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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Zwölfte Homilie.

IV.

Daher die raschesten Wechsel und Veränderungen, und wir gewinnen dennoch keine Zucht; daher die häufigen und frühzeitigen Todesfälle, wir aber sind wie Unsterbliche hochfahrenden Sinnes, als würde der Tod uns niemals ereilen; wir berauben und übervortheilen Andere, als würden wir nie Rechenschaft ablegen müssen. Wir bauen so, als wenn wir immer hier bleiben sollten, und weder das Wort Gottes, das täglich in unseren Ohren ertönt, noch auch die [S. 207] Ereignisse selbst vermögen uns zu bilden. Man vermag keinen Tag und keine Stunde zu nennen, wo man nicht sehen kann, wie man zahlreiche Leichen hinausträgt; aber Alles ist vergebens und Nichts vermag unserer Härte beizukommen. Auch die Unglücksfälle Anderer sind nicht im Stande, uns zu bekehren, oder vielmehr wir wollen es nicht; wenn aber wir selbst allein in Trauer versetzt sind, dann grämen wir uns, und wenn Gott seine (strafende) Hand zurückzieht, erheben wir unsere wieder. Niemand richtet seinen Sinn auf das Himmlische, Niemand verachtet das Irdische, Keiner wendet seinen Blick nach oben, sondern wie die Schweine sich erdwärts neigen, nach dem Bauche sich vorwärts beugen und im Schlamme walzen, so besudeln auch viele Menschen sich selbst mit dem ekelhaftesten Kothe und merken es nicht; - besser aber ist es, mit unreinem Schlamme als mit Sünden sich zu beschmutzen; denn wer mit diesem verunreinigt ist, kann sich in kurzer Zeit abwaschen und gleicht dann Dem, der von Anfang an gar nicht in jene Schmutzgrube gefallen; wer aber in den Abgrund der Sünde gestürzt ist, dem klebt ein Schmutz an, der durch Wasser nicht weggeschafft werden kann, der viel Zeit und strenge Buße und Thränen und Klagen und mehr heisses Weinen erfordert, als ihr Derer wegen an den Tag legt, die euch die Theuersten sind. Denn jener Schmutz kommt uns von aussen, und darum können wir uns schnell desselben entledigen; dieser aber wird innerlich erzeugt, weßhalb wir ihn auch nur mit Mühe abwaschen und rein werden können. „Denn aus dem Herzen,“ heißt es, „kommen die bösen Gedanken, Ehebrüche, Hurereien, Diebstahl, fasche Zeugnisse.“1 Und daher sagt der Prophet: „Schaffe in mir, o Gott, ein reines Herz.“2 Ein Anderer aber: „Wasche dein Herz rein von Bosheit, Jerusalem!“3 Siehst du, daß rechtschaffen handeln Gottes und unser Werk ist? [S. 208] Und wieder: „Selig sind, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott anschauen.“4 Suchen wir also aus allen unseren Kräften, rein zu werden, und waschen wir unsere Sünden ab! Wie wir sie aber abwaschen können, lehrte der Prophet mit den Worten: „Waschet, reiniget euch, thut euere bösen Gedanken von meinen Augen!“5 Was heißt Das: „von meinen Augen“? Gewisse Leute scheinen sündenfrei zu sein, aber bloß vor den Menschen, vor Gott aber erscheinen sie wie übertünchte Gräber; daher sagt er: Nehmet sie weg, so wie ich sie sehe! „Lernet Gutes thun, suchet, was recht ist, kommet zu Hilfe dem Unterdrückten! Alsdann kommt und klaget über mich, spricht der Herr. Wenn euere Sünden wie Scharlach wären, will ich sie weiß machen wie Schnee, und wenn sie roth wären wie Purpur, will ich sie weiß machen wie Wolle.“6 Siehst du, daß wir zuerst uns reinigen müssen, und daß uns dann der Herr reinigt? Denn den Worten: „Waschet, reiniget euch!“ fügt er hinzu: „so will ich sie weiß machen.“ Es soll also Keiner von Denen. welche in den tiefsten Abgrund des Lasters versanken, verzweifeln; denn wenn dir auch das Laster, will er sagen, zur Gewohnheit und fast zur Natur selbst geworden, sei ohne Furcht. Daher wählte er keine verbleichenden Farben, sondern solche, die den Gegenständen, an denen sie haften, natürlich sind, und sagte von ihnen, daß sie in die entgegenstehende Beschaffenheit übergehen würden. Denn er sagte nicht einfach waschen, sondern weiß machen wie Schnee und Wolle, um uns gute Hoffnung zu geben. Groß ist also die Kraft der Buße, da sie uns weiß wie Schnee und Wolle macht, wenn auch die Sünde unsere Seelen ergriffen und sie gefärbt hat. Bemühen wir uns daher, rein zu werden; er hat nichts Schweres befohlen! „Schaffet Recht,“ heißt es, „dem Waisen, beschirmet die Wittwe!“7 Siehst du, wie [S. 209] Gott überall sehr auf Barmherzigkeit dringt und auf den Schutz Derer, die Unrecht erdulden? Diesen guten Werken wollen wir nachstreben, und wir können die Liebe Gottes und die zukünftigen Güter erlangen, deren wir alle mögen gewürdiget werden in Christus Jesus, unserem Herrn. [S. 210]

1: Mt 15,19
2: Ps 50,12
3: Jer 4,14
4: Mt 5,8
5: Is 1,16
6: Is 1,17.18
7: Is 1,17

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger