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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Sechzehnte Homilie.

IV.

Siehst du, wie die über Alles hineilende Betrachtung ihn nicht allein über die erschaffenen Dinge erhob, sondern auch über diesen Himmel und über alle etwaigen andern? Siehst du die Höhe der Erkenntniß? Siehst du, was aus dem Zeltmacher, als er wollte, geworden, aus ihm, der sein ganzes Leben in öffentlichen Geschäften zugebracht hatte? Denn es gibt gar kein Hinderniß, das wir nicht Alle übersteigen können, wenn wir nur wollen. Denn wenn wir in den Künsten, welche dem großen Haufen unzugänglich sind, zu so hoher Vollendung gelangen, so wird Dieß noch viel mehr in den Dingen der Fall sein, welche keine solche Anstrengung erheischen. Denn sage mir, was ist härter und schwieriger, als auf einem ausgespannten Seile wie auf ebener Erde zu gehen und einherschreitend sich anzuziehen und auszukleiden, als säße man auf dem Bette? Scheint uns die Sache nicht so schrecklich zu sein, daß wir nicht einmal hinschauen wollen, sondern schon beim bloßen Anblicke fürchten und zittern? Was ist aber, sag’ an, mühsamer und schwieriger, als eine Stange auf’s Angesicht stellen, so daß ein daraufsitzender Knabe tausenderlei Spiele macht und die Zuschauer ergötzt? Was ist schwerer, als zwischen Schwertern Ball zu spielen? Was schwieriger, als die Tiefe des Meeres zu erforschen? Und so könnte man noch unzählige andere Künste nennen; aber leichter als alle diese ist die Tugend und das Aufsteigen zum Himmel, wenn wir nur wollen; ja, wir brauchen [S. 266] nur zu wollen, und Alles wird folgen. Denn man darf nicht sagen: ich kann nicht; Das hieße den Schöpfer anklagen; denn wenn er uns ohnmächtig erschaffen hat und dann Pflichten auferlegt, so liegt darin eine Anklage gegen ihn. Wie kommt es nun, sagt man, daß Viele ohnmächtig sind? Weil es am Wollen fehlt. Warum aber wollen sie nicht? Aus Fahrlässigkeit; denn wenn sie guten Willen hätten, vermöchten sie Alles. Darum sagt auch Paulus: „Ich wünschte, daß ihr alle wäret wie ich,“1 weil er wußte, daß Alle sein könnten wie er; denn wenn Das eine Unmöglichkeit wäre, würde er nicht so gesprochen haben. Willst du tugendhaft werden? Fang nur damit an? Denn sage mir, beschränken wir uns bei allen Künsten, wenn wir darin Etwas leisten wollen, auf’s Wünschen, oder legen wir auch Hand an’s Werk? So will z. B. Jemand ein Steuermann werden; er sagt nicht: Ich will, und begnügt sich damit, sondern legt auch Hand an’s Werk. Jemand will ein Kaufmann werden; er sagt nicht bloß: Ich will, sondern er greift auch die Sache thätig an. Wiederum, es will Jemand verreisen; er sagt nicht: Ich will, sondern schickt sich auch dazu an. Also genügt bei allen Dingen das alleinige Wollen nicht, sondern es muß auch die Ausführung hinzukommen; du aber, der du in den Himmel hinaufsteigen willst, sprichst: Ich will nur. Wie sagtest du aber, heißt es, daß das Wollen genüge? Das Wollen mit den Werken, indem man die Sache thatkräftig angreift; denn wir haben Gott zum Mithelfer, der uns beisteht. Wenn wir nur zum Entschlusse kommen, nur wirklich zum Handeln gelangen, nur Sorgfalt anwenden, nur unseren Sinn darauf richten, dann folgt Alles von selbst. Wenn wir aber schlafen und schnarchend in den Himmel einzugehen hoffen, wann werden wir alsdann die Erbschaft des Himmels erlangen können? Wollen wir daher, ich bitte, wollen wir doch! [S. 267] Warum kaufen wir Alles für das gegenwärtige Leben, das wir morgen verlassen müssen? Wählen wir also die Tugend, die uns in alle Ewigkeit befriedigen wird, wo wir immer sein und die ewigen Güter genießen werden, deren wir alle theilhaftig werden mögen durch die Gnade und Menschenfreundlichkeit u. s. w. [S. 268]

1: 1 Kor 7,7

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger