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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Siebenzehnte Homilie.

II.

Nachdem er gezeigt hat, daß Jener nicht oft habe sterben müssen, zeigt er jetzt, warum er ein Mal gestorben sei, weil er nämlich eines Todes Lösegeld geworden sei. „Es war,“ sagt er, „den Menschen bestimmt, ein Mal zu sterben.“ Dieses also: „Er ist ein Mal gestorben“ gilt für alle Menschen. Wie aber? Sterben wir nicht mehr jenes Todes? Wohl sterben wir, aber wir verbleiben nicht im Tode, was nicht einmal ein Sterben genannt werden kann; denn Tyrannei des Todes und Tod in Wirklichkeit bestehen nur dann, wenn es dem [S. 272] Gestorbenen nicht mehr vergönnt ist, in’s Leben zurückzukommen; wenn er aber nach dem Tode lebt, und zwar ein besseres Leben, so ist das kein Tod, sondern nur ein Schlaf. Da nun der Tod Alle behalten sollte, so ist er deßhalb gestorben, damit er uns befreie.

28. So ward auch Christus ein Mal geopfert.

Von wem ward er geopfert? Offenbar hat er sich selbst geopfert. Hier zeigt er ihn nicht nur als Priester, sondern auch als Opfer. Dann gibt er die Ursache an, warum er geopfert worden. „Ein Mal,“ sagt er, „ward auch Christus geopfert, um vieler Menschen Sünden wegzunehmen.“ Warum sagt er „Vieler“ und nicht Aller? Weil nicht Alle geglaubt haben. Denn er ist zwar für Alle gestorben, um seines Theils Alle zu retten; denn jener Tod sollte dem Untergange Aller das Gleichgewicht halten; er hat aber die Sünden nicht Aller hinweggenommen, weil sie selber nicht wollten. Was besagen aber die Worte: „die Sünden wegzunehmen“? Wie wir auch bei dem Opfer, das wir darbringen, unsere Sünden mit den Worten vortragen: mögen wir mit oder ohne Willen gesündiget haben, so verzeihe uns, d. h. wir gedenken zuerst derselben und dann bitten wir um Verzeihung: so verhält es sich auch hier. Wo hat Christus Das gethan? Höre ihn selbst reden: „Und ich heilige mich selbst für sie.“1 Siehe, er hob die Sünden auf, er nahm sie von den Menschen weg und [S. 273] brachte sie dem Vater dar, nicht damit er Etwas gegen sie beschließe, sondern damit er Verzeihung angedeihen lasse. „Zum zweiten Male wird er ohne Sünde zum Heile Denen erscheinen, die ihn erwarten.“ Was ist Das: „ohne Sünde“? Nicht um die Sünden wegzunehmen, noch auch wegen der Sünden wird er zum zweiten Mal kommen, um wieder zu sterben; denn auch nicht, da er ein Mal starb, starb er, weil er sterben mußte. Wie wird er erscheinen? Strafend, will er sagen. Aber Dieß sagt er nicht, sondern die angenehmen Worte: „Ohne Sünde wird er Denen zum Heile erscheinen, die ihn erwarten,“ so daß sie nicht weiter des Opfers bedürfen, um zum Heile zu gelangen, sondern Dieß aus den Werken geschieht.

Kap. X.

1. Denn da das Gesetz den Schatten der zukünftigen Güter hat, nicht das Bild der Dinge selbst,

d. h. nicht die Wahrheit selbst. Denn bis Jemand am Gemälde die Farben aufgetragen hat, ist ein gewisser Schatten(riß) da; hat er aber den Grundton eingestrichen und die Farben angebracht, alsdann entsteht das Bild. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Gesetze. „Denn da das Gesetz,“ sagt er, „den Schatten der zukünftigen Güter hat, nicht das Bild der Dinge selbst,“ d. i. des Opfers, der Verzeihung, „so kann es alljährlich durch dieselben Opfer, welche man unaufhörlich darbringt, nimmermehr die Opfernden zur Vollkommenheit bringen.“ [S. 274]

2. - 9. Sonst würden sie aufgehört haben, dargebracht zu werden, weil die Opfernden kein Bewußtsein der Sünde mehr gehabt hätten, wenn sie einmal gereiniget worden. Sie sind zur alljährlichen Erinnerung an die Sünden; denn es ist unmöglich, daß durch Blut von Stieren und Böcken Sünden getilgt werden. Darum spricht er bei seinem Eintritte in die Welt: „Schlachtopfer und Speiseopfer verlangst du nicht, einen Leib aber hast du mir zubereitet. An Brandopfern und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen. Da sprach ich: Siehe, ich komme (im Anfange des Buches steht von mir geschrieben), zu vollbringen, Gott, deinen Willen.“ Zuerst sagt er: Schlachtopfer und Speiseopfer, Brandopfer und Sündopfer verlangst du nicht und hast kein Wohlgefallen an Dem, was dem Gesetze gemäß dargebracht wird; dann: Ich sprach: siehe, ich komme, zu vollbringen, Gott, deinen Willen. Er hebt also das Erste auf, damit er das Andere festsetze.

Siehst du wiederum die Fülle? Eines, sagt er, ist dieses Opfer, jene aber sind viele, deßhalb aber sind sie auch nicht kräftig, weil sie viele sind.

1: Joh 17,19

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger