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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer

Zehnte Homilie.

I.

7. 8. Denn das Land, welches den oft darauf fallenden Regen einsaugt und dienliche Gewächse für Diejenigen trägt, die es bebauen, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln trägt, so ist es verwerflich und dem Fluche nahe, sein Ende ist Verbrennung.

Mit Furcht sollen wir die Aussprüche Gottes anhören, mit Furcht und vielem Zittern; denn „dienet,“ heißt es, „dem Herrn in Furcht und frohlocket ihm mit Zittern!“1 Wenn aber schon unsere Freude und unser Frohlocken mit Zittern geschehen soll, welche Strafe verdieneten wir nicht, wenn wir, da erschütternde Worte wie jetzt zu uns geredet werden, Das, was gesprochen wird, nicht mit Schauer anhören wollten? Nachdem er gesagt, daß es für die Gefallenen unmöglich sei, neuerdings getauft zu werden und durch das Taufbad wieder Verzeihung zu finden, und [S. 170] nachdem er das Schauderhafte dieser Sache dargethan hat, fügt er hinzu: „Denn das Land, welches den oft darauf fallenden Regen einsaugt und dienliche Gewächse für Diejenigen trägt, die es bebauen, empfängt Segen von Gott; wenn es aber Dornen und Disteln trägt, so ist es verwerflich und dem Fluche nahe, sein Ende ist Verbrennung.“ Fürchten wir daher, Geliebte; denn diese Drohung thut nicht Paulus; wir vernehmen nicht die Worte eines Menschen; es ist die Sprache des heiligen Geistes; es ist Christus, der in ihm spricht. Ist denn irgend Jemand von diesen Dornen frei? Und wären wir davon auch in der That frei, so dürften wir auch so nicht auf uns selber vertrauen, sondern fürchten und zittern, es möchten in uns Dornen hervorsprossen. Da wir aber ganz und gar Disteln und Dornen sind, sage mir, woher sollen wir da dreiste Zuversicht nehmen und Stolz in uns aufkommen lassen? Wie könnten wir leichtsinnig werden? Denn wenn Derjenige, welcher zu stehen scheint, fürchten muß, zu fallen, - „denn wer da meint,“ heißt es, „zu stehen, der sehe zu, daß er nicht falle!“2 - wie muß dann Der, welcher darniederliegt, besorgt sein, sich wieder zu erheben? Wenn Paulus fürchtet, er möchte, nachdem er Andern gepredigt, selbst verworfen werden, und er, der so tugendhaft war, sich beängstiget fühlte, er möchte der Verwerfung anheim fallen,3 wie werden wir, die bereits Unbewährten, Entschuldigung und Verzeihung finden, wenn wir keine Frucht haben und das Christenthum nur aus Gewohnheit üben und nur dem äusseren Scheine leben? Fürchten wir daher, Geliebte, „denn es offenbart sich der Zorn Gottes vom Himmel!“4 Fürchten wir; denn er offenbart sich nicht nur gegen die Gottlosigkeit, sondern auch gegen alle Ungerechtigkeit, sei sie nun groß oder klein. An dieser Stelle deutet er Gottes Menschenfreundlichkeit an; Regen [S. 171] aber nennt er die Lehre, und was er oben sprach: „Die ihr Lehrer sein solltet der Zeit nach,“ Das sagt er auch hier. Auch die Schrift nennt an vielen Stellen den Unterricht Regen. „Den Wolken,“ heißt es, „will ich gebieten, daß sie keinen Regen darauf herab gießen,“5 indem die Rede vom Weinberge ist. An einer anderen Stelle wird derselbe bezeichnet als Hunger nach Brod und Durst nach Wasser; und wieder: „Gottes Strom ist voll des Wassers.“6 „Denn das Land,“ heißt es, „welches den oft darauf fallenden Regen einsaugt.“ Hier zeigt er, daß sie das Wort empfangen und getrunken haben und dessen oft theilhaftig geworden, aber daraus dennoch keinen Nutzen gezogen haben. Denn wärest du, will er sagen, nicht bebaut worden und hättest keinen Regen empfangen, so wäre das Übel nicht so arg; denn es heißt: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen nicht geredet hätte, so hätten sie keine Sünde;“7 da du aber zu trinken empfangen und wohl bedacht worden bist, warum hast du statt der Früchte Anderes hervorgebracht? „Ich erwartete,“ heißt es, „daß er Trauben brächte, aber er brachte Dornen.“8 Siehst du, daß die Schrift die Sünden überall Dornen nennt? Denn auch David sagt: „In meinem Elende habe ich mich bekehrt, während der Stachel in mir haftete.“9 Denn er dringt nicht einfach ein, sondern er heftet sich fest, und wenn nur ein Weniges davon sitzen bleibt, und wir ihn nicht ganz herausziehen, so verursacht dieß Wenige einen ganz gleichen Schmerz, als da es noch am Dorne war. Und was rede ich da von etwas Wenigem? Auch wenn Dieß schon ganz herausgezogen ist, verbleibt noch längere Zeit der quälende Schmerz, und darum muß man noch eine dauernde Pflege sammt Heilmitteln anwenden, um davon vollkommen frei zu werden. Denn es genügt nicht, die Sünde herausgezogen zu [S. 172] haben; die verletzte Stelle verlangt auch eine heilende Pflege. Aber ich fürchte, daß die Worte: „Denn das Land, welches den oft darauf fallenden Regen einsaugt,“ mehr uns als Anderen gelten; denn immer trinken wir, immer hören wir, aber schnell verlieren wir, sobald die Sonne aufgeht, die Feuchtigkeit, und darum bringen wir Dornen hervor. Welches sind denn die Dornen? Hören wir auf Christus, der da sagt,10 daß die Weltsorgen und die Täuschungen des Reichthums das Wort (Gottes) ersticken, und es trägt keine Frucht: „Denn das Land,“ heißt es, „welches den oft darauf fallenden Regen einsaugt und dienliche Gewächse hervorbringt.“

1: Ps 2,11
2: 1 Kor 10,12
3: 1 Kor 9,27
4: Röm 1,18
5: Is 5,6
6: Ps 64,10
7: Joh 15,22
8: Is 5,2
9: Ps 31,4
10: Lk 8,14

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger