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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Fünfzehnte Homilie.

I.

Kap. IX.

1. 2. 3. 4. 5. Es hatte zwar auch der erste (Bund) Vorschriften des Gottesdienstes und das irdische Heiligthum. Denn es ward das Vorderzelt gemacht, worin der Leuchter und der Tisch und die Schaubrode waren, welches das Heilige heißt; und hinter dem zweiten Vorhang war das Zelt, welches das Allerheiligste heißt, welches das goldene Rauchfaß und die von allen Seiten mit Gold belegte Bundeslade enthielt, worin die goldene Urne mit dem Manna, der blühende Stab Aarons und die Bundestafeln sich befanden, und über welchen die Cherubim der Herrlichkeit waren, den Gnadenthron überschattend, von welchem Allem jedoch im Einzelnen jetzt nicht zu reden ist.

Er wies am Priester, am Priesterthume und am Testamente nach, daß jener Bund ein Ende haben sollte; nun [S. 244] zeigt er Dieses an der Gestalt des Zeltes selbst. Wie denn? Durch die Worte: „das Heilige“ und „das Allerheiligste“. Heilig waren auch die Sinnbilder der früheren Zeit; denn dort geschah Alles durch Opfer; das Allerheiligste aber gehört der gegenwärtigen Zeit an. Er nennt aber das Allerheiligste den Himmel, aber auch den Vorhof des Himmels und das Fleisch, welches eingeht in das Innere des Vorhangs, durch den Vorhang seines Fleisches. Es wird aber, um über diese Stelle zu sprechen, gut sein, auf Früheres zurückzukommen. Was sagt er also? „Es hatte zwar auch das Frühere.“ Welches Frühere? Der Bund. „Vorschriften des Gesetzes.“ Was heißt Das: „Vorschriften“? Sinnbilder, Satzungen, als wollte er sagen: Damals hatte er sie, jetzt hat er sie nicht mehr. Er zeigt, daß er diesem gewichen sei; denn er sagt: „Damals“ hatte er sie, so daß es jetzt, wenn er auch bestände, nicht der Fall ist. „Und das irdische Heiligthum.“ „Irdisch“ nennt er es, weil der Zutritt Niemandem verwehrt war; es war ein offener Platz in demselben Gebäude, woselbst die Priester standen, sowie die Juden, die Proselyten, die Heiden und die Nazaräer. Weil nun auch die Heiden dorthin kommen durften, nennt er ihn „irdisch“; denn die Juden machten ja die Welt nicht aus. „Denn es ward das Vorderzelt gemacht,“ sagt er, „welches das Heilige heißt, worin der Leuchter und der Tisch und die Schaubrode waren.“ Das sind Sinnbilder der Welt. „Nach dem zweiten Vorhang aber.“ Es war also nicht bloß ein Vorhang, sondern es gab noch einen andern, - „das Zelt, welches das Allerheiligste heißt“. Siehe, wie er immer den Namen „Zelt“ gebraucht, weil man sich dort wie unter einem Zelte befand. „Welches das goldene Rauchfaß und die von allen Seiten mit Gold belegte Bundeslade enthielt, worin die goldene Urne mit dem Manna, der blühende Stab Aarons und die Bundestafeln sich befanden.“ Alle diese Gegenstände waren [S. 245] ehrwürdige und glänzende Erinnerungen an die Undankbarkeit der Juden. „Und die Bundestafeln;“ denn dieselben hat er (Moses) zerbrochen. „Und das Manna;“ denn sie haben gemurrt, und um daher die Erinnerung auf die Nachkommen zu vererben, befahl er, daß dasselbe in einer goldenen Urne aufbewahrt werde. „Und der blühende Stab Aarons;“ denn sie haben sich empört. Weil also die Juden undankbar waren und der vielen Wohlthaten nicht gedachten, brachte man dasselbe auf Geheiß des Gesetzgebers in eine goldene Urne und bewahrte so für die Nachkommen das Andenken daran. „Über welchen die Cherubim der Herrlichkeit waren, den Gnadenthron überschattend.“ Was bedeuten die Worte: „Cherubim der Herrlichkeit“? Entweder die herrlichen, oder die unter Gott sind. Treffend aber sagt er von ihnen Hohes aus, um zu zeigen, wie Das größer sei, was auf sie gefolgt ist. „Von welchem Allem jedoch im Einzelnen jetzt nicht zu reden ist.“ Hier deutet er an, daß die Anschauung nicht Alles erschöpft habe, sondern daß noch Manches Räthsel geblieben. „Von welchem Allem jedoch im Einzelnen“ sagt er, „nicht zu reden ist,“ - weil vielleicht eine umfassende Besprechung nothwendig wäre.

6. Da dieses aber so eingerichtet war, so gingen in das Vorderzelt jederzeit die Priester ein, wenn sie den Opferdienst verrichteten,

d. h. dieses bestand zwar, aber selbst die Juden hatten davon keinen weiteren Genuß; denn sie sahen dasselbe nicht einmal, so daß sie nicht mehr davon hatten als Diejenigen, für welche es Vorbild war.

7. In das Hinterzelt einmal im Jahre der Hohepriester allein, nicht ohne Blut, welches er darbrachte für sich und des Volkes Sünden.

Siehst du, daß schon im Voraus die Vorbilder zum Fundamente gemacht worden sind? Denn damit sie nicht [S. 246] sagen könnten: Wie kommt es denn, daß nur ein Opfer ist, und daß der Hohepriester nur einmal geopfert hat? - so zeigt er, daß es schon vorher also gewesen; denn da es heiliger und furchtbar war, so kam es nur einmal vor. Sie waren also von Alters her daran gewöhnt; denn auch damals, sagt er, opferte der Hohepriester nur einmal. Treffend sagt er: „nicht ohne Blut,“ zwar nicht ohne Blut, aber nicht mit diesem Blute; denn so groß war die Handlung nicht. Er zeigt, daß ein Opfer sein werde, welches nicht im Feuer verzehrt wird, sondern mehr im Blute sich darstellt. Denn da er das Kreuz ein Opfer genannt, das weder Feuer noch Holz hat und nicht oft verrichtet wird, sondern nur einmal im Blute dargebracht wurde: so weist er nach, daß auch das alte Opfer ähnlicher Art war und einmal im Blute dargebracht wurde. „Welches er darbringt für sich und seines Volkes Sünden.“ Wörtlich genommen sagt er nicht „Sünden“, sondern Unwissenheit, um sie vor Stolz zu bewahren. Denn wenn du auch nicht freiwillig, sagt er, gesündiget hast, so hast du doch wider Willen aus Unkenntniß gefehlt, und hievon ist niemand frei. Und allenthalben setzt er den Ausdruck: „für sich“, um zu beweisen, daß Christus weit vorzüglicher sei als der Hohepriester bei den Juden; denn wenn er fern war von unsern Sünden, wie sollte er denn für sich selbst opfern? Wofür denn, sagt man, diese Worte? Denn Das geziemt sich für Den, der vorzüglicher ist. Hier läßt er sich noch in keine Betrachtung ein, im Folgenden aber spricht er diese betrachtenden Worte:

8. Wodurch der heilige Geist andeuten wollte, daß der Weg zum Heiligthume noch nicht geöffnet sei, solange das erste Zelt Bestand hatte.

Darum, sagt er, findet sich diese Einrichtung, damit wir lernen, daß das Allerheiligste, d. i. der Himmel, noch [S. 247] unzugänglich sei. Wir dürfen daher nicht wähnen, will er sagen, daß derselbe nicht existire, weil wir in ihn nicht eingehen, da wir ja noch nicht in’s Heiligthum eingegangen sind.

9. Dieß ist, sagt er, ein Sinnbild der gegenwärtigen Zeit.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger