dargebracht wurde wie jenes, das in’s Allerheiligste einging. Von dem aber ist dieses das Abbild und von diesem jenes; denn wir opfern immer denselben, und nicht jetzt ein anderes Schaf und morgen wieder ein anderes, sondern immer dasselbe, so daß das Opfer eines ist. Sind daher auf diese Weise, weil überall geopfert wird, auch viele Christus? Durchaus nicht, sondern Christus ist nur einer und ist hier vollständig und dort vollständig, ein Leib. Wie also Derjenige, welcher geopfert wird, überall ein Leib ist und nicht viele Leiber, so ist auch ein Opfer. Unser Hoherpriester ist Jener, der das Opfern welches uns reinigt, dargebracht hat. Jenes, welches damals dargebracht wurde, bringen auch wir jetzt dar, und dieses ist unerschöpflich. Dieses geschieht zum Andenken daran, was damals geschah. „Denn Das thut,“ sagt er, „zu meinem Andenken!“1 Kein anderes Opfer, als welches der Hohepriester damals opferte, sondern dasselbe opfern wir immer, oder vielmehr, wir begehen das Andenken des Opfers.

1: Lk 22,19

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger