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Chrysostomus († 407) - Homilien über den Brief an die Hebräer
Neunte Homilie.

III.

Dann fügt er bei: „Auch gekostet haben die himmlische Gabe,“ d. i. die Nachlassung. „Und theilhaftig geworden des heiligen Geistes, deßgleichen gekostet haben das gute, göttliche Wort.“ Hier meint er die Lehre. „Und die Kräfte der zukünftigen Welt.“ Welche Kräfte meint er? Entweder die Wundergabe oder das Unterpfand des heiligen Geistes. „Und doch abgefallen sind, wieder zur Sinnesänderung zu erneuern, da sie, ein Jeder für sich, den Sohn Gottes auf ein Neues kreuzigen und verspotten.“ „Zu erneuern zur Sinnesänderung“ bedeutet so viel als zu erneuern durch Buße. Wie also? Ist denn die Buße verworfen? Nicht die Buße, Das sei ferne, sondern die Wiedererneuerung durch das Taufbad. Denn er sagt nicht: Es ist unmöglich, erneuert zu werden zur Sinnesänderung, und läßt dann Schweigen folgen, sondern den Worten: „Es ist unmöglich“ fügt er bei: „da sie [S. 160] auf ein Neues kreuzigen.“ Erneuert werden ist so viel als neu werden. Neu aber macht allein das Taufbad. „Es wird erneuert,“ heißt es. „deine Jugend wie die des Adlers.“1 Die Buße aber hat Diejenigen, welche neu, durch die Sünde aber wieder alt geworden, vom Alter zu befreien und neu herzustellen; den früheren Glanz aber zu verleihen vermag sie nicht; denn da war Alles Gnade.

„Da sie, ein Jeder für sich, den Sohn Gottes auf ein Neues kreuzigen und verspotten.“ Diese Worte aber heissen soviel als: die Taufe ist das Kreuz: „Denn unser alter Mensch ist gekreuzigt.“ Und wieder: „Wir sind gleichgemacht der Ähnlichkeit seines Todes.“ Und wieder: „Wir sind begraben mit ihm durch die Taufe zum Tode.“ Wie also Christus nicht wieder gekreuzigt werden kann, - denn das heißt ihn verspotten, - so ist auch eine Wiedertaufe nicht möglich. Denn wenn der Tod über ihn nicht mehr herrschen wird; wenn er auferstanden, wenn er durch die Auferstehung Sieger geworden über den Tod; wenn er durch den Tod den Tod überwunden hat: er hernach wieder gekreuziget wird, so ist all Jenes nur Fabel und Dichtung. Wer also an sich die Taufen wiederholt, kreuzigt ihn nochmals. Was heißt aber Das: „auf ein Neues kreuzigen“? Von Anfang an ihn wieder kreuzigen. Denn wie Christus am Kreuze gestorben, so sind wir in der Taufe nicht dem Fleische, sondern der Sünde nach gestorben. Siehe da Tod und Tod! Jener ist dem Fleische nach gestorben, wir aber der Sünde nach. Durch unsere Taufe ist der alte Mensch begraben worden und der neue auferstanden, gleichförmig geworden der Ähnlichkeit seines Todes. Wenn daher die Taufe wieder nothwendig ist, so ist es nicht weniger der abermalige Tod; denn die Taufe ist nichts Anderes als der Tod Dessen, [S. 161] der getauft wird, und seine Auferweckung. Und treffend sagt er: „auf ein Neues kreuzigen.“ Denn wer Dieses thut, richtet, uneingedenk der früheren Gnade und leichtfertig in seinem Wandel, sein ganzes Leben und Streben so ein, als gäbe es noch eine zweite Taufe. Darum ist Aufmerksamkeit und Behutsamkeit nöthig.

Was heißt Das: „auch gekostet haben die himmlische Gabe“? Diese Worte besagen: Nachlaß der Sünden; denn diese kann nur Gott schenken, und die Gnade ist nur einmal Gnade.2 „Was nun? Werden wir verharren im Sündigen, damit die Gnade um so reichlicher werde? Das sei ferne.“3 Wenn wir aber immer durch Gnade das Heil finden könnten, so würden wir niemals gut sein. Denn wenn wir, wo es nur eine Gnade gibt, so sehr dem Leichtsinne huldigen, würden wir, falls wir wüßten, daß die Sünden wieder abgewaschen würden, zu sündigen aufhören? Ich einmal glaube Das nicht. Er zeigt hier, daß die Gaben vielfach seien, und um dich davon zu überzeugen, so höre: Du bist gewürdiget worden, sagt er, einer so großen Vergebung; denn der in der Finsterniß saß, der ein Feind, ein Widersacher und ganz entfremdet war; auf dem der Zorn Gottes lag und der dem Untergange entgegenreifte: wie könnte ein Solcher, da er plötzlich erleuchtet, des heiligen Geistes sowie der himmlischen Gnade, der Annahme an Sohnes Statt, des himmlischen Reiches, der anderen Güter und der unaussprechlichen Geheimnisse gewürdiget worden, dadurch aber sich keineswegs bessern ließ, und da er verdiente, zu Grunde zu gehen, in den Besitz von Heil und Ehre gelangte, als hätte er preiswürdige Thaten vollbracht, - wieder getauft werden? Die Unmöglichkeit dieser Sache zeigt er auf doppelte Weise und [S. 162] läßt den wichtigeren Beweis zuletzt folgen. Einmal nämlich, weil Jemand, der solcher Gnaden gewürdiget worden und die ihm geschenkten vergeudet hat, einer zweiten Erneuerung unwürdig ist; dann aber, weil eine nochmalige Kreuzigung unmöglich ist; denn Das heißt: „dem Spotte preisgeben.“ Es gibt also keine zweite Taufe; eine solche findet nicht statt. Gäbe es aber eine solche, dann gäbe es auch eine dritte und eine vierte, und von der letzten wird immer die vorhergehende aufgehoben, und diese letzte wieder von einer andern und so in’s Unendliche fort.

In den Worten: „Gekostet haben das gute göttliche Wort und die Kräfte der zukünftigen Welt“ gibt er keine Erklärung, sondern nur eine Andeutung und will damit sagen: Das Leben, welches dem der Engel gleicht; die gänzliche Befreiung von den irdischen Bedürfnissen; die Gewißheit, daß die Annahme an Kindesstatt uns den Genuß der ewigen Güter vermittelt; die Hoffnung, in jenes Heiligthum einzugehen, - über diese Dinge kann nur der heilige Geist die richtige Aufklärung gehen. - Was heißt Das: „Die Kräfte der zukünftigen Welt?“ Das ewige Leben in der Gesellschaft der Engel. Hievon hat uns der heilige Geist durch den Glauben das Unterpfand gegeben. Sage mir nun, wenn du in einen königlichen Palast gekommen wärest, und man hätte dir daselbst Alles anvertraut, du aber hättest darnach Alles verrathen, - könntest du dann nochmals in dasselbe Vertrauen eingesetzt werden?

1: Ps 102,5
2: d.h. die Taufgnade wird nur einmal zu Theil
3: Röm 6,1

 

 

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Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger