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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Dreizehnte Homilie.

I.

11 - 14. Ferner, wenn die Vollkommenheit durch das levitische Priesterthum käme (denn das Volk hat unter demselben das Gesetz empfangen), wozu war es noch nothwendig, einen anderen Priester nach der Weise des Melchisedech aufzustellen und ihn nicht nach der Weise des Aaron zu benennen? Denn wenn das Priesterthum gewechselt wird, ist es nöthig, daß auch das Gesetz gewechselt werde. Denn Derjenige, von welchem Dieß gesagt wird, ist aus einem anderen Stamme, aus welchem nie Einer dem Altare gedient hat; denn es ist bekannt, daß unser Herr von Juda abstammt, welchem Stamme Moses rücksichtlich des Priesterthumes Nichts zugesichert hat.

„Ferner, wenn die Vollkommenheit durch das levitische Priesterthum käme,“ sagt er. Nachdem er von Melchisedech gesprochen und gezeigt hatte, wie sehr er sich vor Abraham auszeichne, und den großen [S. 211] Unterschied dargelegt hatte, beginnt er, die Verschiedenheit des Bundes selbst zu zeigen und klar zu machen, wie jener unvollkommen, dieser aber vollkommen sei. Und er geht noch nicht auf die Sache selbst ein, sondern führt einstweilen vom Priesterthume und dem Bunde die Untersuchung; denn dadurch konnten die Ungläubigen eher zum Glauben gebracht werden, wenn der Beweis von Dem geführt wurde, was schon früher angenommen und geglaubt worden war. Er zeigt, daß Melchisedech, welcher sich bei ihnen in der Ordnung der Priester befunden, vor Levi und Abraham sehr ausgezeichnet gewesen. Aber er sucht den Beweis auch noch aus etwas Anderem zu führen. Woraus denn? Aus dem dermaligen und aus dem jüdischen Priesterthume. Betrachte mir hier seine ausserordentliche Klugheit! Denn wodurch er Diesen aus dem Priesterthume weggedrängt zu haben schien, weil er nicht nach der Ordnung Aarons war, gibt er ihm eine feste Stellung und macht Jene weichen. Dieses thut er aber, indem er sich selbst einführt wie in einem Zweifel befangen, nämlich darüber, warum er nicht nach der Ordnung des Aaron genannt werde, und löst dann diesen Zweifel auf folgende Weise: Auch ich, sagt er, bin darüber im Unklaren, warum er es nicht nach der Ordnung des Aaron geworden. Dieses aber zeigt er an in den Worten: „Wenn aber die Vollkommenheit durch das levitische Priesterthum käme;“ und dann: „Wozu war (ein anderes) noch notwendig;“ - welche Worte ein besonderes Gewicht haben. Denn wäre Christus dem Fleische nach früher nach der Ordnung des Melchisedech dagewesen, und wäre dann erst das Gesetz, und was auf Aaron Bezug hat, gekommen, so könnte Jemand allerdings sagen, daß alles Andere, weil das mehr Vollkommene nachgekommen, aufgelöst sei. Ist aber Christus später gekommen und hat er einen anderen Charakter des Priesterthumes angenommen, so ist Dieß offenbar darum geschehen, weil jenes ein unvollkommenes war. Denn nehmen wir an, will er sagen, es sei Alles erfüllt worden und Nichts unvollkommen im Priesterthume; - warum war es denn nöthig, zu sagen: [S. 212] „nach der Ordnung des Melchisedech“ und nicht: „nach der Ordnung des Aaron“? Warum wurden denn Aaron aufgegeben und ein anderes Priesterthum eingeführt, nämlich das „nach der Ordnung des Melchisedech“? „Wenn nun die Vollkommenheit durch das levitische Priesterthum käme,“ sagt er, d. h. wenn die Vollkommenheit der Dinge, der Lehren (Dogmen), des Lebens durch das levitische Priesterthum käme. Siehe, wie er auf seinem Wege voranschreitet. Er sagt: „nach der Ordnung des Melchisedech,“ um anzuzeigen, daß das Priesterthum „nach der Ordnung des Melchisedech“ den Vorzug habe, denn Dieser ist viel ausgezeichneter. Dann weist er Dasselbe in Bezug auf die Zeit nach; es war nach Aaron, daher offenbar auch besser. Welchen Sinn haben denn die folgenden Worte: „Denn das Volk hat unter demselben das Gesetz empfangen“? Was heißt Das: „unter demselben“? An dasselbe hält es sich und durch dasselbe thut es Alles; es kann nicht gesagt werden, daß es Anderen gegeben wurde. „Das Volk hat unter demselben das Gesetz empfangen,“ d. h. es hat sich dessen bedient. Man kann nicht sagen, daß es zwar vollkommen gewesen, das Volk aber nicht darauf angewiesen worden sei. „Unter demselben hat es das Gesetz empfangen,“ d. h. es hat dasselbe gebraucht. Was bedürfte es denn eines anderen Priesterthumes, wenn jenes die Vollkommenheit gehabt hätte? Denn nachdem das Priesterthum gewechselt worden, mußte mit dem Gesetze nothwendig das Gleiche geschehen; wenn aber ein anderer Priester erforderlich ist oder vielmehr ein anderes Priesterthum, so ist auch ein anderes Gesetz nöthig. Dieß ist für Diejenigen gesagt, welche da sprechen: Warum war denn das neue Testament nothwendig? Man konnte ja auch aus den Propheten1 die Zeugnisse entnehmen: Das ist der Bund, den ich mit eueren [S. 213] Vätern geschlossen habe. Indessen führt Paulus seine Untersuchung aus dem Priesterthume. Und siehe, wie er hiezu von früher her seine Darlegung macht! Er sagte: „nach der Ordnung des Melchisedech,“ wodurch er das Aaron’sche Priesterthum beseitigt; denn er würde nicht gesagt haben: „nach der Ordnung des Melchisedech,“ wenn jenes besser gewesen wäre. Ist also ein anderes Priesterthum eingeführt worden, so muß auch ein anderer Bund sein; denn es kann kein Priesterthum ohne Bund und ohne Gesetze und Einrichtungen bestehen, und es kann, da ein anderes Priesterthum angenommen wird, jenes nicht weiter im Gebrauch bleiben. Da nun eingewendet werden konnte, wie er, ohne zum Stamme Levi zu zählen, Priester sei, - hält er diesen Einwurf, welcher bereits im Früheren seine Lösung gefunden, keiner weiteren Beseitigung werth, sondern spricht nur im Vorübergehen davon. Ich habe gesagt, bemerkt er, daß das Priesterthum gewechselt worden, daher auch der Bund. Dieser Wechsel aber fand statt nicht nur in Bezug auf die Art und Weise und die Vorschriften, sondern auch hinsichtlich des Stammes; denn auch in Bezug auf den Stamm war es nöthig. Wie denn? „Wenn das Priesterthum gewechselt wird,“ heißt es; das heißt: Darum ist es von dem einen Stamm auf den anderen, von dem priesterlichen zu dem königlichen gewechselt worden, damit der königliche und der priesterliche derselbe sei. Betrachte das Geheimniß. Zuerst war der königliche, und nun ist auch der priesterliche geworden. So verhält es sich auch mit Christus; denn König war er immer, Priester aber ist er geworden, als er Fleisch annahm und das Opfer vollbrachte. Siehst du da die Veränderung? Was aber eingewendet werden konnte, führt er, wie es natürlich folgen mußte, also an: „Denn Derjenige,“ heißt es, „von welchem Dieß gesagt wird, ist aus einem anderen Stamme, aus welchem nie Einer dem Altare gedient hat. Denn es ist bekannt, daß unser Herr von Juda abstammt, welchem Stamme Moses rücksichtlich des Priesterthumes [S. 214] Nichts zugesichert hat.“ Er will damit Folgendes sagen: Auch ich weiß und spreche es aus, daß dieser Stamm am Priesterthume keinen Antheil hatte, und noch Niemand aus demselben den priesterlichen Dienst versehen hat, was auch in den Worten: „Keiner hat dem Altare gedient“ ausgesprochen ist; sondern das Ganze beruht auf einem Wechsel. So war es nothwendig, daß das Gesetz und der alte Bund gewechselt wurden, weil ja selbst der Stamm diese Veränderung erfahren hat. Siehst du, wie er noch einen anderen Unterschied an dem Wechsel des Stammes zeigt? Aber nicht allein daran wird dieser Unterschied nachgewiesen, sondern auch an der Person, dem Bunde, der Art und Weise und selbst dem Vorbilde.

16.2 Der es nicht nach Vorschrift einer fleischlichen Bestimmung, sondern nach der Kraft eines unauflösbaren Lebens geworden ist.

1: Apg 3,25
2: V. 15 folgt nach 16

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger