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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Elfte Homilie.

I.

13. 14. 15. 16. Denn dem Abraham gab Gott eine Verheissung, und da er bei keinem Größeren schwören konnte, schwur er bei sich selbst und sprach: Wahrlich, sehr will ich euch segnen, und sehr will ich euch mehren. Und da er geduldig so hoffte, erlangte er das Verheißene. Denn Menschen schwören bei dem Größeren, als sie sind, und der Eid, zur Bestätigung geleistet, macht jedem Streit unter ihnen ein Ende.

Nachdem Paulus die Hebräer scharf angelassen und ihnen eine heilsame Furcht eingeflößt hatte, tröstet er sie zuerst durch Belobung, dann aber, was noch wirksamer ist, durch die Versicherung, daß sie das Erhoffte auch wirklich erlangen würden. Den Trost aber entnimmt er nicht der Gegenwart, sondern wieder der Vergangenheit, was sie auch mehr überzeugte; denn wie er in Bezug auf Bestrafung durch jene am meisten schreckt, so tröstet er auch durch diese in Betreff der Belohnungen, indem er Gottes Weise zu handeln zeigt; diese aber läßt das Verheissene nicht gleich, sondern erst nach langer Zeit sich erfüllen. Dieß thut er [S. 184] aber, um ein glänzendes Zeugniß seiner Macht zu geben und uns zum Glauben zu führen, damit wir unter der Last eines trübseligen Lebens und noch nicht theilhaftig des verheissenen Lohnes in den Arbeiten nicht ermüden. Und obgleich er Viele anführen konnte, übergeht er sie Alle und nennt bloß den Abraham, sowohl wegen seines persönlichen Ansehens, als auch weil sich die Erfüllung bei ihm am vollkommensten findet; obgleich er zu Ende des Briefes sagt, daß Diese alle die Verheissungen von ferne mit Verlangen gesehen, aber sie nicht erlangt hätten, damit sie nicht ohne uns erfüllt würden. „Denn dem Abraham gab Gott eine Verheissung, und da er bei keinem Größeren schwören konnte, schwur er bei sich selbst und sprach: Wahrlich, sehr will ich dich segnen, und sehr will ich dich mehren. Und da er geduldig so hoffte, erlangte er das Verheissene.“ Wie sagt er nun zu Ende: „Er hat die Verheissung nicht erhalten,“1 hier aber: „Da er geduldig so hoffte, erlangte er das Verheissene“? Wie hat er sie nicht erhalten? Wie hat er sie erlangt? Er bespricht nicht dieselbe Sache hier und dort, sondern er unterscheidet einen zweifachen Trost. Dem Abraham gab er eine Verheissung, und was er ihm hier versprach, gab er ihm nach Verlauf einer geraumen Zeit, was er ihm aber dort verhieß, noch nicht: „Und so erlangte er das Verheissene, da er geduldig hoffte.“ Siehst du, daß nicht die Verheissung allein, sondern auch die Geduld das Ganze bewirkte? Hier schreckt er sie, indem er zeigt, daß die Verheissung durch Kleinmuth verhindert wird, und Dieß weist er am Volke nach. Da sie kleinmüthig waren, wurden sie der Verheissung gar nicht theilhaftig. Das Gegentheil zeigt er an Abraham. Zu Ende thut er noch Etwas mehr; er zeigt, daß sie auch bei geduldigem Hoffen nicht theilhaftig [S. 185] geworden, und auch so werden sie nicht mit Trauer erfüllt. - „Denn Menschen schwören bei dem Größeren, als sie sind, und der Eid, zur Bestätigung geleistet, macht jedem Streit unter ihnen ein Ende. Da aber Gott bei keinem Größeren schwören konnte, schwur er bei sich selbst.“ Recht! Wer hat nun dem Abraham geschworen? Nicht der Sohn? Nein, heißt es. Woher sprichst du Dieses? Gerade er selbst; jedoch ich streite nicht. Wenn er nun denselben Eid schwört: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch!“ geschieht Das nicht offenbar darum, weil er keinen Größeren hatte, bei dem er schwören konnte? Denn wie der Vater geschworen, so schwört auch der Sohn bei sich selbst in den Worten: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch.“ Hier erinnert er sie an die Eide, die Christus beständig gebrauchte: „wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wer an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben!“2 Was heissen die Worte: „Und der Eid, zur Bestätigung geleistet, macht jedem Streit ein Ende“? So viel als: dadurch findet jeder Zwiespalt seine Lösung, nicht dieser oder jener, sondern jeder, wiewohl man auch ohne Eid Gott glauben soll.

17. Deßwegen hat Gott, um den Erben der Verheissung überschwenglich die Unwandelbarkeit seines Rathschlusses zu zeigen, einen Eid beigefügt.

Hier umfaßt er auch die Gläubigen, weßhalb er ebenfalls an die Verheissung erinnert, welche uns gemeinsam geworden. „Er hat einen Eid,“ sagt er, „beigefügt.“ Hier sagt er wieder, daß der Sohn der Mittler zwischen Gott und den Menschen geworden sei. [S. 186]

18. Damit wir durch zwei unwandelbare Dinge, wobei Gott unmöglich lügen kann...

Durch welche (zwei Dinge)? Durch das Wort der Verheissung und durch den der Verheissung beigefügten Eid. Denn da beiden Menschen Das, was durch einen Eid bekräftiget wird, glaubwürdiger erscheint, hat auch er einen solchen beigefügt.

1: Hebr 11,39 - steht der Plural: οὐϰ ἐϰομίσαντο
2: Joh 11,26

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger