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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Vierzehnte Homilie

I.

Kap. VIII.

1. 2. Der kurze Inhalt aber Dessen, was gesagt worden, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel sitzt, als Diener des Heiligthums und des wahrhaften Zeltes, welches der Herr errichtet hat und nicht ein Mensch.

Paulus, welcher immer das Beispiel seines Meisters nachahmt, untermischt das Niedrige mit dem Erhabenen, durch das Niedrige zum Erhabenen den Weg zu bahnen und durch jenes zu diesem an der Hand hinzugeleiten, um dann nach erstiegener Höhe die Überzeugung beizubringen, daß Dieß Herablassung war. Das thut er nun auch hier; denn nachdem er ihn als Hohenpriester gezeigt und gesagt hatte, daß er sich selbst zum Opfer gebracht, fügt er hinzu: „Der kurze Inhalt aber Dessen, was gesagt worden, ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der zur Rechten des Thrones der [S. 230] Majestät im Himmel sitzt;“ und doch kommt Das nicht dem Priester, sondern Demjenigen zu, welchem zu opfern er die Verpflichtung hat. „Als Diener des Heiligthums.“ Er ist nicht einfach Diener, sondern „Diener des Heiligthums“. „Und des wahrhaften Zeltes, welches der Herr errichtet hat und nicht ein Mensch.“ Siehst du die Herablassung? Sprach er nicht früher den Unterschied aus mit den Worten:1 „Sind sie nicht alle dienende Geister?“ und darum hören diese nicht die Worte: „Setze dich zu meiner Rechten!“ Dieses aber sagt er, weil Derjenige, welcher also sitzet, durchaus kein Diener ist; so muß man also Dieß in Bezug auf die Menschheit auffassen. „Zelt“ nennt er aber hier den Himmel. Um aber dasselbe auch in seiner Verschiedenheit von dem jüdischen darzustellen, setzt er die Worte hinzu: „welches der Herr errichtet hat und kein Mensch.“ Siehe, wie er durch diese Worte die Gemüther Derjenigen erhebt, welche aus den Juden gläubig geworden. Denn da sie sich wahrscheinlich einbildeten, wir hätten kein solches Zelt, sagt er: Siehe da einen Priester, einen Hohenpriester, der viel größer ist als Jener und ein bewunderungswürdigeres Opfer dargebracht hat. Aber, sind diese Worte nicht bloß Ruhmrede und Seelenreiz? Nein; darum führt er zuerst den Beweis vom Eide, dann auch vom Zelte. Denn auch hier lag ein offenbarer Unterschied vor; er denkt aber noch an einen anderen. „Welches der Herr errichtet hat und kein Mensch.“ Wo sind Diejenigen, die da behaupten, der Himmel bewege sich? wo Diejenigen, welche behaupten, derselbe sei rund? Denn hier ist Beides ausgeschlossen.2 „Der kurze Inhalt aber,“ sagt er, „Dessen, was gesagt worden.“ Inhalt aber nennt man [S. 231] immer, was das Wichtigste ist. Er steigt nun wieder mit der Rede herab, und nachdem er Hohes gesprochen, redete er neuerdings ohne Scheu Unerhabenes. Damit du ferner einsehen mögest, daß jenes Wort „Diener“ von der Menschheit ausgesagt ist, so siehe, wie er Dieß anzeigt!

3. Denn jeder Hohepriester, sagt er, wird ausgestellt zur Darbringung von Gaben und Opfern, weßhalb es nothwendig ist, daß auch dieser Etwas habe, was er darbringe.

Wenn du hörst, daß er sitzt, darf dir seine Benennung eines Hohenpriesters nicht wie ein leerer Wortkram erscheinen; denn jenes Sitzen soll die göttliche Würde andeuten, diese aber seine große und gütige Fürsorge für uns. Darum kommt er in der Rede darauf zurück, weil Einige fragten, warum er denn gestorben, da er Priester sei. Ein Priester aber kann nicht ohne Opfer sein; daher muß auch dieser ein Opfer haben. Nachdem er gesagt hatte, daß er oben sei, bringt er für die Wirklichkeit seines Priesterthums von allen Seiten Beweisgründe vor: von Melchisedech, vom Eide, und weil er ein Opfer darbringe. Hieraus entwickelt er übrigens noch einen anderen notwendigen Schluß.

4. Wenn er aber, sagt er, auf Erden sein sollte, so wäre er nicht Priester, weil da Priester sind, welche dem Gesetze gemäß die Gaben darbringen.

Wenn er daher Priester ist, will er sagen, wie Das wirklich der Fall ist, muß man für ihn einen anderen Ort suchen; denn wäre er auf der Erde, so würde er nicht Priester sein. Wieso? Er hätte nicht geopfert und den priesterlichen Dienst nicht versehen; und natürlich, denn es waren Priester da. Und er zeigt, daß er auf Erden nicht Priester sein konnte. Wie denn? Weil die Auferstehung [S. 232] noch nicht stattgefunden, sagt er. Hier muß man den Geist anstrengen und die apostolische Weisheit betrachten; denn er legt wieder den Unterschied des Priesterthums dar.

5. Welche, sagt er, für das Vorbild und den Schatten der himmlischen Dinge den Dienst verwalten.

Was nennt er hier himmlische Dinge? Die geistigen Dinge; denn wenn sie auch auf der Erde vollbracht werden, so sind sie doch des Himmels würdig. Denn da unser Herr Jesus Christus als Opfer erscheint, da der heilige Geist kommt, da der zur Rechten des Vaters Sitzende hier ist; da wir durch die Taufe Söhne und Bürger des himmlischen Reiches werden; da wir dort unser Vaterland, unsere Stadt und Heimath haben, während wir hier als Fremdlinge weilen, - wie? sind Das nicht alles himmlische Dinge?

1: Hebr 1,14
2: In der Note heißt es: Sphaericum esse coelum Chrysostomus negabat.

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger