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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Dreizehnte Homilie.

III.

Siehst du, daß er Dieses von ihm dem Fleische nach spricht? Wann er ihn als Priester zeigt, läßt er ihn auch ganz passend als Fürbitter erscheinen. Wenn daher Paulus sagt, daß er für uns bitte, will er damit andeuten, daß er als Hoherpriester Dieß thue. Denn sofern er nach seinem [S. 219] Willen die Todten erweckt und wie der Vater lebendig macht, wie sollte er da, wenn es zu retten gilt, sich auf’s Bitten einlassen? wie ein Fürbitter sein, da er das ganze Gericht hat? Wie soll Der bitten, welcher die Engel aussendet, damit sie die Einen in’s Feuer werfen, die Andern aber retten?

Weßhalb er auch, heißt es, retten kann.

Darum also rettet er, weil er nicht stirbt. Da er aber immer lebt, hat er keinen Nachfolger; hat er aber keinen Nachfolger, so kann er auch für Alle stehen (προίστασϑαι). Hier aber erstreckt sich die Wirksamkeit des Hohenpriesters, selbst wenn er bewunderungswürdig wäre, nur auf die Zeit, in welcher er lebt, wie es zum Beispiel bei Samuel und allen Anderen war; dann aber nicht mehr, denn sie starben; bei unserem Hohenpriester ist es aber nicht so, sondern dieser rettet vollkommen.1 Was heißt Das: „bis zur Vollendung“? Hier wird ein großes Geheimniß angedeutet. Nicht allein hier, sagt er, sondern auch dort rettet er Diejenigen, welche durch ihn Gott nahen. Wie rettet er sie? „Da er alle Zeit lebt,“ sagt er, „um für uns zu bitten.“ Siehst du, wie er der menschlichen Natur wegen sich unerhaben ausdrückt? Denn nicht für einmal, sagt er, ist er ein Fürsprecher geworden, sondern er ist es für immer und so oft, als es nothwendig ist, für sie zu bitten; denn Das wird klar durch den Ausdruck: „bis zur Vollendung“ (immer). Welche Bedeutung hat denn der Ausdruck: „bis zur Vollendung“? Nicht allein für die gegenwärtige Zeit, will er sagen, sondern auch dort im zukünftigen Leben. Muß er also immerfort bitten? Und wo liegt denn da ein vernünftiger Sinn? Finden doch gerechte Menschen oft durch eine einzige Bitte Erhörung, und Dieser soll immerdar bitten? Warum sitzt er denn an der Seite (des Vaters)? Siehst du, daß diese [S. 220] unerhabene Redeweise nur Herablassung ist? Was er aber sagen will, ist Dieses: Leget alle Furcht ab und wollet nicht sprechen: Ja, er liebt uns zwar, und er hat Zuversicht beim Vater; allein ewig leben kann er nicht; - denn er lebt ewig.

26. Auch geziemte uns, daß wir einen solchen Hohenpriester hätten, der da wäre heilig, schuldlos, unbefleckt, ausgeschieden von den Sündern.

Siehst du, daß das Ganze in Bezug auf die Menschheit gesagt ist? Wenn ich hier von der Menschheit spreche, so meine ich die, welche mit der Gottheit verbunden ist, indem ich nicht theilen, sondern nur das richtige Verständniß erleichtern will. Siehst du die Verschiedenheit in Bezug auf den Hohenpriester? Er hat, was oben gesagt worden, nämlich: „Der in allen Stücken ähnlich wie wir versucht worden, doch ohne Sünde war,“ kurz wiederholt. „Es geziemte uns,“ sagt er, „daß wir einen solchen Hohenpriester hätten, der da wäre heilig, schuldlos.“ Was heißt Das: „schuldlos“? Frei von Laster, ohne (innerliche) Bosheit; und daß er also beschaffen ist, lerne aus den Worten des Propheten, der da spricht: „List ist nicht erfunden worden in seinem Munde.“2 Wer möchte wohl von Gott also reden? Und wer könnte, ohne zu erröthen, sagen, Gott sei frei von Bosheit und List? In Bezug auf ihn dem Fleische nach können aber die Worte: „heilig, unbefleckt“ einen vernünftigen Sinn haben. Von Gott aber kann Niemand so sprechen, denn er hat eine unbefleckbare Natur: „ausgeschieden [S. 221] von den Sündern.“ Zeigt nun Dieß allein den Unterschied an oder auch selbst das Opfer? Auch das Opfer. Wie denn?

27. Er hat nicht jeden Tag nöthig, heißt es, wie die Hohenpriester zuerst für seine eigenen Sünden Opfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn Dieß hat er einmal gethan, da er sich selbst aufopferte.

Hier macht er bereits die Einleitung, um den Vorzug des geistigen Opfers darzustellen, und gibt an, was für ein Unterschied sei zwischen dem Priester und dem Testamente, zwar nicht ganz, aber doch theilweise, und macht die Einleitung in Bezug auf das Opfer selbst. Glaube also nicht, wenn du ihn Priester nennen hörst, daß er immer opfere! Denn Das hat er einmal gethan, und nun hat er seinen Sitz inne. Denn damit du nicht wähnest, er stehe im Himmel und sei Diener, zeigt er, daß das Werk der Erlösung vollbracht sei. Denn wie er Knecht wurde, so auch Priester und Diener. Aber wie er Knecht wurde, ohne es zu bleiben, so blieb er auch nicht immer Diener; denn der Diener hat nicht zu sitzen, sondern zu stehen. Dieses nun deutet die Größe des Opfers an, welches als einziges und alleiniges genügte und einmal dargebracht mehr Kraft hatte als alle. Doch hierüber später und für jetzt nur Dieses, sagt er: „Denn Dieß hat er einmal gethan.“ Was denn? Denn es ist nothwendig, sagt er, daß auch Dieser Etwas habe, was er darbringe, nicht für sich selbst; - denn wie hatte Das sein können, da für ihn die Sünde eine Unmöglichkeit ist, - sondern für das Volk. Was sagst du? Und er hat nicht nothwendig, für sich selbst Opfer darzubringen, sondern hat eine solche Macht? Allerdings, sagt er. Denn damit du nicht glaubest, die Worte: „Das hat er einmal gethan“ fänden auch auf ihn Anwendung, so höre, was er hinzufügt! [S. 222]

28. Denn das Gesetz stellt Menschen zu Hohenpriestern auf, die Schwachheiten haben.

Daher opfern sie auch immer für sich selber; warum aber sollte er, der mächtig ist und frei von Sünde, für sich opfern? Er opfert also nicht für sich, sondern für das Volk, und Dieß nur einmal. „Das Wort des Eides aber, das nach dem Gesetze gekommen ist, den Sohn, den Vollkommenen in Ewigkeit.“ Was heißt Das: „den Vollkommenen“? Siehe, Paulus stellt keine scharfen Gegensätze auf; denn nachdem er gesagt hatte: „die Schwachheiten haben,“ sprach er nicht: den Sohn, den Mächtigen, sondern: „den Vollkommenen,“ d. i. den Mächtigen, wie man auch sagen könnte. Siehst du, daß der Name „Sohn“ im Gegensatze zu Knecht steht? Schwäche aber nennt er die Sünde oder den Tod. - Was heißt Das: „in Ewigkeit“? Er ist nicht nur jetzt ohne Sünde, sondern immer. Wenn er also vollkommen ist; wenn er niemals sündigt; wenn er ewig lebt, - warum wird er denn vielmal für uns Opfer bringen? Darüber handelt er jetzt nicht, sondern er sucht darzuthun, daß er nicht für sich Opfer bringe. - Da wir nun einen solchen Hohenpriester haben, so wollen wir ihn nachahmen und in seine Fußtapfen treten. Es gibt kein anderes Opfer, eines hat uns gereinigt; nach diesem aber ist Feuer und Hölle. Denn deßhalb auch bewegte er auf und ab und sagte: Nur ein Priester, nur ein Opfer, damit Niemand im Wahne, es gebe viele, furchtlos sündige.

1: Εἰς τὸ παντελές = bis zur Vollendung, immer
2: Is 53,9

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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